Preise für rezeptpflichtige Medikamente im Keller
Aktualisiert

Preise für rezeptpflichtige Medikamente im Keller

Der Druck auf die Medikamentenpreise in der Schweiz zeigt Wirkung: Hersteller verlangten Ende 2006 für ihre rezeptpflichtigen Präparate im Schnitt 3,8 Prozent weniger als Ende 2005. Gleichzeitig legte der Generikamarkt um rund 50 Prozent auf 381,2 Mio. Franken zu.

Der Schweizer Medikamentenmarkt wuchs im 2006 wertmässig um 1,9 Prozent auf gut 4,2 Mrd. Franken (Herstellerpreise), wie die Branchenverbände Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz (vips), Interpharma und Chemie Pharma Schweiz (SGCI) am Montag vor den Medien in Bern erklärten.

Nachahmermedikamente konnten ihren Marktanteil massiv ausbauen: Im Markt für kassenpflichtige Präparate wählten 11,6 Prozent der Konsumenten Generika, 46,4 Prozent mehr als im 2005.

Den Marktanteil bei kassenpflichtigen Medikamenten mit abgelaufenem Patentschutz konnten sie innert Jahresfrist von 19,6 Prozent auf 32,7 Prozent erhöhen. Die Zeche bezahlten die Originalarzneimittel mit abgelaufenem Patent: Ihr Umsatz sank 2006 um 47,8 Prozent, auch weil die Preise häufig freiwillig gesenkt wurden.

Historisches Tief

Eine so tiefe Zuwachsrate im Pharmamarkt habe er noch nie gesehen, erklärte Thomas Binder vom Marktforschungsinstitut IMS Health, welches die Zahlen erhoben hatte. Im 2005 betrug das wertmässige Wachstum noch insgesamt 3,8 Prozent.

Die Anzahl verkaufter Medikamentenpackungen nahm im 2006 stärker zu als der wertmässige Umsatz: Sie stieg um 3,2 Prozent auf 187,6 Mio. verkaufte Packungseinheiten.

Diese Entwicklung bestätige die nachhaltige Wirkung der Kostensenkungsmassnahmen im Medikamentensektor, erklärten die Branchenverbände. Dazu gehöre die Förderung der Generika und die zwischen den Behörden und der Industrie vereinbarten Preissenkungen.

Der Absatz von rezeptpflichtigen Arzneimitteln variierte erheblich je nach Segment: In Apotheken und Arztpraxen wurden mit rund 2,8 Mrd. Fr. nur 0,6 Prozent mehr abgesetzt als im Vorjahr.

Spitäler verzeichneten hingegen ein überdurchschnittliches Absatzwachstum von 7,3 Prozent auf 804,2 Mio. Franken. Dies sei auf die Einführung neuer Medikamente, insbesondere gegen Krebs, zurückzuführen. Rezeptfrei erhältliche Medikamente gingen im Gesamtwert von 644,6 Mio. Fr. über den Ladentisch, 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Leicht höheres Wachstum erwartet

Für das laufende Jahr 2007 rechnen die Branchenverbände mit einem Wachstum des Pharmamarktes in der Schweiz von 3 bis 4 Prozent. Die leicht höhere Wachstumsprognose begründet IMS- Vertreter Binder mit der Lancierung von neuen Medikamenten und der Tatsache, dass im 2007 weniger Patente von geschützten Medikamenten ablaufen. Weiter werde sich das hohe Wachstum im Spitalsegment fortsetzen.

Im weltweiten Vergleich ist diese Wachstumsprognose für die Schweiz allerdings unterdurchschnittlich: Das globale Wachstum prognostiziert IMS Health für 2007 auf 5 bis 6 Prozent.

Notiz: Die Meldung bsd187 wurde umfassend erweitert.

(sda)

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