Ghislaine Maxwell verurteilt – Verfahren gegen Gefängniswärter von Jeffrey Epstein eingestellt

Ghislaine Maxwell verurteilt Verfahren gegen Gefängniswärter von Jeffrey Epstein eingestellt

Ghislaine Maxwell soll eine zentrale Rolle beim sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch den berüchtigten US-Multimillionär Jeffrey Epstein gespielt haben. Im Prozess in New York fällte die Jury nun ihr Urteil. Alle News im Ticker.

von
Newsdesk

Zusammenfassung:

  • Die Ex-Partnerin des verstorbenen US-Multimillionärs Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, ist wegen Sexualverbrechen schuldig gesprochen worden.

  • In den Skandal ist auch der britische Prinz Andrew verstrickt, ein langjähriger Freund Maxwells. Eine ganze Reihe Prominenter waren mit Maxwell und Epstein befreundet.

  • Der bereits in der Vergangenheit wegen Sexualverbrechen verurteilte Epstein hatte sich im August 2019 nach einer erneuten Festnahme das Leben genommen.

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Freitag, 31.12.2021

Verfahren gegen Gefängniswärter von Jeffrey Epstein eingestellt

Einen Tag nach der Verurteilung der Vertrauten des US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, hat die US-Justiz das Verfahren gegen die Gefängniswärter Epsteins wegen dessen mysteriösen Todes eingestellt. In einem Gerichtsbeschluss des Bundesgerichts in Manhattan, der am Donnerstag veröffentlicht wurde, erklärte Staatsanwalt Damian Williams die «Einstellung der Strafverfolgung» gegen die beiden vom Dienst suspendierten Justizangestellten.

Die Strafverfolgungsbehörden hatten die beiden Wärter eines New Yorker Gefängnisses im November 2019 beschuldigt, ihren Aufsichtspflichten in der Nacht im August, in der sich Epstein offiziellen Angaben zufolge erhängte, nicht nachgekommen zu sein. Demnach hätten sie an ihren Schreibtischen im Internet gesurft, anstatt die Gefängniszellen regelmässig zu kontrollieren.

In ihrer Einstellungsverfügung erinnerte die Staatsanwaltschaft daran, dass die beiden Wärter «absichtlich» und «wissentlich» Dokumente gefälscht hatten, um den Anschein zu erwecken, dass sie in der Nacht ihre Runden gedreht hätten. Nach dem Aufkommen der Vorwürfe war der Gefängnisleiter versetzt und die beiden Verdächtigen vom Dienst suspendiert worden. Im Rahmen einer Einigung mit den Strafverfolgern wurden die beiden Wärter demnach lediglich zu gemeinnütziger Arbeit verpflichtet.

Donnerstag, 30.12.2021

Verteidigung will in Berufung gehen

Ghislaine Maxwells Anwälte haben wenig später angekündigt, bereits an einer Berufung zu arbeiten. «Wir sind felsenfest von Ghislaines Unschuld überzeugt. Verständlicherweise sind wir daher mit dem Urteil unzufrieden», so Bobbi Sternheim vor dem Gericht. Man sei zuversichtlich zu gewinnen.

Bobbi Sternheim tritt nach der Urteilsverkündung vor die Medien. (29. Dezember 2021)

Bobbi Sternheim tritt nach der Urteilsverkündung vor die Medien. (29. Dezember 2021)

AFP

Maxwells Reaktion nach der Verkündung

Wie CNN berichtet, habe Ghislaine Maxwell bei der Urteilsverkündung keine erkennbare Reaktionen gezeigt. Laut Dailymail.co.uk habe sie danach eine Flasche Wasser geöffnet und sich etwas eingeschenkt. Ihr Anwalt Jeff Pagliuca habe seinen Arm um seine Mandantin gelegt und sie anschliessend umarmt. Als Maxwell den Gerichtssaal schliesslich verliess, blickte sie sich noch einmal um – im Saal sassen ihre drei Geschwister – und verschwand.

