Juso-Forderung: Primarschüler sollen Pornos sehen
Aktualisiert

Juso-ForderungPrimarschüler sollen Pornos sehen

Die Juso fordern, dass bereits 10-Jährige in der Schule Pornos schauen sollen - um den verantwortungsvollen Umgang damit zu lernen. Die Forderung löst bei den Schulbehörden Empörung aus.

von
Désirée Pomper
Die Juso fordern «einen neuen Umgang mit dem Thema Pornografie». (Bild: afp)

Die Juso fordern «einen neuen Umgang mit dem Thema Pornografie». (Bild: afp)

Die Juso arbeiten derzeit an einem Positionspapier, indem sie «einen neuen Umgang mit dem Thema Pornografie» fordern. Dazu gehört auch, dass bereits 10- bis 12-Jährige im Sexualkundeunterricht Pornos schauen sollen. Und zwar nicht Softpornos à la «Schulmädchenreport», sondern solche, «die Kinder auch tatsächlich auf ihren Handys auf dem Pausenplatz konsumieren», sagt Tanja Walliser, Zentralsekretärin der Juso. Nur so würden die Kinder zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden lernen. «Sonst glauben Buben, sie müssten den grössten Penis haben, und Mädchen, sie müssten immer verfügbar sein.»

Support erhalten die Juso von der Co-Präsidentin der SP-Frauen, Julia Gerber-Rüegg: «Indem man Pornografie thematisiert statt tabuisiert, verliert sie bei Kindern an Attraktivität.» Es sei allerdings problematisch, wenn sich Lehrer noch mit Pornos herumschlagen müssten. Laut 20-Minuten-Sexualpädagoge Bruno Wermuth ist es wichtig, «dass Schüler mit Hilfe von Fachleuten die Pornokompetenz entwickeln». Das Mindestalter für Pornolektionen müsse aber bei 12 liegen.

Pornos im Schulunterricht – das ist für Anton Strittmatter vom Lehrerverband «Wichtigtuerei und blanker Unsinn, der Richtung Nötigung» gehe: «Den Schülern soll doch nicht gezeigt werden, wie Frauen von Männern gewaltvoll unterdrückt werden.» In die gleiche Kerbe schlägt Martin Wendelspiess, Leiter des Volksschulamtes Zürich: Abgesehen davon, dass man Schulen nicht dazu nötigen könne, unter 18-Jährigen Pornos zu zeigen, könne dies für einzelne Kinder «traumatisierende Folgen» haben. Wendelspiess: «Um Kinder auf die Pornoproblematik zu sensibilisieren, muss man ihnen keine Pornos zeigen – es reicht, darüber zu sprechen.»

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