Bei der Hochzeit: «Priester» beschimpft Schweizer Paar
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Bei der Hochzeit«Priester» beschimpft Schweizer Paar

Eigentlich wollte das Schweizer Paar auf den Malediven sein Ehegelübde erneuern. Doch während es glaubte, eine romantische Zeremonie zu erleben, wurde es vom Priester mit Schimpf und Schande bedacht.

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Das Schweizer Paar hatte sich für die Erneuerung seines Treuegelübdes am 11. Oktober etwas Exotisches gewünscht: Die beiden reisten auf die Malediven und liessen die Zeremonie durch einen heimischen Priester in der lokalen Sprache Dhivehi durchführen. Für den speziellen Tag buchten sie im Luxusressort Vilu Reef eine Flitterwochensuite für 400 Dollar pro Nacht und blätterten zusätzliche 1300 Dollar für die etwas andere Trauungszeremonie hin.

Doch es kam anders, als sie erwartet hatten: Während des Rituals wurden sie vom Priester als «Schweine» bezeichnet und auf übelste Art und Weise beschimpft. Der Schwindel flog allerdings erst auf, nachdem das Video auf YouTube – mit Untertiteln versehen - veröffentlicht wurde.

Video: «Würmer aus deinem Penis»

Priester suspendiert

Ahmed Shaheed, Minister für Auswärtige Angelegenheiten der Malediven, zeigte sich gegenüber der Nachrichtenagentur AFP «entsetzt und schockiert» über den Vorfall. Der Priester sei von seinem Dienst suspendiert worden, erklärte der Geschäftsführer des «Sun Hotels and Resort», zu dem das Hotel gehört. Ausserdem sei eine polizeiliche Untersuchung eröffnet worden.

Mohamed Rasheed, Manager des Hotels Vilu Reef, entschuldigte sich inzwischen beim Paar. Der Priester habe so getan, als lese er einen traditionellen Heiratstext vor. Dabei hatte er das Arbeitsreglement für die Hotelangestellten in der Hand.

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«Ungläubige werden herabgesetzt»

Sektenexperte Georg Otto Schmid über die Folgen des Konsums spiritueller Angebote in Drittweltländern.

Herr Schmid, warum stehen Westler auf ethno-spirituelle Rituale?

Georg Otto Schmid: Es liegt im Trend, sich heute von einem maledivischen Priester am Strand trauen zu lassen und morgen von einem Aborigine im Outback. Zu Hause prahlen die Leute dann mit ihren exotischen Ritualen.

Sie sind nicht erstaunt darüber, was dem Schweizer Pärchen auf den Malediven widerfahren ist?

Wer religiöse Rituale als Konsumgüter missbraucht, dem fehlt es an Respekt gegenüber dieser Spiritualität. Man muss sich also nicht wundern, wenn es zu einer Retourkutsche kommt. Dass diese in Form solch heftiger Beschimpfungen ausgefallen ist, ist aber ­sicher nicht alltäglich.

Der Priester beschimpfte das Paar als Schweine und Un­gläubige.

Die Vorstellung religiöser Überlegenheit hat im konservativen Islam Tradition. Ungläubige werden herabgesetzt. Für das betrof­fene Paar, das dem Ritual so andächtig folgte, war es sicher ein Schock zu erfahren, dass sie nicht gesegnet wurden – sondern verflucht. (dp)

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