Kaffeekapseln: Preisschlacht geht in die nächste Runde
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KaffeekapselnPreisschlacht geht in die nächste Runde

Das wichtigste Argument für Nespresso-Klone ist der Preis. Neu kostet die günstigste Kapsel 22 Rappen. Andere ziehen bald nach. Dumpingpreise machten das Geschäft kaputt, heisst es in der Branche.

von
S. Spaeth
Laut Branchenkennern werden in der Schweiz mit Kaffeekapseln und Pads rund 300 Millionen Franken umgesetzt.

Laut Branchenkennern werden in der Schweiz mit Kaffeekapseln und Pads rund 300 Millionen Franken umgesetzt.

Im Geschäft mit Kaffeekapseln geht es um viel Geld. Laut Branchenkennern werden in der Schweiz mit Kaffeekapseln und Pads rund 300 Millionen Franken umgesetzt. Doch der Markt ist nicht mehr so lukrativ wie noch vor einigen Jahren: Erstens wollen immer mehr Anbieter ein Stück vom Kuchen, zweitens drückt die Preisschlacht auf die Margen.

Der jüngste Feldzug in Sachen Preis kommt von Lidl Schweiz. Der Konzern ist ins Geschäft mit Nespresso-Klonen eingestiegen – als Preisbrecher. Beim Harddiscounter kostet eine Zehnerpackung seit Donnerstag 2.19 Franken. Pro Kapsel sind das rund 22 Rappen. Die in Beuteln abgepackten Kunststoffkapseln kommen vom holländischen Hersteller Euro Caps BV, wie ein Sprecher auf Anfrage sagt.

Preisdifferenz von 127 Prozent

Der Preisvergleich von 20 Minuten bei Schweizer Detailhändlern zeigt: Bei den meisten Klonherstellern kostet die Kapsel für eine Tasse Espresso um die 30 Rappen (siehe Tabelle). Das Original, der Nespresso Arpeggio, kostet pro Stück sogar 50 Rappen – oder 127 Prozent mehr als die Günstig-Kapsel von Lidl. Nespresso rechtfertigt den höheren Preis auf Anfrage mit der höheren Qualität des Kaffees und dem Recyclingsystem für die Aluminiumkapseln. Das Originalprodukt lebt vom Premium-Image – unterstützt durch noble Läden und millionenteure Kampagnen mit Superstar George Clooney.

Und genau darauf spielt Lidl in seiner Kampagne für die 22-Rappen-Kapsel an. «Wir haben alles in unseren Kaffee gesteckt und Ihnen dafür teure Stars und exklusive Shops erspart», frotzelt Lidl in der Kampagne und teilt an die Adresse des übermächtigen Konkurrenten aus.

Dumpingpreise schaden dem Markt

In der Branche kommt die Preisoffensive nicht nur gut an: «Mir stinkt diese Politik. Dumpingpreise machen den Markt kaputt», sagt ein Vertreter eines Schweizer Kapselherstellers im Gespräch mit 20 Minuten. Es handle sich um ein typisches Lockvogelangebot von Lidl mit sehr dünner Marge.

Kommt es jetzt zum Preisrutsch auf breiter Front? «Es dürfte als Reaktion zu vermehrten Aktionen und Promotionen kommen», sagt Christoph Huber, Geschäftsführer von Commotrade. Die Zuger Firma stellt unter anderem die Kapseln für Spar und Volg her. Postwendend auf den Schachzug von Lidl reagiert hat Aldi. Er senkt den Preis für die Zehnerpackung seiner Kapseln ab kommender Woche auf 2.19 Franken, wie ein Sprecher auf Anfrage von 20 Minuten mitteilte. Die Kapsel kostet damit exakt gleich viel – rund 22 Rappen – wie bei der Konkurrenz.

Mittelfristig dürften sich die Preise vieler Anbieter laut Commotrade-Geschäftsführer Huber in den Bereich von 27 Rappen pro Kapsel bewegen. «Das ist die Schmerzgrenze. Denn die Kosten für den Herstellungsprozess lassen sich nicht beliebig senken.»

Preis für eine Tasse Espresso aus der Kapsel Produkt Marke Aldi26.9 Rp. / ab 12. Mai 21.9 Rp. Coop29.5 Rp. Denner28.8 Rp. Interdiscount29.5 Rp.

Lidl21.9 Rp.

Mediamarkt39.5 Rp. Migros27.5 Rp. Nespresso50 Rp. Volg38 Rp. / ab 2. Juni 33 Rp. (Quelle: Detailhändler, günstigste Nespresso-kompatible Kapsel des Sortiments)

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