Aktualisiert 03.11.2014 16:04

RumänienPräsidentschaft wird in Stichwahl entschieden

Laut Hochrechnungen kommt am Sonntag keiner der Kandidaten auf eine absolute Mehrheit. Favorit Ponta wird voraussichtlich in einer zweiten Runde gegen den Bürgermeister Iohannis antreten.

Bei rumänischen Präsidentschaftswahlen konnte laut Hochrechnungen kein Kandidat den Sieg verbuchen.

Bei rumänischen Präsidentschaftswahlen konnte laut Hochrechnungen kein Kandidat den Sieg verbuchen.

Die Nachfolge des rumänischen Präsidenten Traian Basescu wird offenbar in einer Stichwahl entschieden. Prognosen deuteten am Sonntagabend darauf hin, dass in einer zweiten Wahlrunde am 16. November der bisherige Ministerpräsident Victor Ponta und der Bürgermeister der Stadt Sibiu, Klaus Iohannis, gegeneinander antreten werden. Der 42 Jahre alte Ponta war als Favorit in das Rennen um das Präsidentenamt gegangen.

Zwei Prognosen zum Wahlausgang sahen Ponta mit 38 bis 40 Prozent der Stimmen vorn. Iohannis wurde mit 31 bis 32 Prozent Zweiter. Um eine Stichwahl zu vermeiden, hätte ein Kandidat die absolute Mehrheit erreichen müssen.

Nach Auszählung von 17 Prozent der Stimmen lag der sozialdemokratische amtierende Regierungschef Victor Ponta mit 37,5 Prozent der Stimmen vorne. Auf dem zweiten Platz landet Iohannis mit 30,3 Prozent der Stimmen, wie das Zentrale Wahlbüro mitteilte.

Korruptionsvorwürfe gegen Ponta

Ponta ist ein ehemaliger Staatsanwalt, dessen Popularität trotz Korruptionsermittlungen gegen ranghohe Mitglieder seiner Sozialdemokratischen Partei offenbar keinen schweren Schaden genommen hat. Er hat neben niedrigeren Steuern auch höhere Renten angekündigt. Zudem versprach er gute Beziehungen zu EU und China.

Iohannis, der Bürgermeister von Sibiu (deutsch: Hermannstadt), ist ein Vertreter der deutschen Minderheit im Land. Von seinen Gegnern wird er nur «der Deutsche» genannt.

«Ich denke, ab diesem Winter werden wir ein wahrhaft demokratisches Land haben», sagte Ponta nach der Stimmabgabe am Sonntag. «Ein europäisches Land. Nach zehn Jahren des Kriegs und der Zerstörung ist es Zeit für einen Wiederaufbau», erklärte er in Anspielung auf seine Rivalitäten mit dem scheidenden Präsidenten Basescu.

Basescu, der für seine direkten und häufig kritischen Kommentare über Politiker und das Justizsystem Rumäniens bekannt ist, erklärte: «Wir brauchen einen Präsidenten, der die Rechtsstaatlichkeit festigen wird.» Der bisherige Staatschef scheidet im Dezember nach zehn Jahren aus dem Amt.

Bürger hoffen auf Image-Wandel

Das Amt des Staatspräsidenten ist in Rumänien eher repräsentativ. Er ist für die Aussen- und Verteidigungspolitik zuständig und ernennt die Chefs der beiden Geheimdienste, ranghohe Staatsanwälte sowie Botschafter. Einfluss und Prestige des Amtes reichen jedoch weit über die festgeschriebenen Befugnisse hinaus.

Einige Wähler sagten, sie wünschten sich einen Staatschef, der ein gutes Image des Landes mit seinen 19 Millionen Einwohnern präsentieren würde. «Ich will einen Präsidenten, der nicht korrupt ist, einen guten Ruf hat und Aussenpolitik versteht», sagte der 36 Jahre alte Alexandru Antoniu. Er sagte, er werde für die Antikorruptionsaktivistin Monica Macovei stimmen. Diese lag in Umfragen vor der Wahl abgeschlagen auf dem vierten Platz.

Der 26-jährige Ilie Stefan erklärte, er sehne sich nach einem Präsidenten, «der dafür sorgen wird, dass wir nicht als eine Nation von Dieben gesehen werden, weil wir das nicht sind. Wir arbeiten», sagte Stefan. (sda)

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