Preisüberwacher: Strom, Post und Handy zu teuer
Aktualisiert

Preisüberwacher: Strom, Post und Handy zu teuer

Preisüberwacher Werner Marti hat im vergangenen Jahr erfolgreich gegen zu hohe Strompreise und zu teure medizinische Hilfsgeräte gekämpft.

Teilerfolge verzeichnete er im Kampf gegen die Erhöhung der Briefposttaxen und gegen überhöhte Preise im Telekommunikationssektor.

Die mangelende Transparenz bei den Strompreisen eliminierte der Preisüberwacher, indem er in einer landesweiten Umfrage bei 900 Verteilunternehmen die Tarife erhob und die Preise für 14 standardisierte Verbraucherkategorien im Internet veröffentlichte. Verschiedene Elektrizitätswerke senkten daraufhin ihre Preise.

Zu teure Windeln, Hörgeräte und Rollstühle

Bei den Medikamentenpreisen konnte der Preisüberwacher nachweisen, dass nicht die Mengenausweitung, sondern die Substitution von günstigen, alten durch viel teurere, neue Medikamente zu einer Verteuerung geführt haben. Zudem stellte der Preisüberwacher fest, dass für Windeln, Hörgeräte und Rollstühle zum Teil stark überhöhte Preise verlangt werden.

Nicht ganz verhindern konnte der Preisüberwacher gewisse Preiserhöhungen bei der Briefpost. UVEK-Vorsteher Moritz Leuenberger bewilligte zwar höhere Preise bei der A- und B-Post, während er die Preise für eingeschriebene Briefe und grossformatige Briefe unverändert beliess.

Handyboom beschwert Marti viel Arbeit

Viel Arbeit bescherte dem Preisüberwacher der boomende Sektor Telekommunikation. Nach wie vor im Auge hat er die so genannten Mobilfunk-Terminierungsgebühren, welche die Preise für Anrufe von Fest- auf Mobilfunknetze oder zwischen verschiedenen Mobilfunknetzen bestimmen.

Als ebenfalls «möglicherweise überhöht» bezeichnet Marti auch die Roaming-Gebühren, welche ausländische Mobilfunkbetreiber für die Benützung ihrer Netze verlangen. Bei der Festlegung der Interkonnektionspreise folgte die Kommunikationskommission ComCom der Empfehlung des Preisüberwachers und verknurrte Swisscom zu Preissenkungen um 25 bis 30 Prozent.

Problem erkannt

Dass die Schweiz eine Hochpreisinsel ist, sei keine neue Erkenntnis, sagte der SP-Nationalrat am Donnerstag in Bern bei der Vorstellung seines letzten Jahresberichts. Neu und für ihn erfreulich hingegen sei, dass das überhöhte Preisniveau jetzt endlich als Problem anerkannt werde.

Lange genug seien die überhöhten Preise mit Hinweis auf das hohe schweizerische Lohnniveau und die hohe Kaufkraft legitimiert worden. Handlungsbedarf sei schlicht negiert worden, so Marti. Über das revidierte Kartellgesetz hinaus brauche es aber weitere Regulierungen und eine konsequente Überwachung der Preise.

(sda)

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