Angriff auf Misrata: Preisgekrönte Journalisten getötet
Aktualisiert

Angriff auf MisrataPreisgekrönte Journalisten getötet

In der belagerten libyschen Küstenstadt Misrata sind nach Medieninformationen zwei westliche Journalisten getötet worden. Beide fielen im selben Gefecht.

Die Journalisten Tim Hetherington und Chris Hondros (links).

Die Journalisten Tim Hetherington und Chris Hondros (links).

In der umkämpften libyschen Stadt Misrata sind am Mittwoch die beiden renommierten Fotografen Tim Hetherington und Chris Hondros ums Leben gekommen. Zwei weitere Fotografen wurden nach Angaben von Ärzten vor Ort durch Schrapnelle verletzt.

Die Journalisten waren anscheinend auf der Tripolis-Strasse unter Beschuss geraten. Die Strasse steht derzeit im Zentrum der Gefechte zwischen den Aufständischen und den Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi. Nach Angaben der Agentur Panos, für die Hetherington arbeitete, wurden sie von einer Panzerabwehrgranate getroffen.

Wie der Foto-Direktor der Agentur Getty Images mitteilte, wurde bei demselben Angriff in der einzigen noch von Rebellen gehaltenen Stadt in Westlibyen auch Hondros tödlich verwundet. Er starb an einer schweren Hirnverletzung.

Der Brite Guy Marin erlitt der «New York Times» zufolge durch Granatsplitter schwere Verletzungen am Becken. Er wurde noch in der Nacht zum Donnerstag in Misurata operiert.

Oscar-Nominierung

Hetherington war unter anderem auch für das US-Magazin «Vanity Fair» unterwegs. «Tim war in Libyen, um an seinem laufenden Multimedia-Projekt zur Beleuchtung der humanitären Fragen in Kriegs- und Krisenzeiten weiterzuarbeiten», teilte die Familie des getöteten Filmemachers auf der Internetseite des US-Magazins «Vanity Fair» mit.

Der 41-jährige Brite mit US-Staatsbürgerschaft hatte in den vergangenen zehn Jahren über zahlreiche Konflikte berichtet und war dafür mehrfach ausgezeichnet worden. Unter anderem wurden seine Aufnahmen von US-Soldaten in Afghanistan zum World Press Photo des Jahres 2007 ernannt.

Aus der Arbeit mit den Soldaten entstand der Dokumentarfilm «Restrepo», der 2010 auf dem Sundance Film Festival den grossen Preis der Jury erhielt und 2011 für einen Oscar nominiert war. Noch am Dienstag schreib er auf Twitter: «In der belagerten libyschen Stadt Misrata. Willkürlicher Artilleriebeschuss durch Gaddafi- Truppen. Keine NATO in Sicht.»

Zahlreiche Preise

Der 41-jährige Hondros berichtete seit den späten 90er Jahren aus verschiedenen Konfliktregionen, darunter aus dem Kosovo, Irak und Afghanistan. Seine Fotos erschienen in renommierten Magazinen und Zeitungen auf der ganzen Welt. Ihm wurden unter anderem der «World Press Photo»-Preis und die «Robert Capa Gold Medal» verliehen, die höchste Auszeichnung für Kriegsfotografen.

Die US-Regierung zeigte sich betroffen. «Journalisten auf der ganzen Welt riskieren jeden Tag ihr Leben, um uns auf dem Laufenden zu halten», hiess es in einer Mitteilung des Weissen Hauses. Die libysche Regierung und alle Regierungen auf der Welt müssten diese unerlässliche Arbeit schützen.

Hetherington und Hondros sind die ersten westlichen Journalisten, die seit Beginn des Aufstands gegen Gaddafi ums Leben kamen. Am 12. März war der Kameramann des arabischen Senders al-Dschasira, Ali Hassan Al-Dschaber, bei einem Hinterhalt in der Nähe der Rebellenhochburg Benghasi getötet worden.

Vier weitere ausländische Journalisten aus den USA, Spanien und Südafrika werden seit Anfang April vermisst. Sie sollen sich in den Händen der libyschen Regierung befinden. (sda)

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