Schriftwechsel unzulässig abgeändert: «Republik» kassiert zwei Rügen vom Presserat
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Schriftwechsel unzulässig abgeändert«Republik» kassiert zwei Rügen vom Presserat

Der Presserat hat zwei Beschwerden gegen das Online-Magazin «Republik» teilweise gutgeheissen. Das Online-Magazin hat einen Schriftwechsel unzulässig abgeändert. In einem weiteren Fall hat die «Republik» ein Zitat sinnverfälschend gekürzt.

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Das Online-Magazin «Republik» hat den Recherche-Schriftwechsel eines Journalisten mit der eigenen Redaktion publiziert und dabei teilweise unzulässig abgeändert.

Das Online-Magazin «Republik» hat den Recherche-Schriftwechsel eines Journalisten mit der eigenen Redaktion publiziert und dabei teilweise unzulässig abgeändert.

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Der Presserat hat die entsprechende Beschwerde teilweise gutgeheissen.

Der Presserat hat die entsprechende Beschwerde teilweise gutgeheissen.

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In seinem am Mittwoch publizierten Entscheid erachtet der Presserat es zwar als legitim, dass die «Republik» das Gespräch als Beleg für zur Debatte stehende Widersprüche veröffentlicht hat. Grundsätzlich dürften Recherchegespräche aber nicht ohne Zustimmung publiziert werden.

In seinem am Mittwoch publizierten Entscheid erachtet der Presserat es zwar als legitim, dass die «Republik» das Gespräch als Beleg für zur Debatte stehende Widersprüche veröffentlicht hat. Grundsätzlich dürften Recherchegespräche aber nicht ohne Zustimmung publiziert werden.

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Darum gehts

  • Das Online-Magazin «Republik» hat den Recherche-Schriftwechsel eines Journalisten mit der eigenen Redaktion publiziert und dabei teilweise unzulässig abgeändert.
  • Der Presserat rügt die «Republik» in einem weiteren Fall. Dabei ging es um die Verwendung eines Zitates eines «Weltwoche»-Journalists.

Der Schweizer Presserat heisst eine Beschwerde gegen das Online-Magazin «Republik» teilweise gut. Die «Republik» hatte im Mai 2019 den Recherche-Schriftwechsel eines Journalisten mit der eigenen Redaktion publiziert. Laut Presserat war das in diesem speziellen Fall ohne Rückfrage möglich. Jedoch hat die «Republik» den Schriftwechsel zum Teil unzulässig abgeändert.

Gegen die Publikation des Mail-Schriftwechsels hatte der recherchierende Journalist Beschwerde eingereicht. Die «Republik» habe den Schriftwechsel ohne sein Einverständnis und verfälscht publiziert. Das Magazin hatte ihn als Verteidigung gegen massive Vorwürfe des Journalisten zu einer USA-Reportage geschaltet. Der Journalist warf den Autorinnen Ungenauigkeit, Fehler und erfundene Informationen vor.

Die «Republik» wirft dem Journalisten umgekehrt vor, ihre Autorin mit infamen Unterstellungen in die Nähe des «Hochstaplers und seriellen Lügners Claas Relotius» zu rücken. Wohl seien mehrere kleinere Faktenfehler in der Reportage-Serie, keiner jedoch sinnentstellend. Den Mailwechsel habe man publiziert, um zu belegen, dass die Vorwürfe überzogen seien.

Redaktion hätte Betroffenen benachrichtigen sollen

Gemäss Presserat dürfen ganze Recherchegespräche im Grundsatz nicht ohne Zustimmung publiziert werden. Sonst müsse man sie im Vorneherein als Interviews deklarieren. Nachdem nun Teile daraus, verbunden mit massiven Vorwürfen thematisiert worden waren, ist es jedoch legitim, das Gespräch als Beleg für Widersprüche zu publizieren. Dennoch hätte die Redaktion den Betroffenen zuvor benachrichtigen sollen.

Den Mailwechsel hat die «Republik» zum Veröffentlichen redigiert. Dabei fehlte mindestens eine Frage/Antwort. Und eine Änderung war inhaltlich relevant: Aus «Wir bedauern die Unschärfen und Fehler» wurde «Wir bedauern die festgestellten Unschärfen». Dies beurteilt der Presserat als Änderung, die den Eindruck bei der Leserschaft zu beeinflussen vermag. Damit verstiess die «Republik» gegen die Pflicht, Quellen korrekt zu bearbeiten.

Fehlinformation mit antisemitischem Inhalt

Ebenso hatte Christof Moser, heute Chefredaktor des Online-Magazins, am 5. November 2018 ein Zitat des «Weltwoche»-Autors Alex Baur verwendet, das – gekürzt und leicht bearbeitet – dem Chefredaktor der «Weltwoche» eine Fehlinformation mit antisemitischem Inhalt anzulasten schien. Baur beschwerte sich, er habe in der zitierten Passage nicht seinen Chef Roger Köppel gemeint, sondern Antisemiten in Südamerika und Osteuropa; so habe er dies in seinem Original-Beitrag auch unmissverständlich formuliert.

Dadurch, dass die «Republik» Baurs Zitat in einen Schweizer Kontext eingebettet habe, sei jedoch der Eindruck entstanden, er trete als Kronzeuge gegen seinen Vorgesetzten und Herausgeber auf. Der Schweizer Presserat gab Baur jetzt recht: Zwar habe die «Republik» mit dieser Zitierweise nicht die Wahrheitspflicht verletzt, aber in der Wahrnehmung unbefangener Leser einen Eindruck erweckt, der nicht der Wirklichkeit entspricht.

(SDA)

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