Presse-Reaktionen: «SP im Schlafwagen»
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Presse-Reaktionen: «SP im Schlafwagen»

Die nationalen Zeitungen sind sich einig: Die SP ist selber Schuld an ihrem Debakel bei den Zürcher Wahlen. Die Partei habe den Wahlkampf verschlafen, während die grünen Parteien dank Umweltthemen punkten konnten.

Das Wahlresultat widerspiegle einen grundsätzlichen gesellschaftlichen Trend: die Angst vor der Klimaerwärmung, schreibt der «Tages-Anzeiger». Ökologische Ignoranten spielten in der Meinungsbildung keine Rolle mehr.

Auch die «Neue Zürcher Zeitung» konstatiert eine Stärkung der ökologischen Kräfte. Zudem gebe es eine «ernstzunehmende Stärkung» der Mitte, weil Mehrheiten ohne sie nicht zu erreichen sind. Dass diese Mitte aus unterschiedlich ausgerichteten Parteien besteht, mache die Arbeit für den bürgerlichen wie den linken Block nicht einfacher.

Auch die «Basler Zeitung» stellt einen «Trend zu Mitte» fest. Wenn man es richtig mache, habe eine Mitte-Partei in der Schweiz durchaus Potenzial, heisst es. Beispiel seien die Grünliberalen. Die SP dagegen habe den Wahlkampf verschlafen und ihr Image als Partei der linksintellektuellen Mittelschicht gepflegt.

SP im freien Fall

Der «Blick» sieht die SP «im freien Fall» - zumindest in der Deutschschweiz. Lange habe sie als Anti-Blocher-Partei profitieren können, ohne einen Finger krumm zu machen. Der Effekt sei vorbei. Heute könne die SP weder in der Sozialpolitik noch in der Ökologie etwas bieten.

«Im Schlafwagen in den Abgrund» fährt die SP gemäss «Südostschweiz». Denn auch auf nationaler Ebene agiere die Partei lust- und ideenlos. Andere Parteien versuchten ihren Anliegen mit Volksinitiativen zum Durchbruch zu verhelfen.

Auch die «Neue Luzerner Zeitung» stellt fest, dass es der SP an Profil fehlt, und spricht sogar von Krise im Wahljahr. «Es ist schwierig bis unmöglich, den Abwärtstrend in dieser kurzen Zeit zu stoppen.» Als Grund für die Verschiebung der SP-Stimmen zu den Grünen und Grünliberalen nennt die Zeitung die Klimaerwärmung.

Zu diesem Schluss kommt auch das «St. Galler Tagblatt»: «Wählerinnen und Wähler scheinen der ideologisierten, staatlich- zentralisierten Problemlösung weniger als früher zu vertrauen und eher einer nichtlinken, auf Vernunft und Selbstverantwortung gegründeteten Umweltpolitik zuzuneigen.»

«Herbst gehört Brückenbauern»

Die «Aargauer Zeitung» sieht die SP in einer «eklatanten Positionierungskrise». Aber auch die SVP habe ihren Zenit überschritten. Die «Solothurner Zeitung» glaubt, dass die Zeit der sich blockierenden Pole abgelaufen ist. «Der Herbst könnte den Brückenbauern gehören.»

Die SP habe im Hinblick auf die nationalen Wahlen einen «Warnschuss» erhalten, schreibt «Le Temps». Sie habe keine überzeugenden Antworten auf den politischen Stil der SVP geben können. Um ein weiteres Debakel zu vermeiden, müsse die SP sich endlich profilieren, allerdings «ohne Öl ins Feuer zu giessen».

Für den «Bund» ist bereit jetzt absehbar, dass die ganz grossen Umwälzungen bei den Nationalratswahlen nicht zu erwarten sind. Die Parteienlandschaft werde relativ stabil bleiben. Der SVP schreibt der «Bund» nach den Zürcher Wahlen jedoch die Chance zu, bei den nationalen Wahlen einen weiteren Sprung nach vorn zu machen.

(sda)

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