Ghislaine Maxwell – hier bei der Urteilsverkündung – wurde für schuldig befunden.

Ghislaine Maxwell – hier bei der Urteilsverkündung – wurde für schuldig befunden.

REUTERS

Einer ihrer Verteidiger habe beim Gericht im Anschluss gefragt, ob seine Klientin den Booster gegen Covid-19 erhalten. Das werde noch geprüft.

Mittwoch, 29.12.2021

Lange Haftstrafe

Maxwell droht eine längere Haftstrafe – das Strafmass wird Richterin Alison Nathan zu einem späteren Zeitpunkt festsetzen.

Laut CNN könnte 60-jährige Maxwell bis zu 65 Jahre ins Gefängnis kommen.

Schuldig!

Die Britin Ghislaine Maxwell ist wegen Beihilfe zu sexuellen Misshandlungen durch den Finanzier Jeffrey Epstein verurteilt worden.

Die Geschworenen sprachen Maxwell am Mittwoch in fünf von sechs Anklagepunkten schuldig. Maxwell wurde zur Last gelegt, Mädchen im Teenageralter beschafft zu haben, damit Epstein diese missbrauchen konnte. Im Prozess gegen Maxwell hatten vier Frauen angegeben, dass sie in den 1990er und 2000er Jahren in Anwesen von Epstein in Florida, New York und New Mexico im Teenageralter missbraucht worden seien.

Maxwell droht jahrelange Haft.

Die Ex-Partnerin des verstorbenen US-Multimillionärs Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, ist am 29. Dezember 2021 wegen Sexualverbrechen schuldig gesprochen worden.

Die Ex-Partnerin des verstorbenen US-Multimillionärs Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, ist am 29. Dezember 2021 wegen Sexualverbrechen schuldig gesprochen worden.

REUTERS

Donnerstag, 23.12.2021

Maxwell über Weihnachten in U-Haft

Im Missbrauchsprozess gegen die frühere Partnerin des inzwischen verstorbenen Millionärs Jeffrey Epstein will die Geschworenenjury ihre Beratung am Montag nach Weihnachten fortsetzen. Ein Angebot von Richterin Alison Nathan, auch am Donnerstag zusammenzukommen, lehnten die Geschworenen ab. In dem Prozess wird der Angeklagten Ghislaine Maxwell vorgeworfen, als Helferin eine zentrale Rolle beim Aufbau eines Rings zum sexuellen Missbrauch von Minderjährigen gespielt zu haben.

Die 59-Jährige ist in sechs Punkten angeklagt, unter anderem wegen Menschenhandels mit Minderjährigen zu Missbrauchszwecken. Ihr drohen im Fall einer Verurteilung in allen Punkten 70 Jahre Haft. Maxwell hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und während des Prozesses auf eine Aussage verzichtet. Sie wird nun Weihnachten und ihren 60. Geburtstag am 25. Dezember in U-Haft verbringen.

Reuters

Die Verteidigung stellt den Fall von Beginn an als juristische Abrechnung mit ihrer Mandantin dar, da die Staatsanwaltschaft Epstein selbst nicht mehr belangen könne. Der 66-Jährige war während der Vorbereitung auf den Missbrauchsprozess gegen ihn im August 2019 bewusstlos in seiner Gefängniszelle gefunden und im Krankenhaus für tot erklärt worden. Ein Obduktionsbericht stellte Suizid fest.

Der ursprünglich auf sechs Wochen angesetzte Prozess gegen Maxwell könnte deutlich früher zu Ende gehen. Nach nur drei Wochen und zwölf Verhandlungstagen mit Zeugenaussagen wurden am Montag sechs Stunden lang die Schlussplädoyers präsentiert. Danach begann die Geschworenenjury mit den Beratungen, die dann am Dienstag und Mittwoch den ganzen Tag dauerten. Die Jury liess sich nach CNN-Informationen unter anderem Vernehmungsprotokolle von mehreren Klägerinnen und Zeugen vorlegen. (DPA)

