Preisrutsch: Prepaid-Preise sinken um bis zu 50 Prozent
Aktualisiert

PreisrutschPrepaid-Preise sinken um bis zu 50 Prozent

Die Tarife für Prepaid-Telefonie sind zuletzt so stark gesunken wie seit Jahren nicht mehr. Grund für den Preisrutsch sind neue Angebote von Aldi und Sunrise.

von
sas
Aldi mischt mit seinen Prepaid-Angeboten den Markt auf.

Aldi mischt mit seinen Prepaid-Angeboten den Markt auf.

Die Preise im Schweizer Mobilfunkmarkt sind in Bewegung. Die Richtung: nach unten. Statt 25.20 Franken wie Ende 2013 zahlt ein sogenannter «Wenignutzer» (siehe Box) für das günstigste Angebot mit mobilem Internet derzeit nur noch 15.90 Franken. Das sind 37 Prozent weniger. Noch stärker ist die Senkung für «Durchschnittsnutzer», die mobil surfen: Sie zahlen neu für das günstigste Paket 19.10 Franken statt 40.50 Franken – also gerade mal halb so viel. Auch für den «Vielnutzer» halbieren sich die Kosten auf 64 statt wie bisher 128.25 Franken. Diese Zahlen gehen aus den neusten Telecom-Index von Comparis hervor.

Grund für den Preisrutsch im Prepaid-Segment ist Harddiscounter Aldi, der die sogenannten «Smart 50»- und «Smart 100»-Optionen eingeführt hat. Es handelt sich um Pakete, welche Kunden per SMS hinzubuchen können und dafür eine bestimmte Menge Minuten, SMS und MB-Datenmenge enthalten. Für den «Wenignutzer» und den «Durchschnittsnutzer» ist das Angebot laut Comparis «unschlagbar günstig». Auch für den sogenannten «Vielnutzer» gab es einen Preissturz durch die neue Sunrise-Flatrate.

Keine breite Kommunikation

Die neuen Aldi-Pakete wurden weder breit kommuniziert noch offensiv beworben. «Es ist erstaunlich, dass Aldi die Preise so still und heimlich gesenkt hat», sagt Telecom-Experte Ralf Beyeler vom Internet-Vergleichsdienst Comparis, der von einem Preisrutsch spricht, wie man ihn seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Hinter den Aldi-Angeboten steht die Telekomfirma Surnise.

Ist das nun der Anfang einer grossen Prepaid-Offensive in der Schweiz? «Seit Jahren haben die Anbieter sich auf die Abo-Kunden fokussiert, weil sie damit besser verdienen», sagt Beyeler, es sei aber auch vom CEO abhängig. So hat Sunrise unter Oliver Steil sehr stark auf Abos gesetzt, während der jetzige CEO – Libor Voncina – dem Prepaid-Markt wieder mehr Gewicht gibt.

Der Schweizer Markt ist träge

Bei den bestehenden Abo-Anbietern hat sich hingegen nur wenig geändert – ausser, dass vor wenigen Wochen UPC Cablecom in den Markt eingestiegen ist. Der Kabelnetzbetreiber hat Abos lanciert, mit denen der «Wenig-» und der «Durchschnittsnutzer» monatlich viel günstiger fahren als mit anderen Angeboten, schreibt Comparis. Die Einschränkung: Nur bestehende UPC-Cablecom-Kunden können von den Billig-Abos profitieren.

Die Mitbewerber haben bisher nicht auf die Tiefpreis-Offensive von Aldi, Sunrise und UPC Cablecom reagiert. Telecom-Experte Beyeler nennt zwei Gründe: Der Schweizer Mobilfunkmarkt sei träge. Zudem vermarkte UPC Cabelcom sein Angebot sehr zurückhaltend.

Gemäss der offiziellen Statistik liegt der Prepaid-Anteil in der Schweiz seit Jahren bei rund 40 Prozent. Derzeit sinkt der Anteil minimal. Betrachtet man lediglich die Privatpersonen, dürfte der Prepaid-Anteil bei etwa 50 Prozent liegen, wie Beyeler auf Anfrage von 20 Minuten sagt.

Die Profile des Telecom-Index von Comparis

Wenignutzer:

Telefoniert 60 Min. und verschickt 30 SMS pro Monat

Günstigster Prepaid-Anbieter mit Surfoption: Aldi Mobile Smart 50

Kosten: 15.90 Franken pro Mte

Durchschnittsnutzer:

Telefoniert 120 Min. und verschickt 60 SMS pro Mte.

Günstigster Prepaid-Anbieter mit Surfoption: Aldi Mobile Smart 50

Kosten: 19.10 Franken pro Mte

Vielnutzer:

Telefoniert 480 Min. und verschickt 150 SMS pro Monat.

Günstigster Prepaid-Anbieter mit Surfoption: Sunrise Free Flat Relax

Kosten: 64 Franken pro Mte

Bei den Profilen mit Internet-Nutzung sind zusätzlich 500 MB (Wenig- und Durchschnittsnutzer) und bei Vielnutzern 750 MB im Monat einberechnet.

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