Präsident inhaftiert: Präsident von Honduras ins Exil geschickt
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Präsident inhaftiertPräsident von Honduras ins Exil geschickt

Der honduranische Präsident Manuel Zelaya ist am Sonntag von Soldaten festgenommen und ins Exil geschickt worden. Nur eine Stunde vor Beginn eines umstrittenen Referendums wurde der Staatschef aus seinem Amtssitz in Tegucigalpa abgeführt.

Nach seiner Ankunft in Costa Rica bezeichnete Zelaya das Vorgehen der Streitkräfte als Putsch und Entführung. Der honduranische Kongress erklärte den Präsidenten später praktisch für abgesetzt. Die Mitglieder stimmten mehrheitlich einem angeblich von Zelaya unterzeichneten Brief zu, in dem dieser bereits am Freitag seinen Rücktritt erklärt haben soll.

Zelaya sagte dem US-Fernsehsender CNN, der angebliche Rücktritt sei «völlig falsch». Er sei noch immer der Präsident des mittelamerikanischen Landes.

Die EU verurteilte Zelayas Festnahme. US-Präsident Barack Obama rief alle Seiten auf, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu respektieren.

Auch Aussenministerin und ausländische Botschafter verhaftet?

In der nicaraguanischen Hauptstadt Managua sagte Rosario Murillo, die Frau und Sprecherin des nicaraguanischen Präsidenten Daniel Ortega, in Honduras seien die Botschafter Kubas, Nicaraguas und Venezuelas «entführt» worden.

Sie seien zu einem Besuch in der Residenz der honduranischen Aussenministerin, Patricia Rodas gewesen. Diese sei festgenommen worden und mit einem Helikopter möglicherweise ausser Landes gebracht worden.

Umstrittenes Referendum als Auslöser

Der Machtkampf zwischen Streitkräften und Präsident in Honduras entzündete sich an dem geplanten Referendum, das der Oberste Gerichtshof für unzulässig erklärt hatte. Die Wähler sollten darüber abstimmen, ob zeitgleich mit der Präsidentenwahl im November ein Referendum über die Wahl einer Verfassungsgebenden Versammlung stattfinden soll. Kritiker warfen dem Präsidenten vor, er wolle mit der angestrebten Verfassungsänderung seine im Januar 2010 endende Amtszeit verlängern.

Auch die Militärführung erachtete die für Sonntag angesetzte Volksabstimmung für illegal, selbst Abgeordnete von Zelayas Partei lehnten sie ab. Unterstützt wurde der Präsident dagegen von Gewerkschaftsführern, Bauern und Organisationen der Zivilgesellschaft, die sich von einer Verfassungsreform in dem armen Land mehr Mitsprache erhofften.

Präsident widersetzte sich Oberstem Gericht

Schon vor Tagen zeichnete sich ab, dass sich der Streit um das Referendum zur Staatskrise ausweitet. Zelaya lehnte am Donnerstag die Anordnung des Obersten Gerichts ab, die Absetzung des Generalstabschefs Romeo Vasquez zurückzunehmen. Vasquez wollte das umstrittene Referendum nicht unterstützen. Nach seiner Entlassung erklärten auch die Kommandeure des Heeres, der Marine und der Luftwaffe ihren Rücktritt. Ausserdem legte Verteidigungsminister Edmundo Orellana sein Amt nieder.

«Im Schlafanzug verhaftet»

Wenige Stunden nach seiner Festnahme traf Zelaya in Costa Rica ein. Von dort aus erzählte er einem Fernsehsender, die Soldaten hätten ihn aus dem Bett gejagt, seine Leibwächter geschlagen und ihn - noch im Schlafanzug - verhaftet. Er werde seine Absetzung nicht hinnehmen und habe vor, seine Amtszeit zu beenden.

Nach der Festnahme des Präsidenten rollten Panzer durch die Strassen von Tegucigalpa, und Militärlastwagen mit mehreren hundert Soldaten umstellten den Präsidentenpalast in der Innenstadt. Etwa 100 Zelaya-Anhänger blockierten die Hauptstrasse vor den Toren des Palastes, warfen Steine auf die Soldaten und beschimpften sie als Verräter.

Die EU-Aussenminister erklärten, Zelayas Absetzung stelle eine «inakzeptable Verletzung der verfassungsmässigen Ordnung in Honduras» dar. Obama forderte die Konfliktparteien auf, den Streit am Verhandlungstisch friedlich beizulegen.

Honduras: Eines der ärmsten Länder Lateinamerikas

Das in Mittelamerika zwischen Guatemala und Nicaragua gelegene Honduras gehört zu den ärmsten Ländern des Kontinents. Nach einigen Schätzungen leben bis zu 80 Prozent der Menschen in bitterer Armut. Lediglich in Haiti ist die Not noch grösser.

In Honduras, das etwa dreimal so gross wie die Schweiz ist, leben rund 7,6 Millionen Menschen, hauptsächlich Mestizen, also Nachkommen weisser Einwanderer und indigener Völker. Die Hauptstadt Tegucigalpa zählt etwa eine Million Einwohner.

Zwischen 85 und 90 Prozent der Honduraner sind katholisch, der Rest gehört protestantischen Sekten an. Honduras ist seit 1821 unabhängig von Spanien.

Neben der allgegenwärtigen Korruption ist die steigende Kriminalität eines der Hauptprobleme des Landes. Kriminelle Jugendbanden haben nach Berichten der Weltbank in Honduras mittlerweile über 40 000 Anhänger.

Honduras hat eine der höchsten (pro-Kopf-) Mordraten in ganz Lateinamerika. 2008 ist die Zahl der Morde nach Auskunft der honduranischen Behörden im Vergleich zum Vorjahr um weitere 25 Prozent auf 4473 Opfer gestiegen.

Einst wurde die Wirtschaft zu mehr als 50 Prozent vom Bananenanbau - und damit von US-Firmen wie der berüchtigten United Fruit Company - dominiert. Heute spielt der Export von Kaffee und Fleisch eine mindestens ebenso wichtige Rolle.

(Quelle: AP/SDA)

Zelaya will mit Mittelamerikas Präsidenten tagen

Der gestürzte Präsident von Honduras, Manuel Zelaya, will an diesem Montag an einer Konferenz der Staatschefs der mittelamerikanischen Länder teilnehmen.

Der nach Costa Rica ausgewiesene Zelaya sagte am Sonntag in San José, er sei weiterhin der legitime Präsident von Honduras und und werde zu dem Gipfeltreffen mit seinen Kollegen nach Managua reisen.

Bei der Pressekonferenz mit seinem costaricanischen Kollegen Óscar Arias rief er die Honduraner auf, friedlich Widerstand zu leisten. «Das honduranische Volk wird niemals eine illegale Regierung akzeptieren», sagte er. (SDA)

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