Mittwoch, 22.12.2021

Die Fragen der Geschworenen

Seit Montagnachmittag beraten in New York zwölf Geschworene über das Urteil von Ghislane Maxwell. Am Dienstagvormittag schickte die Jury eine Bitte an Richterin Alison Nathan, welche diese verlas: Ob sie die Abschriften der Aussagen von Zeugin Annie Farmer, Zeugin «Carolyn» und Zeugin «Jane» erhalten könnten – die Aussagen von drei der vier Frauen, die Maxwell beschuldigen, sie vermittelt zu haben, damit Jeffrey Epstein sie sexuell missbrauchen konnte. Die Richterin gewährte das.

Kurz vor 15 Uhr erhielt sie eine erneute Nachricht: Die Geschworenen fragten nach den FBI-Notizen eines Interviews mit Carolyn aus dem Jahr 2007. Da das Dokument nicht als Beweismittel zugelassen ist, lehnte die Richterin ab. Dennoch wurden einige Auszüge aus den FBI-Notizen während Carolyns Kreuzverhör ins Protokoll aufgenommen.

In diesem Kreuzverhör hatte die Verteidigung auf Aussagen in den FBI-Notizen hingewiesen, die nicht mit Carolyns heutigen Aussage übereinstimmen sollen. Besonders wiesen sie darauf hin, dass Carolyn Maxwell in dem Gespräch von 2007 nicht erwähnt habe. «Miss Maxwell war zu diesem Zeitpunkt nicht das Thema», sagte Carolyn jetzt im Prozess.

Kurz vor Beratungsschluss schickten die Geschworenen um 16:30 Uhr eine dritte Frage: Ob sie Farmers Aussage für zwei Anklagepunkte berücksichtigen könnten, nämlich «Verschwörung zur Verleitung eines Minderjährigen zur Teilnahme an illegalen sexuellen Handlungen» und Verschwörung zum Transport eines Minderjährigen mit der Absicht, an illegalen sexuellen Handlungen teilzunehmen».

«Die Antwort lautet: Ja, Sie können sie berücksichtigen», so Richterin Nathan.

Um 17 Uhr beendeten die Geschworenen ihre Beratungen. Sie setzen sie um 9 Uhr Ortszeit am Mittwochmorgen fort.

Dienstag, 21.12.2021

Jury-Urteil vor Maxwells Geburtstag?

Vor ihren Beratungen hat Richterin Alison Nathan die Jury darauf hingewiesen, dass sie in allen Anklagepunkten einstimmig entscheiden müsse. Wenn sie nicht einstimmig zu einem Ergebnis kommen, kann die Richterin den Prozess für fehlerhaft erklären lassen.

Es ist unklar, wie lange die 12 Geschworenen für eine Entscheidung brauchen. Eigentlich wurde erwartet, dass der Prozess bis in den Januar hinein dauern werde – so aber könnte Maxwell ihr Urteil noch vor ihrem 60. Geburtstag am 25. Dezember vernehmen.

Sollten die Geschworenen bis Mittwochnachmittag zu keinem Urteil kommen, wird die Sitzung am Montag, den 27. Dezember, fortgesetzt.

Maxwell zunehmend reserviert

Das Schicksal von Ghislaine Maxwell liegt nun in den Händen von zwölf Geschworenen. Diese begannen am Montagnachmittag mit ihren Beratungen. Sie tagten etwa eine Stunde lang, bevor die Richterin sie für den Tag entliess.

Sie werden ihre Beratungen am Dienstag um 9 Uhr Ortszeit fortsetzen.

Maxwell drohen bei einer Verurteilung im Hauptanklagepunkt Sexualhandel bis zu 40 Jahre Haft. Sollte sie in allen Anklagepunkten für schuldig befunden werden, erwartet sie eine lebenslange Haftstrafe.

Die Angeklagte wirke gegen Ende des Prozesses zunehmend reserviert, sagte eine Prozessbeobachterin des «Miami Herald». Es scheine, als ob ihr die Folgen bei einer möglichen Verurteilung immer bewusster werde.

