Nigeria: Präsident Jonathan steht vor Wiederwahl
Aktualisiert

NigeriaPräsident Jonathan steht vor Wiederwahl

Nach Auszählung der Stimmen in 35 der 36 Bundesstaaten Nigerias liegt Amtsinhaber Goodluck Jonathan bei den Präsidentenwahlen klar in Führung. Der Urnengang verlief grösstenteils friedlich.

Der amtierende und wohl auch künftige Präsident Nigerias bei der Stimmabgabe: Goodluck Jonathan.

Der amtierende und wohl auch künftige Präsident Nigerias bei der Stimmabgabe: Goodluck Jonathan.

Nach vorläufigen Ergebnissen vom Montag erhielt Jonathan 22 Millionen Stimmen, etwa doppelt so viele wie der ehemalige Militärmachthaber Muhammadu Buhari. Jonathan schnitt vor allem im christlich geprägten öl- und gasreichen Süden des Landes gut ab.Er stammt aus dieser Gegend.

Der 69-jährige Buhari, der Nigeria 1984 und 1985 mit eiserner Hand regiert hatte, ist dagegen im muslimischen Norden beliebt. Experten schätzten die Chancen für Buhari schlecht ein, den Rückstand noch aufzuholen. Endgültig aussagekräftige Ergebnisse werden für Montag erwartet.

In 15 Staaten vorn

Um bereits in der ersten Runde zu siegen, benötigt ein Kandidat die einfache Mehrheit und mindestens ein Viertel der Stimmen in 24 der 36 Bundesstaaten.

In mindestens 15 Staaten, in denen Ergebnissen vorlagen, kam Jonathan bereits auf die erforderlichen mindestens 25 Prozent. Eine Stichwahl galt damit als unwahrscheinlich. Zunächst hatte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Jonathan und Buhari abgezeichnet. Allgemein war mit einer Stichwahl gerechnet worden.

Der 53-jährige Jonathan von der Demokratischen Volkspartei wurde erst vor einem knappen Jahr als Staatschef vereidigt. Zuvor hatte er den schwer erkrankten Präsidenten Umaru Yar'Adua bis zu dessen Tod zunächst kommissarisch vertreten.

Jonathan war als Favorit ins Rennen gegangen. Allerdings kreiden viele Menschen des bevölkerungsreichsten Land Afrikas der aktuellen Führung an, dass sie trotz oder wegen des Ölreichtums in extremer Armut leben. Die Mehrheit der rund 150 Millionen Einwohner lebt von weniger als zwei Dollar am Tag.

Beobachter: Faire Wahlen

In Nigeria gibt es mehr als 73 Millionen registrierte Wähler und rund 120'000 Wahllokale. Die Wahl von Samstag lief nach Angaben von Beobachtern überraschend fair ab. Der ehemalige Präsident von Ghana, John Kufuor, stand einer Kommission aus Wahlbeobachtern vor. Er sagte, Nigeria scheine den Ruf gefälschter Wahlen abgeschüttelt zu haben.

Der frühere botsuanische Präsident Festus Mogae, der die Wahlbeobachtergruppe des Commonwealth leitete, sagte: «Wir scheinen Zeuge geworden zu sein, wie sich ein Gigant Afrikas selbst reformiert und sein Haus in Ordnung bringt.»

Auch Wahlbeobachter der EU stellten ein gutes Zeugnis aus: Die meisten Wahllokale hätten pünktlich geöffnet; es seien nur wenige Vorkommnisse etwa mit fehlenden Wahlunterlagen festgestellt worden.

Wie reagieren Buharis Anhänger?

Allerdings zogen im Norden des Landes einige Buhari-Anhänger auf die Strasse, aus Angst, die Regierung fälsche die Ergebnisse - die Norm seit dem Ende des Militärregimes im Jahr 1999. Buhari hatte bei seiner Stimmabgabe angebliche Fälschungsversuche in vielen Wahllokalen beklagt. Zudem seien vorab zahlreiche Stimmzettel zu Gunsten Jonathans ausgefüllt worden.

Beobachter fürchten, dass die Wahlen trotz ihres fast friedlichen Verlaufs Nigeria spalten könnten. «Die gute Nachricht ist, dass sich die Menschen für die Wahl interessieren, die schlechte, dass das Land in Nord und Süd gespalten ist», sagte Wahlbeobachter Chidi Odinkalu.

Wenig Gewalt

Es kam vereinzelt zu Zwischenfällen. So wurden am Tag der Abstimmung am Samstag acht Menschen bei der Explosion einer Bombe in der Stadt Kaduna im Nordwesten Nigerias verletzt.

Im Nordosten des Landes wurde ein Polizist erschossen. In der Stadt Maiduguri explodierten den Behörden zufolge zwei Bomben, die aber niemanden verletzten. Bei Ausschreitungen gingen im ebenfalls nordöstlich gelegenen Bundesstaat Bauchi zwei Gebäude in Flammen auf.

Erst am 9. April hatte Nigeria sein neu gewählt. Am 26. April stehen zudem zudem die Gouverneure und und Regionalparlamente zur Wahl. (sda)

Deine Meinung