Erstmals seit 15 Jahren: Preisstabilität? Fehlanzeige!
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Erstmals seit 15 JahrenPreisstabilität? Fehlanzeige!

Im laufenden Jahr geht in der Schweiz die längste Phase der Preisstabilität zu Ende. Die Inflationsrate dürfte im Jahresdurchschnitt 2,6 Prozent erreichen. Im nächsten Jahr sieht es aber schon wieder besser aus – meint der Preisüberwacher.

Erstmals seit 15 Jahren wird damit die von der Nationalbank bei zwei Prozent definierte Schwelle der Preisstabilität wieder überschritten. Höher war die Teuerung letztmals im Jahre 1993 mit 3,3 Prozent gewesen. Im Jahresverlauf erreichte die Inflation im vergangenen Juli mit 3,1 Prozent ihren Höhepunkt. Im November wurde mit 1,5 Prozent das Stabilitätsziel erstmals in diesem Jahr wieder erreicht. Letztes Jahr lag die Teuerung bei 0,7 Prozent. Ökonomen gehen davon aus, dass es sich bei der diesjährigen Teuerung um einen einmaligen Ausreisser handelt. Schon 2009 soll die Inflationsrate nach ihren Prognosen wieder unter ein Prozent sinken. Grund sind die sinkenden Rohstoffpreise und die erwartete Rezession.

2009 dürfte günstig werden

2009 dürfte zumindest für die Konsumentinnen und Konsumenten ein gutes Jahr werden. «Das Leben wird nicht wesentlich teurer», sagte Preisüberwacher Stefan Meierhans zum Jahreswechsel auf Anfrage der AP. Trotzdem bleibe die Preisüberwachung eine Daueraufgabe. Gefahr drohe dort, wo sinkende Preise und Kosten nicht weitergegeben würden.

Die Teuerungsprognosen sind zurzeit einer der wenigen Lichtblicke in der Krise. Ökonomen rechnen für 2009 mit einer Teuerung von weniger als einem Prozent. Und «Monsieur Prix» Stefan Meierhans geht davon aus, dass das Leben in einigen Bereichen günstiger werden dürfte. Positiv sehe es beispielsweise beim Gaspreis aus, wo sich die sinkenden Erdölpreise erst mit Verzögerung bemerkbar machten.»Auf Abschläge zu hoffen ist auch bei Waren, deren Preis durch Rohstoffe wie Getreide, beispielsweise Weizen, Mais oder Soja, vorgegeben werden», sagte Meierhans.

Für stabile Preise im kommenden Jahr spricht laut dem Preisüberwacher ein weiterer Punkt: Gerade in wirtschaftlich schlechteren Zeiten sei es schwierig, Preiserhöhungen durchzusetzen. Und bei allem dürfe man auch die Gewinner der Krise nicht vergessen, beispielsweise die Hypothekarschuldner. So seien Festhypotheken bereits für einen Zinssatz von 1,8 Prozent erhältlich und kosteten damit rund einen Drittel weniger als noch vor fünf Jahren. «Das ist eine bedeutende Senkung», so Meierhans.

Parallelimporte als Chance

Auch den Entscheid des Nationalrates, Parallelimporte patentgeschützter Güter zuzulassen, sieht Meierhans bereits kurzfristig als Chance. «Es kann durchaus sein, dass dieser Entscheid rasch Konsequenzen hat», sagt er weiter. Es sei denkbar, dass Importeure die Preise bereits präventiv senkten. Ähnliche Erfahrungen habe man bereits bei der Landwirtschaft gemacht. «Ich warte gespannt auf die ersten Vergleichszahlen, um zu sehen, ob die Diskriminierung inländischer Konsumenten ein Ende hat», sagte Meierhans, der seit rund drei Monaten die Funktion des Preisüberwachers innehat.

Doch auch in Zeiten stabiler oder sinkender Preise sieht der Preisüberwacher Gefahren: «Sie liegen vor allem dort, wo Preisabschläge nicht ausreichend weitergegeben werden, etwa bei den Rohstoffpreisen.» Er habe bereits entsprechende Zuschriften erhalten. «Das werden wir im Auge behalten müssen», erklärte «Monsieur Prix».

Im Bereich der Gebühren und Abgaben gibt es laut Meierhans weitere Risiken. Bei sinkenden Steuereinnahmen bestehe die Gefahr, dass die öffentliche Hand das über Gebühren und Abgaben wieder einzunehmen versuche. Als Beispiel nannte er die Kosten für Wasser und Abfall und sagte: «Das bleibt eine Daueraufgabe.»

Strompreise steigen

Nicht in allen Bereichen sind die Aussichten für 2009 aber gut. Steigende Preise sind beim Strom absehbar. Laut Meierhans kann man nur hoffen, dass in diesem Bereich die bundesrätlichen Massnahmen Früchte tragen, damit die Preiserhöhungen massvoller ausfallen als befürchtet. «Offenkundig sind wir aber noch nicht am Ende des Weges», sagte Meierhans. Die Strompreis-Diskussionen würden 2009 intensiv weitergehen.

Auch im Gesundheitswesen rechnet der Preisüberwacher nicht mit einer Entspannung, auch wenn die Erhöhung der Krankenkassenprämien 2009 im Schnitt moderat ausfallen dürfte. Die Hoffnung sei, dass man die Situation stabilisieren könne. Auch hier sei aber die Politik gefordert - beispielsweise im Bereich der Labortarife, bei der freien Arztwahl oder patentgeschützten Medikamenten. Dass sich der Gesetzgeber in Bezug auf die Parallelimporte für eine Ausnahme bei den Medikamenten entschieden habe, sei zu akzeptieren. «Das heisst aber auch, dass sich die Pharmabranche eine strengere Regulierung der Preise gefallen lassen muss», sagte Meierhans.

In Bezug auf den Konsum gibt sich der Preisüberwacher optimistisch. «Trotz der negativen Schlagzeilen in den Medien spüren die Menschen in der Schweiz die Krise momentan am eigenen Leib noch wenig», sagte Meierhans. Hoffentlich werde das auch so bleiben. «Die Konsumentinnen und Konsumenten sollten normal weiterleben - und das ohne Angst», wünscht sich der Preisüberwacher.

(dapd)

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