Zürich: Präparierte Schoggi-Kugeln und Deos – so läuft der Schmuggel im Gefängnis ab

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ZürichPräparierte Schoggi-Kugeln und Deos – so läuft der Schmuggel im Gefängnis ab

Beim Schmuggel ins Gefängnis werden die Leute erfinderisch. Das zeigen Beispiele der JVA Pöschwies. Dort wurden 2021 36 Handys sichergestellt und wegen Drogen 118 Strafen vollzogen.

von
Lynn Sachs
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Drogen in präparierten Schoggi-Kugeln.

Drogen in präparierten Schoggi-Kugeln.

 Justizvollzugsanstalt Pöschwies
Handys in Mayonnaise-Tuben. So versuchen Personen verbotene Gegenstände ins Gefängnis zu Schmuggeln. 

Handys in Mayonnaise-Tuben. So versuchen Personen verbotene Gegenstände ins Gefängnis zu Schmuggeln. 

 Justizvollzugsanstalt Pöschwies
2021 wurden in der JVA Pöschwies 36 Handys, 54 Sim-Karten und ein Memory-Stick sichergestellt.

2021 wurden in der JVA Pöschwies 36 Handys, 54 Sim-Karten und ein Memory-Stick sichergestellt.

Tamedia/Thomas Egli

Darum gehts

  • Schmuggel zu unterbinden, ist für Gefängnisse eine Daueraufgabe.

  • Ganz unterbinden lasse er sich aber nicht.

  • Die Personen seien erfinderisch bei Schmuggelversuchen.

Gleich zwei Fälle wurden dieses Jahr bekannt, bei denen mutmasslich Mitarbeitende unerlaubte Gegenstände wie Drogen und Handys in Zürcher Gefängnisse geschmuggelt haben – einmal im Gefängnis Zürich und einmal in der JVA Pöschwies. Dabei handle es sich aber um Einzelfälle, sagt Mirjam Schlup, Amtsleiterin von Justizvollzug und Wiedereingliederung, am Mittwochabend vor den Medien.

Wie Andreas Naegeli, Direktor der JVA Pöschwies, erklärte, könne Schmuggel unter anderem über Warentransporte, Personen, die sich in und aus dem Gefängnis bewegen, und Mitarbeitende stattfinden. Dabei seien die Personen erfinderisch. Neben verschiedenen Körperöffnungen hätten in der JVA Pöschwies Leute schon versucht, Handys und Drogen in präparierten Mayonnaise-Tuben, Schoko-Kugeln, Deos oder Staubsaugern in die Gefängnismauern zu bringen.

2021 wurden in der JVA Pöschwies 36 Handys, 54 Sim-Karten und ein Memory-Stick sichergestellt. Wegen Drogenkonsums wurden 118 Disziplinarstrafen vollzogen.

Schwerpunkte bei Kontrollen

Grundsätzlich seien Schmuggelfälle in Anstalten für Jugendliche und junge Erwachsene häufiger als in solchen für Erwachsene. Auch beim Drogenkonsum zeigt sich ein ähnliches Bild: Laut einer Studie im Jahr 2018 berichteten zehn Prozent der jüngeren Insassen von Cannabiskonsum im Gefängnis. Bei den Insassen über 50 Jahren waren es 3,2 Prozent. 

Gegen den Schmuggel vorzugehen, sei eine Daueraufgabe. Dabei müsse bei den Kontrollen aber immer die Verhältnismässigkeit abgeschätzt werden. «Wir können nicht alle Zutritte und Wareneingänge genau kontrollieren. Dabei müssen wir Schwerpunkte setzen», so Naegeli. Stattdessen setze man vor allem bei den Angestellten auf eine sorgfältige Personalauswahl, einen regen Austausch und eine begleitende Führung. Bei korruptem Verhalten werde aber konsequent durchgegriffen und, wenn nötig, Verfahren eingeleitet.

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