Gas-Mangel – Preisexplosion – Jetzt nehmen die US-Flüssiggas-Tanker Kurs nach Europa

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Gas-MangelPreisexplosion – Jetzt nehmen die US-Flüssiggas-Tanker Kurs nach Europa

Die hohen Gaspreise locken die US-Exporteure an. Durch das grössere Angebot fallen auf den Grossmärkten schlagartig die Preise. Bis die Schweizer Haushalte davon etwas merken, dürfte es aber noch dauern.

von
Fabian Pöschl
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Aus den USA sind mehrere Flüssiggas-Tanker auf dem Weg nach Europa (Symbolbild).

Aus den USA sind mehrere Flüssiggas-Tanker auf dem Weg nach Europa (Symbolbild).

REUTERS
Hier bekommen sie das meiste Geld für ihr Gas.

Hier bekommen sie das meiste Geld für ihr Gas.

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Das Flüssiggas kommt über Umwege auch in die Schweiz. Die Kundschaft dürfte die Preissenkung aber erst später bemerken.

Das Flüssiggas kommt über Umwege auch in die Schweiz. Die Kundschaft dürfte die Preissenkung aber erst später bemerken.

Reuters

Darum gehts

Die Preise fürs Gas sind auf den internationalen Märkten so hoch wie nie. In diesem Jahr stieg der Gaspreis um 700 Prozent. Trotz den hohen Preisen können die Gasversorger nicht abwarten. Sie müssen zukaufen, weil die Füllstände in den europäischen Gasspeichern auf einem historischen Tiefstand sind.

Abhilfe verspricht nun eine Flotte US-Tanker, die Kurs nach Europa nimmt. Mindestens zehn Tanker mit Flüssiggas sind nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg auf dem Weg. Zuletzt lieferten die amerikanischen Exporteure ihr Gas hauptsächlich nach Asien. Doch der Weg nach Europa ist für die US-Tanker kürzer und mittlerweile zahlen die Europäer auch deutlich höhere Preise, wie die «Welt» schreibt.

Weitere 20 Schiffe überqueren den Atlantik, haben aber noch kein Ziel bekanntgegeben. Diese dürften das Flüssiggas in jener Weltregion verkaufen, wo es am meisten Geld dafür gibt und das ist derzeit Europa.

Schweizer Kunden profitieren noch nicht

Der Grund für die US-Lieferungen dürfte also vor allem ein finanzieller sein und weniger eine Breitseite der US-Regierung gegen Russland. Zwar werfen europäische und US-Politiker Russlands Gas-Riesen Gazprom immer wieder vor, die Gaslieferungen absichtlich knapp zu halten. Der Energiekonzern hielt seine Vereinbarungen aber stets ein.

Die knapp 5 Millionen Kubikmeter Flüssiggas in den Schiffen würden den Bedarf des grössten europäischen Gasverbrauchers Deutschland in einem Wintermonat zu einem Drittel decken. Entsprechend positiv reagierten die Märkte. Am Grosshandelsmarkt sackten die Gaspreise schlagartig um zehn Prozent ab.

Von den tieferen Grosshandelspreisen fürs Gas profitieren mit Verzögerung auch die Schweizer Kundinnen und Kunden. Die Schweiz bezieht das Gas vorwiegend in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich. Auf diese Weise gelangt das Flüssiggas auch in die Schweiz.

Wenn mehr Gas auf den Markt kommt, wirkt sich das positiv auf die Endkundenpreise aus. Diese ändern sich jedoch nicht täglich, sondern reagieren mit Verzögerung auf die Grosshandelspreise, sagt ein Sprecher des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie zu 20 Minuten. Wie sich die Gaspreise in den kommenden Wochen entwickeln, hängt auch davon ab, wie kalt der Winter wird.

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