Aktualisiert 24.11.2011 11:14

Grimm tritt ab

Präsidenten-Wechsel mitten im Chaos

Die Swiss Football League (SFL) erhält am Freitag einen neuen Präsidenten. Nachdem Thomas Grimm sein Amt zur Verfügung gestellt hat, gilt Heinrich Schifferle als Kronfavorit für die Nachfolge.

Thomas Grimm tritt als Liga-Präsident ab.

Thomas Grimm tritt als Liga-Präsident ab.

Die Profiabteilung des Schweizerischen Fussballverbandes steuert seit längerer Zeit durch ungewohnt stürmische See. Andauernde juristische Streitigkeiten mit dem FC Sion und dessen Präsidenten Christian Constantin, der undurchsichtige Fall Neuchâtel Xamax mit seinem tschetschenischen Besitzer Bulat Tschagajew sowie der Spielabbruch beim Zürcher Derby wegen Petardenwürfen haben dem Image der Schweizer Spitzenliga nachhaltigen Schaden zugefügt. Aus der «geilsten Saison» - wie der Boulevard vor vier Monaten jubelte - ist innert kürzester Zeit ein Chaos mit nicht vorhersehbarem Ausgang geworden.

Wie grossen Anteil die SFL-Führung an der Misere hat, ist schwierig zu definieren. Just in dieser schwierigen Zeit aber kommt es heute Mittag anlässlich der ordentlichen Generalversammlung zum Wechsel auf der wichtigsten Position. Nach lediglich zweieinhalb Jahren im Amt kandidiert Präsident Grimm nicht mehr für eine weitere Periode. Ein Rücktritt, der sich schon länger abzeichnete, nachdem der frühere YB-Präsident von seinem Komitee nicht mehr die nötige Unterstützung erhalten hatte. Grimm war im Sommer durch seine Komitee-Mitglieder erst das Dossier über die Verhandlung des neuen TV-Vertrages und danach auch die Federführung im juristischen Kampf mit dem FC Sion entzogen worden. Eine erneute Kandidatur Grimms hätte angesichts dieser Probleme keine Chance gehabt.

Schifferle als Kronfavorit

Seit längerem in den Startpflöcken bereit steht Heinrich Schifferle, der schon bei der letzten Wahl antreten wollte, seine Kandidatur aber im letzten Moment aus familiären Gründen zurückgezogen hatte. Der Vizepräsident des FC Winterthur darf sich grosse Hoffnungen auf die Wahl machen. Er sitzt seit 1999 im Komitee der Swiss Football League und ist seit 2003 Finanzchef. Der Zürcher will im Fall der Wahl die Geschäftsstelle in Bern neu organisieren und deutlich mehr Zeit für das neue Amt aufwenden, als es der bisherige Präsident mit einem 50-Prozent-Mandat tun konnte.

Im neunköpfigen Komitee, das heute für drei Jahre gewählt wird, kommt es zu weiteren Wechseln. Neben Grimm haben auch die bisherigen Mitglieder Alexandre Rey (Xamax) und Aniello Fontana (FC Schaffhausen) ihren Rücktritt eingereicht. Zu Kampfwahlen dürfte es jedoch nicht kommen. Für die drei freien Plätze haben bisher einzig Bernhard Heusler (FC Basel), Ilja Kaenzig (Young Boys) und Walter Stierli (FC Luzern) ihre Kandidaturen angemeldet. Die Präsidenten der drei ASL-Spitzenklubs wollen mit ihrem Einsitz im Komitee den Anliegen der Super-League-Vereine mehr Gewicht verleihen. Im aktuellen Komitee sitzt mit Ancillo Canepa (FCZ) lediglich ein Präsident eines ASL-Klubs. «Die Liga ist momentan stark gefordert, präsentiert sich aber als grosse Baustelle. Wir wollen mithelfen, dass der Fussball schnellstmöglich wieder ins Zentrum rückt. Die Axpo Super League ist nämlich ein sehr gutes Produkt und hat diese Probleme nicht verdient», sagt FCL-Präsident Stierli. Ob noch weitere Kandidaten durch ihre Klubs portiert werden, wird sich erst am Tag der GV zeigen.

Liga entscheidet über GCs Pyro-Antrag

Neben der Präsidentenwahl werden an der GV, die am Freitagvormittag durch eine Präsidentenkonferenz vorbereitet wird, weitere wichtige Themen behandelt. Zum einen liegt ein Antrag der Lizenzabteilung vor, die als Reaktion auf den Fall Xamax eine Ergänzung im Lizenzreglement verlangt. Künftig soll ein Verein, der nach der ordentlichen Lizenz-Erteilung den Besitzer wechselt, ein neues, zusätzliches Lizenzverfahren durchlaufen müssen. Zudem entscheidet die Liga über den Antrag der Grasshoppers, die beim Zünden von Pyros in den Stadien zwingend den Nichtanpfiff oder Abbruch eines Spieles und entsprechende Sanktionen fordern.

Letzter heikler Verhandlungspunkt wird schliesslich das Wiedererwägungsgesuch des FC Vaduz darstellen. Die Liechtensteiner möchten ihre Teilnahme an den SFV-Wettbewerben auf unbestimmte Zeit verlängern, nachdem ihr letzter Vorschlag im Mai abgelehnt worden war. Der aktuelle Vertrag läuft im nächsten Sommer aus. Vaduz soll sein finanzielles Angebot für die Teilnahme deutlich aufgebessert haben. Es könnte jedoch kritisch werden für den Challenge-League-Verein, seit beschlossen wurde, dass die zweithöchste Klasse nächsten Sommer von 16 auf 10 Klubs reduziert wird. Werden die abstiegsbedrohten Schweizer Klubs der Challenge League das Gesuch der Vaduzer unterstützen, wenn dadurch ihre eigene Teilnahme bedroht ist? (si)

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