Lidiane Leite: Prahl-Bürgermeisterin zu 14 Jahren Haft verurteilt
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Lidiane LeitePrahl-Bürgermeisterin zu 14 Jahren Haft verurteilt

Eine brasilianische Bürgermeisterin prahlte auf Instagram mit ihrem glamourösen Leben, das sie mit veruntreuten Geldern führte. Dafür erhält Lidiane Leite jetzt die Quittung.

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Die 27-jährige Lidiane Leite kennt man in ihrer Heimat Brasilien als die «Prahl-Bürgermeisterin».

Die 27-jährige Lidiane Leite kennt man in ihrer Heimat Brasilien als die «Prahl-Bürgermeisterin».

Instagram/Lidiane Leite
Anfang Dezember 2017 wurde sie unter anderem wegen Betrug zu 14 Jahren Haft verurteilt.

Anfang Dezember 2017 wurde sie unter anderem wegen Betrug zu 14 Jahren Haft verurteilt.

Instagram/prefeitaostentação
2012 wurde Leite zur Bürgermeisterin der Kleinstadt Bom Jardim im nordöstlichen Bundesstaat Maranhão ernannt. Eigentlich hätte ihr Liebhaber Beto Rocha Bürgermeister werden sollen. Doch wenige Tage vor der Abstimmung wurde der 39-Jährige wegen Korruptionsverdacht nicht zur Wahl zugelassen. Leite ersetzte seinen Namen auf der Liste.

2012 wurde Leite zur Bürgermeisterin der Kleinstadt Bom Jardim im nordöstlichen Bundesstaat Maranhão ernannt. Eigentlich hätte ihr Liebhaber Beto Rocha Bürgermeister werden sollen. Doch wenige Tage vor der Abstimmung wurde der 39-Jährige wegen Korruptionsverdacht nicht zur Wahl zugelassen. Leite ersetzte seinen Namen auf der Liste.

Instagram/prefeitaostentação

Lidiane Leite regierte die brasilianische Kleinstadt Bom Jardim im nordöstlichen Bundesstaat Maranhão via Whatsapp und veruntreute insgesamt rund 20 Millionen Reais (umgerechnet sechs Millionen Franken). Jetzt wurde die 27-Jährige zu einer Haftstrafe von 14 Jahren und einem Monat verurteilt.

Laut dem brasilianischen Portal TNH1 verurteilte Richter Raphael Leite Guedes sie zudem zur Zahlung einer Geldstrafe von 980 Tagessätzen, wobei jeder Tag zwei Mindestlöhnen entspricht.

Wie eine brasilianische Telenovela

Leite gilt in ihrer Heimat als Emblem von Korruption und Verschwendung: 2012 wurde die damals 22 Jahre alte Kleiderverkäuferin zur Bürgermeisterin ernannt – mehr zufällig als geplant. Kandidat war eigentlich ihr Liebhaber Humberto Dantas dos Santos, genannt Beto Rocha.

Wenige Tage vor der Wahl wurde der 39-Jährige jedoch wegen Korruptionsverdacht nicht zugelassen. So ersetzte ihn Leite als Kandidatin auf der Liste.

«Gott sei Dank ist Geld kein Problem mehr»

Tatsächlich gewann Leite die Wahl und ernannte ihren Freund zum Sekretär für Politische Angelegenheiten von Bom Jardim. Während sie selber ihre Zeit lieber im Fitnesszentrum, auf Partys und in Shoppingmalls verbrachte, überliess sie das Regieren mehrheitlich ihrem Partner. Eine ihrer ersten Amtsgeschäfte war allerdings das Erstellen einer Whatsapp-Gruppe namens «Task Force», in der sie sich mit ihren Mitarbeitern im Stadtrat austauschte und ihnen Aufgaben erteilte.

Während viele der 40'000 Einwohner von Bom Jardim in absoluter Armut leben und viele Eltern ihre Kinder zur Schule schicken, nur damit diese eine richtige Mahlzeit am Tag erhalten, zeigte die Bürgermeisterin auf sozialen Plattformen, wie gut sie es hatte.

Sie postete Selfies, auf denen sie Champagner trank, prahlte mit Spritztouren auf dem Jetski oder mit schnellen Autos. Dazu schrieb sie: «Gott sei Dank ist Geld kein Problem mehr. Ich kann kaufen, was immer ich will, und ich kann Geld ausgeben, wie es mir gefällt.»

Whatsapp-Befehle bis zum Schluss

2015 wurde der Unmut in Bom Jardim so gross (unter anderem, weil die Mahlzeiten in den Schulen gestrichen wurden), dass die Staatsanwaltschaft zu ermitteln begann. Die lokalen Medien nannten Leite inzwischen «Prefeita Ostentação», übersetzt etwa «die Prahl-Bürgermeisterin».

Als Leite im August 2015 von ihrer bevorstehenden Verhaftung wegen des Verdachts der Veruntreuung von umgerechnet 3,8 Millionen Franken erfuhr, ergriff sie die Flucht. In der Whatsapp-Gruppe betonte sie ihren Mitarbeitern gegenüber, dass sie aber immer noch Bürgermeisterin sei, und verbot ihnen, mit der Justiz zu sprechen.

Geld mit falschen Rechnungen eingesackt

Im Laufe der Ermittlungen stellte sich heraus, dass Leite nicht existierenden Bauunternehmen rund 45'000 Franken bezahlte, um drei Schulen umzubauen. Weitere 637'000 Franken waren für den Strassenbau vorgesehen – die Arbeiten wurden nie ausgeführt. «Auf diese Weise steckte sie Geld aus der Stadtkasse in ihre eigene Tasche», sagte Staatsanwalt Fabio Santos de Oliveira zu BBC. Über weitere veruntreute Gelder sind keine Details bekannt.

Nach 39 Tagen auf der Flucht stellte sich Lidiane Leite schliesslich. Im Oktober 2015 wurden ihre Bankkonti eingefroren, es folgte ein zweieinhalb Jahre langer Rechtsstreit. Das Urteil lautet nun auf 14 Jahre und einen Monat Haft. Danach soll sie sechs weitere Jahre unter Hausarrest stehen. Ihre Beziehung zu Beto Rocha ging nach der Verhaftung in die Brüche.

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