Telefon, Versicherung, Strom: Preisvergleich - Schweizer sind zu faul zum Sparen
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Telefon, Versicherung, StromPreisvergleich - Schweizer sind zu faul zum Sparen

Strompreis, Telefonrechnung, Krankenkassenprämien: überall gibt es ständig neues Sparpotenzial. Doch der Wechsel des Anbieters ist vielen zu anstrengend.

von
Laura Frommberg

Der Schweizer Strommarkt soll ab 2018 vollständig liberalisiert sein, das könnte sich auch auf die Preise auswirken, Konsumenten könnten einiges sparen. Doch wollen sie das wirklich? Kaum, meint Michel Rudin, Geschäftsleiter beim Konsumentenforum Schweiz. «Es werden wohl unter 10 Prozent der Konsumenten den Anbieter wechseln», so Rudin zu 20 Minuten.

Zum einen liege das daran, dass die Preisunterschiede - zumindest am Anfang - zu gering sein dürften. Doch es gibt auch noch einen anderen Grund: Die Schweizer sind wechselfaul. Und das, so Rudin, gehe weit über den Strommarkt hinaus. Ob es nun der Preisvergleich im Supermarkt, bei der Krankenkasse oder dem Telefonanbieter ist - die Mehrheit der Konsumenten verzichtet auf den Wechsel. Oft liegt es an der Komplexität, erklärt Rudin. Beim Telekommunikationsmarkt habe man etwa jahrelang die Angebote der einzelnen Anbieter gar nicht wirklich vergleichen können. «Das war zum Teil auch absichtlich so.» Erst seit es immer mehr Flatrates gibt, sei das etwas besser geworden.

«Man kann sich nicht für alles interessieren»

Der Krankenkassenmarkt hingegen sei deutlich besser vergleichbar und biete auch bessere und einfachere Wechselmöglichkeiten. Warum nehmen die Schweizer diese dann nicht wahr? Ist ihnen das Geld gleichgültig? Das zu sagen wäre zu drastisch, findet Rudin. «Es gibt ja heute 100'000 Möglichkeiten zu sparen. Man kann sich da einfach nicht für alles interessieren.»

Denn: Immerhin entscheiden Konsumenten nicht nur über den Preis, sondern auch über den Aufwand, der mit einem Preisvergleich verbunden ist. «Wenn ich mich in meiner kostbaren Freizeit lieber nicht auch noch mit komplizierten Anbietervergleichen beschäftigen möchte, heisst das ja nicht direkt, dass ich faul bin», erklärt der Konsumexperte. Vielmehr lege man einen grösseren Fokus auf die persönliche Erholung, was wiederum dazu führen kann, dass man einen besseren und besser bezahlten Job ausführe.

Deutsche sind grössere Sparfüchse

Ein weiterer Aspekt der Wechselfaulheit ist kultureller Natur: Schweizer sind Gewohnheitstiere und bleiben ihren vertrauten Marken gern treu. Nicht umsonst spricht man auch von Migros- oder Coop-Kindern. Das, so Rudin, sei auch ein Grund, warum die deutschen Discounter Aldi und Lidl es in der Schweiz trotz der niedrigeren Preise nicht besonders einfach haben.

Auch einen sozialen Faktor erklärt Rudin: Die Deutschen etwa seien deutlich grössere Sparfüchse als die Schweizer. «In der Schweiz hingegen redet man nicht so gern über Geld.» Beim nördlichen Nachbarn habe sich die Preiskampf- und Vergleichskultur mehr ausgebreitet. Das kann auch negative Folgen haben. Einen Gammelfleischskandal wie den in Deutschland gab es etwa in der Schweiz nicht, weil der Druck auf die Hersteller nicht so gross war. Unser Nachteil: Die Schweiz wird immer mehr zur Hochpreisinsel - und darunter leiden verschiedene Wirtschaftszweige wie etwa der Tourismus.

Sind Sie auch wechselfaul? Oder achten Sie akribisch auf jeden Preis? Diskutieren Sie mit.

Wie wechsle ich die Krankenkasse?

Viele Schweizerinnen und Schweizer wissen nicht, wie sie die Krankenkasse wechseln können. Dabei ist es ganz einfach. So bietet zum Beispiel das Online-Vergleichsportal Comparis die Möglichkeit, die Prämien zu vergleichen und gleich eine Offerte für einen Wechsel einzuholen.

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