Zitate der Verteidigung

«Ich bin nicht hier, um Mister Epstein zu verteidigen. Er ist nicht mein Mandant.»

«Ghislaine wird hier angeklagt, weil sie mit Jeffrey Epstein zusammen war. Vielleicht war es der grösste Fehler ihres Lebens, aber es ist kein Verbrechen.» Eher sei Maxwell selbst von Epstein manipuliert worden.

Die Maxwell-Verteidigung argumentierte, dass Maxwell «kein Motiv» für die mutmasslichen Verbrechen hatte, zumal die «glückliche, gebildete Frau in ihren 30ern ihre Karriere als Vermittlerin von sexuellem Missbrauch» kaum aufs Spiel setzen würde. Und sie beharrte darauf: Die Anschuldigungen gegen Maxwell sind das «Produkt falscher Erinnerungen, von Manipulation und Geld».

«Das Geld brachte die Klägerinnen zum FBI, wobei sie ihre Anwälte gleich im Schlepptau hatten. Und die Regierung spielte ihnen eine Montage vor von Epsteins Häusern, seinen Kunstwerken, seinen Autos, seinen Flugzeugen, seinen Hubschraubern, seinen Bankkonten, seinen Notizblöcken - genau wie es eine sensationslüsterne Boulevardzeitung tun würde.»

Maxwell werde zum Sündenbock für Epsteins Taten gemacht. «Als Epstein starb, schwenken die Staatsanwälte auf Maxwell um.»

Zitate der Anklage

«Maxwell war eine erwachsene Frau, die sich an verwundbaren Kindern vergriffen hat. Sie hatte es auf ein Mädchen abgesehen, dessen Vater gerade gestorben war. Sie hatte es auf ein Mädchen abgesehen, dessen Mutter Alkoholikerin war. Sie hatte es auf ein Mädchen abgesehen, dessen alleinerziehende Mutter mit der Erziehung ihrer Töchter zu kämpfen hatte.

«Meine Damen und Herren, wenn man elf Jahre lang mit jemandem zusammen ist, weiss man, was diese Person mag. Jeffrey Epstein mochte minderjährige Mädchen. Er berührte gerne minderjährige Mädchen. Maxwell wusste das.»

Dass Maxwell als Vermittlerin minderjähriger Mädchen agiert habe, habe auch mit Geld zu tun gehabt, so die Staatsanwaltschaft. Zwischen 1999 und 2007 hatte Epstein Maxwell rund 30 Millionen Dollar überwiesen. «Man gibt nicht jemanden 30 Millionen Dollar, wenn man dafür nicht genau das erhält, was man will. Was Epstein wollte, waren minderjährige Mädchen. Als Maxwell dieses Geld annahm, wusste sie genau, wofür es bestimmt war, und jetzt wissen Sie es auch.»

Montag, 20.12.2021

Verteidigung: Sie wird zum Sündenbock gemacht

Dem Schlussplädoyer folgen die Argumente der Verteidigung Maxwells. Ihre Anwälte vertreten vor Gericht das Argument, ihre Mandantin sei nach dem Suizid Epsteins im Gefängnis im August 2019 zum Sündenbock gemacht worden.

Die Verteidiger präsentierten der Jury eine zweitägige Präsentation mit Aussagen früherer Epstein-Angestellter. Diese sprachen alle in hohen Tönen von Maxwell. Auch die Aussage eines Gedächtnis-Experten war dabei. Dieser erklärte, Erinnerungen seien mit dem Ablaufen von Zeit besonders anfällig für Verfälschungen.

«Ghislaine Maxwell war gefährlich»

Die frühere Epstein-Vertraute soll genau gewusst haben, was sie tat, und immer wieder nach dem gleichen Muster vorgegangen sein. So sieht es die Staatsanwaltschaft in den Schlussplädoyers.

