Preisüberwacher nimmt Gebühren ins Visier
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Preisüberwacher nimmt Gebühren ins Visier

Die Gebühren für Trinkwasser, Abwasser und Kehricht seien je nach Gemeinde sehr verschieden, kritisiert Preisüberwacher Rudolf Strahm.

Häufig würden die Tarife mit einer unrealistischen Abschreibungspraxis der Netze falsch kalkuliert.

Auf seiner Internetsite publizierte Strahm am Dienstag einen Vergleich verschiedener Wasser- , Abwasser- und Kehrichtgebühren. Dokumentiert sind die Zahlen für die rund 120 bevölkerungsreichsten Schweizer Gemeinden mit über 10 000 Einwohnern.

Zwischen den einzelnen Gemeinden bestünden grosse Unterschiede, schreibt der Preisüberwacher am Dienstag in einem Communiqué. Für einen Drei-Personen-Haushalt in einer Vier-Zimmer-Wohnung lägen die Trinkwasserpreise zwischen den Extremwerten von 56 Rappen und 2,93 Franken pro Kubikmeter.

Der Mittelwert liege bei 1,60 Franken. Streiche man die 25 Prozent teuersten und die 25 Prozent günstigsten Gemeindetarife weg, liege der Streubereich immer noch zwischen 1,28 und 1,88 Franken pro Kubikmeter.

Grosse Abweichungen

Ähnlich grosse Abweichungen zeigen sich bei den Abwasser- und Abfallgebühren. Die Abwassergebühren schwanken für eine gleich grosse Familie unter denselben Bedingungen zwischen 53 Rappen und 3,88 Franken pro Kubikmeter.

Dies ergibt einen Durchschnitt von 1,74 Rappen. Werden die billigsten und teuersten Tarife nicht berücksichtigt, schwanken die Abwassertarife immer noch zwischen 1,39 und 2,19 Franken pro Kubikmeter.

Die Abfalltarife schwanken zwischen 1,20 und 3,30 Franken für einen 35-Liter-Sack. Das ergibt einen Mittelwert von 2,26 Franken. Unter Nichtberücksichtigung der Extremwerte reicht das Spektrum der Tarife von 2,08 bis 2,56 Franken.

Unrealistische Berechnung

Einige der Extremwerte liessen sich technisch begründen, schreibt der Preisüberwacher. Die Stadt St. Gallen etwa müsse ihr Wasser vom Bodensee heraufpumpen und aufbereiten. In anderen Fällen würden die hohen Tarife aber wegen einer unrealistischen Abschreibungspraxis der Netze falsch kalkuliert.

Einige Gemeinden - vor allem in der Romandie - wiesen wiederum tiefe Tarife auf, weil hier die Kosten nicht vollständig nach dem Verursacherprinzip finanziert würden. In diesen Kommunen würden Steuergelder für die Finanzierung aufgewendet.

Beschwerden möglich

Bei Beschwerden der Konsumenten wird die Preisüberwachung die einzelnen Tarife auf einen möglichen Preismissbrauch hin überprüfen. Wasser-, Abwasser- und Abfallgebühren seien in der Regel zudem administrierte Preise, heisst es weiter.

Der Preisüberwacher habe in diesem Fall ein Empfehlungsrecht gegenüber der Behörde, welche die Tarife festlege oder genehmige. Weiche die Behörde von der Empfehlung ab, müsse sie dies öffentlich begründen.

(sda)

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