Prekäre Situation in beiden Basel
Aktualisiert

Prekäre Situation in beiden Basel

Der ergiebige Regen hat die Birs in der Nacht auf Donnerstag auf einen Rekordpegel anschwellen lassen. Im Baselbiet wurden Strassen blockiert, Bahnlinien unterbrochen und die Stromversorgung gekappt. Der Rhein in Basel blieb just im Bett.

Innert 24 Stunden verzehnfachte sich das Wasservolumen in der Birs beinahe auf 372 m3 pro Sekunde. Der baselstädtische Krisenstab sprach vom höchsten Stand seit Beginn der Messungen 1917. Der Fluss trat an diversen Orten - insbesondere im Laufental - über die Ufer und richtete Schäden an. Verletzt wurde niemand. Auch Vermisste gibt es keine.

Unterbrochen war die Bahnlinie Laufen-Delsberg, aber auch die parallel verlaufende Kantonsstrasse. Diverse andere Strassen waren ebenfalls vorübergehend gesperrt, so die H18 Muttenz-Angenstein und die H2 bei Liestal. Die Polizei riegelte auch die überschwemmten Dorfkerne von Therwil, Biel-Benken, Laufen und Grellingen ab.

Im Kanton Baselland standen rund 800 Feuerwehrleute, 60 Polizeiangehörige und 500 Zivilschützer im Dauereinsatz, wie es an einer Medienkonferenz des Baselbieter Krisenstabs hiess. Auch in Liestal stationierte Rekruten der Armee legten Hand an. Auf der Alarmzentrale gingen bis am Donnerstagabend 900 Notrufe ein.

Städtchen Laufen unter Wasser

Besonders getroffen wurde das Städtchen Laufen, wo das Wasser zeitweise einen Meter hoch in der Altstadt stand. Auch ein kleines Wehr barst. Sicherheitshalber wurde im Laufner Zentrum die Gasversorgung eingestellt.

«Was ich in Laufen gesehen habe, hat mich beelendet», sagte die Baselbieter Regierungspräsidentin Sabino Pegoraro vor den Medien. Die Instandstellung des Städtchen erfordere grossen Aufwand. Vom Hochwasser betroffen sind in Laufen rund 1100 Menschen. Weil die Häuser nicht einsturzgefährdet sind, musste nur gerade eine Person evakuiert werden.

Über die Höhe des Sachschadens in Laufen und im übrigen Kanton waren am Donnerstag noch keine Angaben erhältlich. Er dürfte jedoch nach Angaben der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung in die Millionen gehen. Am Donnerstag wurden über 500 Schadenmeldungen registriert.

Die Elektra Birseck Münchenstein (EBM) beklagt diverse überflutete und demolierte Transformatoren. Insgesamt 6800 Kunden im Laufen- und im Leimental hatten zeitweise keinen Strom. Bei 800 davon muss man vor der Reparatur abwarten bis das Wasser abgelaufen ist; sie sollen bis Freitag wieder versorgt sein.

Vorübergehend gesperrt waren auch diverse Brücken über die Birs, darunter alle Fussgängerstege im Laufental, fast alle Strassenbrücken in Laufen sowie zwei solche in Basel/Birsfelden und Basel-St. Jakob/Muttenz. In Basel wurde ein Tierheim am Birsufer teilweise evakuiert; rund 200 Tiere zogen in sicherere Etagen um.

In diversen Gemeinden traten Bäche über die Ufer oder war die Kanalisation überfordert. So wurden in Allschwil - wo ein grosser Hochwasserschutzdamm in etwa sechs Wochen betriebsbereit sein soll - Wohn- und Gewerbequartiere sowie ein Sportplatz überschwemmt. Auch im Oberbaselbiet kam es zu Schäden und Behinderungen.

An Strassen und Brücken richtete das Hochwasser nach ersten Erkenntnissen des Baselbieter Krisenstabs keine Schäden an. In Zwingen wurde die Kläranlage überflutet. Sie fällt vorläufig aus. Das Trinkwasser sei nicht beeinträchtigt, hiess es im Krisenstab.

Rhein unter Schadengrenze

Der Rhein stieg über Nacht ebenfalls ungewohnt rasant und stark an. In Basel lag sein Pegel jedoch 25 Zentimeter unterhalb der Schadengrenze, bei der Uferstrassen im Kleinbasel überflutet werden - letztmals war dies 1999 der Fall gewesen. Prognosen waren diesmal einen halben Meter über der Schadengrenze gelegen.

Der baselstädtische Krisenstab meldete am frühen Donnerstagnachmittag ein Ende des Anstiegs, mochte aber noch keine Entwarnung geben. So blieben die 4000 nach dem Hochwasseralarm am Ufer verlegten Sandsäcke zunächst noch liegen. Ein Teil der rund 200 Einsatzkräfte blieben über Nacht im Dienst.

Das Hochwasser legte indes die Rheinschifffahrt lahm. Rund 30 Schiffe waren in den Basler und Baselbieter Häfen am Be- und Entladen; die Abgefertigten konnten nicht ablegen. Das Bundesamt für Umwelt erwartete laut Homepage eine Normalisierung des Rheinpegels am Freitag.

Dramatische Momente gab es am Donnerstagnachmittag, als sich eine Frau aus ungeklärten Gründen von der Dreirosenbrücke in die Fluten des Rheins stürzte. Ein Boot der Rheinschifffahrtsdirektion mit drei Feuerwehrleuten an Bord konnte sie retten. (sda)

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