Maxwell sei eine gefährliche und raffinierte Sexualstraftäterin, die jungen Mädchen «tiefen und dauerhaften Schaden» zugefügt habe, indem sie sie für den Missbrauch durch den Multimillionär Jeffrey Epstein rekrutierte, sagte die Anklägerin Alison Moe (im Bild) vor Geschworenen.

Moe erklärte, Epstein hätte die Jugendlichen nicht mehr als ein Jahrzehnt lang ohne die Hilfe Maxwells ausbeuten können, die sie als «Dame des Hauses» beschrieb, während Epstein Mädchen in einer New Yorker Villa, auf einem Anwesen in Florida und auf einer Ranch in New Mexico missbrauchte. «Ghislaine Maxwell war gefährlich», sagte sie. «Maxwell und Epstein verübten entsetzliche Verbrechen.»

Maxwell sei dabei immer wieder nach demselben Muster vorgegangen und habe ihre Opfer manipuliert. «Es ist an der Zeit, sie zur Rechenschaft zu ziehen.»

Schlussplädoyers haben begonnen

Im Prozess gegen die langjährige Vertraute des verstorbenen US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, haben die Schlussplädoyers von Anklage und Verteidigung begonnen. Beide Seiten hatten am Montag vor einem Bundesgericht in New York mehrere Stunden Zeit, ihre Argumente darzulegen.

Im Anschluss sollten die zwölf Geschworenen mit ihren Beratungen beginnen. Im Falle eines Schuldspruchs droht Maxwell, die am ersten Weihnachtstag 60 Jahre alt wird, eine jahrzehntelange Gefängnisstrafe. Die Geschworenen werden einstimmig über Schuld oder Unschuld entscheiden müssen – ansonsten platzt der Prozess.

Samstag, 18.12.2021

Anklage «nicht zweifelsfrei bewiesen»

Die langjährige Vertraute des US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, hat in ihrem Prozess die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen. Gleichzeitig verweigerte sie am Freitag die Aussage vor Gericht. «Die Regierung hat ihren Fall nicht zweifelsfrei bewiesen, also gibt es keinen Grund für mich auszusagen», sagte Maxwell bei ihrer ersten Wortmeldung seit der Eröffnung des Prozesses Ende November. Maxwell wird vorgeworfen, in sechs Fällen junge Mädchen für Sex mit Epstein rekrutiert zu haben.

Die Verteidigung hatte am Freitag nach weniger als zwei Verhandlungstagen ihre Beweisführung beendet. Schlussplädoyers sind für Montag angesetzt. Anschliessend werden sich die Geschworenen zur Urteilsfindung zurückziehen. Somit könnte der ursprünglich für sechs Wochen angesetzte Prozess noch vor Weihnachten enden.

Die Staatsanwaltschaft hatte nur zehn Tage für die Befragung ihrer Zeugen gebraucht. Zwei Frauen sagten aus, sie seien erst 14 Jahre alt gewesen, als Maxwell sie ansprach und sie für Massagen an Epstein vermittelte, die in sexuelle Handlungen mündeten. Die mutmasslichen Straftaten fanden zwischen 1994 und 2004 statt.

Maxwells Verteidigung stellte das Erinnerungsvermögen der Frauen in Frage. Von 35 angekündigten eigenen Zeugen riefen die Anwälte am Ende nur neun auf, nachdem viele nicht für eine Aussage verfügbar waren.

Montag, 13.12.2021

Pause bis kommenden Donnerstag

Früher als erwartet hat die Staatsanwaltschaft im Prozess gegen Ghislaine Maxwell ihre Beweisführung am Freitag beendet.

Nach der Aussage ihrer geht das Verfahren vor dem Gericht in New York voraussichtlich erst am Donnerstag weiter.

Es gilt als unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich, dass Maxwell selbst aussagen wird. Ein solcher Schritt wäre riskant, da sie in dem Fall einem intensiven Kreuzverhör durch die Staatsanwaltschaft ausgesetzt wäre.

