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Pratteln: Lebenslänglich für Dreifachmörder

Der Mann, der vor drei Jahren in Pratteln BL drei Menschen erschossen hat, muss lebenslänglich ins Zuchthaus. Das Strafgericht Baselland befand den Türken des mehrfachen Mordes und der mehrfachen schweren Körperverletzung für schuldig.

Die fünfköpfige Kammer des Strafgerichts folgte in Liestal mit diesem Urteil dem Staatsanwalt. Das Gericht verfügte zudem eine unbedingte Landesverweisung von 15 Jahren. Die Verteidigung hatte im dreitägigen Prozess auf vorsätzliche Tötung plädiert und 18 Jahre Zuchthaus gefordert. Ob sie das Urteil akzeptiert, ist noch offen.

Der heute 50-jährige türkische Staatsangehörige war am 4. Juli 2003 in Pratteln mit einer entsicherten und schussbereiten Pistole über die Veranda in eine Wohnung gestürmt, in der seine Ex-Freundin mit ihrer Familie und ihrem neuen Freund Geburtstag feierte. Die 52- jährige Schweizerin überlebte schwerverletzt das Drama, bei dem der Verurteilte zehn Schüsse abfeuerte.

Ums Leben kamen dagegen ihre 16-jährige Tochter, ihre 75-jährige Mutter und ihr Freund, ein 51-jähriger Schweizer. Unverletzt blieb eine weitere Frau, die sich unter einem Tisch verstecken konnte und von dort aus den Tatablauf verfolgte. Sie wurde dabei derart schwer traumatisiert, dass sie nicht mehr arbeitsfähig ist.

«Monströse Tat»

Der Gerichtspräsident sprach bei der Urteilsverkündung von einer «monströsen Tat». Der «enorm gekränkte» Angeklagte sei indes kein Monstrum, denn das Drama stehe am Ende einer Beziehungsgeschichte. Für deren Dynamik sei die Ex-Freundin mitverantwortlich. Schuld an der Tat sei sie jedoch nicht, hielt der Gerichtspräsident dem Angeklagten entgegen.

Gewissheit, dass sich seine Partnerin einem andern Mann zugewandt hatte, erhielt der Angeklagte in einem irrtümlich an ihn geschickten SMS am 22. Juni. Danach sagte er gegenüber Zeugen, dass er seine Partnerin umbringen werde, falls sie ihn betrüge. Wenige Tage später kam es zum Blutbad.

Menschen gezielt liquidiert

Für das Gericht war die Bluttat «ganz klar» Mord. Der zuvor unbescholtene Täter sei besonders skrupellos vorgegangen, indem er drei Menschen mit gezielten Schüssen liquidierte, ohne einmal inne zu halten. Der Angeklagte habe eine eigentliche Hinrichtung mit Konsequenz, Brutalität und Hemmungslosigkeit vollzogen, sagte der Gerichtspräsident.

Die Höchststrafe von lebenslänglichem Zuchthaus erhielt der Angeklagte unter anderem deshalb, weil er laut Gerichtspsychiater voll zurechnungsfähig war. Das kommt laut dem Gerichtspräsidenten in solchen Fälen selten vor. Zudem wurde die Rückfallgefahr als erheblich eingestuft.

Viel Selbstmitleid

Zwar habe sich der Angeklagte entschuldigt, jegliche Empathie für die Opfer gehe ihm aber ab, sagte der Gerichtspräsident weiter. Dafür zeige der Täter sehr viel Selbstmitleid.

Sang- und klanglos akzeptierte der Angeklagte Forderungen von insgesamt rund 1,5 Mio. Franken für Genugtuung, Schadenersatz und Anwaltskosten. Wie diese Forderungen beglichen werden sollen, konnte der Verteidiger nach der Urteilsverkündung indes nicht sagen. (sda)

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