Krankenkassenprämien: Prämienschock: «Selber schuld»
Aktualisiert

KrankenkassenprämienPrämienschock: «Selber schuld»

Wer ist schuld an der verfahrenen Situation im Gesundheitswesen? Wir Konsumentinnen und Konsumenten. Interessant ist, wer zu diesem Schluss kommt.

Das findet nämlich die Bevölkerung selber, was aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Demoscope hervorgeht. Nur gerade 8 Prozent der über 1000 Befragten sehen in Gesundheitsminister Pascal Couchepin den Hauptverantwortlichen für das kranke Gesundheitswesen, wie Demoscope am Donnerstag mitteilte. 39 Prozent halten ihn für «stark mitverantwortlich».

Unter jenen, die die Schuld nicht primär beim Bundesrat suchen, «fällt die Antwort entwaffnend offen aus», schreibt Demoscope weiter. Mit Abstand am häufigsten bezeichneten sich die Befragten selbst in ihrer Konsumentenrolle als jene, die am meisten zur aktuellen Situation beigetragen haben.

Reaktion auf den angekündigten Prämienschock

Als die Medien veröffentlichten, dass die Krankenkassenprämien im kommenden Jahr bis zu 20 Prozent ansteigen könnten, reagierte ein Drittel der Befragten mit Wut, Zorn und ähnlichen negativen Gefühlen. Bei 15 Prozent haben die Meldungen zu Verunsicherung, Besorgnis oder sogar zu Existenzängsten geführt.

Ein Krankenkassenwechsel kommt gemäss Umfrage für 30 Prozent der Bevölkerung in Frage, sollte ihre Prämie um 10 Prozent steigen. Bei einer Prämienerhöhung um 15 Prozent würden schon 43 Prozent zu einer günstigeren Kasse wechseln. Und bei der in einigen Kantonen realistischen Steigerung um 20 Prozent würde sogar eine Mehrheit von 55 eine andere Kasse wählen.

Krankes Gesundheitswesen heilen

Auf die Frage, wie das Gesundheitswesen gesunden könnte, sind sich Schweizerinnen und Schweizer sehr uneinig. «Selbst relativ kleine Eingriffe sind in der Bevölkerung hart umstritten und hätten kaum Chancen, von einer Mehrheit akzeptiert zu werden», schreibt Demoscope.

Die Praxispauschale von 30 Franken pro Arztbesuch beispielsweise findet nur bei einem Drittel der Befragten Unterstützung, 58 lehnen sie ab. Zudem glaubten nur 34 Prozent, dass eine staatliche Einheitskasse die Gesundheitskosten senken könne. Und nur 20 Prozent sind davon überzeugt, dass das gleiche Ziel mit der Abschaffung der obligatorischen Krankenversicherung erreicht werden könnte.

Demoscope hat zwischen dem 22. und 29. Juni 1017 telefonische Interviews geführt. Es wurde eine Zufallsstichprobe von Privathaushalten in der Deutschschweiz und der Romandie kontaktiert. (sda)

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