EU-Sanktionspaket: Preisdeckel für russisches Öl – «EU überschätzt sich massiv» laut Experten

Aktualisiert

EU-SanktionspaketPreisdeckel für russisches Öl – «EU überschätzt sich massiv» laut Experten

Die EU will das kriegsführende Russland mit einem Ölpreisdeckel «zur Kasse bitten», dafür müssten aber Länder wie China und Indien mitmachen. Doch die wollen lieber direkt mit Russland verhandeln.

von
Fabian Pöschl
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EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen informierte am Mittwoch über die neuen EU-Sanktionen gegen Russland.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen informierte am Mittwoch über die neuen EU-Sanktionen gegen Russland.

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Die Sanktionen sind eine Reaktion auf die Referenden in der Ostukraine.

Die Sanktionen sind eine Reaktion auf die Referenden in der Ostukraine.

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So einigten sich die EU-Länder auf einen Preisdeckel für russisches Öl über den Seeweg.

So einigten sich die EU-Länder auf einen Preisdeckel für russisches Öl über den Seeweg.

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Darum gehts

Die EU-Staaten haben am Mittwoch das achte Sanktionspaket gegen Russland auf den Weg gebracht. Es beinhaltet etwa ein Importverbot für bestimmten Stahl aus Russland, Strafen für russische Personen und einen Preisdeckel für Öl aus Russland. Nach den Referenden in den ostukrainischen Gebieten bitte man den Kreml nun zur Kasse, twitterte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Das neue Sanktionspaket soll die Grundlage schaffen, dass Russland Öl auf dem Seeweg künftig für einen deutlich niedrigeren Preis verkaufen muss und dadurch tiefere Einnahmen erzielt. Auf dieses Vorgehen einigten sich die G7-Staaten bereits Anfang September.

Wie hoch der Ölpreisdeckel sein soll, ist noch unklar – und auch sonst scheint noch vieles ungewiss. Die EU beschloss bereits zuvor ein Importverbot für russisches Rohöl über den Seeweg ab 5. Dezember. Der Ölpreisdeckel soll also für Nicht-EU-Länder wie China und Indien gelten. Nur wenn sich diese daran beteiligen, habe der Preisdeckel einen Effekt auf die Öleinnahmen Russlands, so Experten der Commerzbank.

Indien und China haben ihre Öleinfuhren aus Russland in diesem Jahr aber deutlich erhöht. Ob die Länder also mitmachen, ist völlig ungewiss. Ein Hebel der EU könnte sein, wichtige Dienstleistungen wie Versicherungen für Öltransporte an die Einhaltung der Regeln zu knüpfen.

Ölhandel von Genf nach Asien abgezogen

Laut Rohstoffexperte Norbert Rücker von der Bank Julius Bär überschätzt sich die EU damit aber massiv. «Die Wertschöpfungskette hat sich seit dem Krieg von Europa wegbewegt. Die Händler, Versicherer und Logistiker sitzen nicht mehr in Genf und London, sondern in Asien und im Nahen Osten», so Rücker.

Der Experte glaubt nicht, dass andere Länder der EU den Gefallen tun, Russland mit der Massnahme zu schaden. Für sie bringe der Preisdeckel, wenn überhaupt, wohl nur kleine Einsparungen. Denn russisches Öl ist mit einem Fasspreis von 65 Dollar ohnehin deutlich billiger als etwa die Brent-Sorte für 90 Dollar.

«Warum sollten sich andere Länder vom Westen vorschreiben lassen, was sie bezahlen müssen? Sie wollen lieber direkt mit Russland gute Preise aushandeln», so Rücker. Er glaubt, dass die Massnahme nur für weitere Spannungen an den Märkten sorgt und zum Eigengoal werden könnte.

Schweiz schliesst sich wohl EU-Sanktionen an

So rief die Vereinigung der erdölexportierenden Länder Opec+ am Mittwoch zu einer Sitzung und beschloss eine starke Produktionskürzung. Das kann laut Rücker durchaus als Zeichen der geopolitischen Verstimmung gesehen werden. Bereits vor dem Treffen stiegen die Ölpreise um fünf Dollar an.

Zu Preiserhöhungen an den Tankstellen soll es deswegen aber nicht kommen. «Das sind kurzfristige Schwankungen, die nicht bis zu den Endverbrauchern durchkommen», so Rücker. Er erwartet ohnehin sinkende Ölpreise im nächsten Jahr, weil die USA mehr fördern und weil sich in Europa Elektroautos breit machen.

Schon vergangene Woche kritisierten Teilnehmer einer Ölmarkt-Konferenz in Singapur einen Preisdeckel fürs Öl. Der Chef des Energieberatungsunternehmens FGE bezeichnete diesen als «nicht praktikabel, unnötig und schlechte Idee». 

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(DPA)

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