Maxwells Anwaltsteam hat noch nicht bekannt gegeben, wen sie zu ihrer Verteidigung aufrufen will. Seine Strategie zielte bisher vor allem darauf ab, die Fähigkeit der mutmasslichen Opfer in Frage zu stellen, sich an Ereignisse zu erinnern, die rund ein Vierteljahrhundert zurückliegen.

Letzte Zeugin der Anklage sagt aus

Am Freitag sagte die vierte und letzte Hauptzeugin vor Gericht aus.

Die heute 42-jährige Annie Farmer schilderte, wie sie im Alter von 16 Jahren von Maxwell und Epstein sexuell missbraucht worden sei. Bereits bei ihrem ersten Treffen in einem Kino habe der einflussreiche Finanzinvestor begonnen, ihre Hände, Füsse und Beine zu streicheln. Sie habe sich unwohl gefühlt, doch niemandem davon erzählt, weil sie um den Job ihrer Schwester Maria gefürchtet habe.

Monate später wurde Farmer dann nach Aussage ihrer Mutter Janice Swain zu einer angeblichen «Klausur» mit Epstein, Maxwell und zwei Dutzend «akademisch begabter» Schülerinnen auf Epsteins Ranch in New Mexiko eingeladen. Epstein sagte Swain demnach, dass Maxwell die Mädchen «beaufsichtigen» würde. Doch bei der Ankunft sei sie mit dem Paar allein gewesen.

Nachdem Epstein und Maxwell sie zum Shoppen und ins Kino mitgenommen hatten, habe Maxwell sie aufgefordert, sich von ihr massieren zu lassen und dafür auszuziehen, berichtete Farmer. Dann habe sie angefangen, «meine Brust zu reiben».

«Ich denke, dass dies alles ein System war, um meine Grenzen aufzuweichen», sagte Farmer den Geschworenen. «Mit dem letztendlichen Ziel, mich sexuell zu missbrauchen».

Farmer war die erste Klägerin, die vor Gericht mit ihrem vollen Namen auftrat. Ihre Aussage ähnelt den Berichten der anderen Hauptzeuginnen. Maxwells Verteidigerin Laura Menninger wies im Kreuzverhör darauf hin, dass Farmer das Erlebnis auf der Ranch in ihrem Tagebuch mit keinem Wort erwähnte. Die 42-Jährige erwiderte, sie habe sich auch so an das «sehr verstörende Ereignis» erinnert.

Donnerstag, 09.12.2021

«Ein guter Körper für Herrn Epstein und seine Freunde»

Für die Staatsanwaltschaft machen Fotos, auf denen Maxwell Epsteins Füsse in einem Flugzeug massiert, deutlich, was für eine nahe und intime Beziehung die beiden miteinander hatten.

Massieren scheint im Hause Epstein System gehabt zu haben. Zumindest sagten drei der vier Hauptklägerinnen bislang aus, Maxwell habe sie jeweils aufgefordert, den Multimillionär zu massieren – «dabei kam es immer zu sexuellen Handlungen».

Zuletzt erklärte Zeugin «Carolyn», sie habe Maxwell und Epstein im Alter von 14 Jahren kennengelernt. Bald habe sie Epstein nackt massiert, während er sich selbst befriedigte.

Maxwell habe sie berührt, an den Brüsten, Hüften und am Hintern, und dem Mädchen gesagt: «Du hast einen guten Körper für Herrn Epstein und seine Freunde.»

Beim Kreuzverhör stellten Maxwells Verteidiger das Erinnerungsvermögen der Zeugin in Frage und führte dafür auch deren frühere Drogensucht an. Auch legten sie nahe, dass es «Carolyn» bei dem Prozess vor allem ums Abfindungsgeld ginge.

Weitere sichergestellte und jetzt freigegebene Fotos

Maxwell und Epstein chillten auf Anwesen der Queen

Das New Yorker Gericht hat eine weitere Serie von Fotos herausgegeben, die im Prozess gegen Ghislaine Maxwell als Beweisstücke gehandhabt werden. Die Staatsanwaltschaft will anhand der Aufnahmen eine der zentralen Fragen in dem Verfahren klären: Waren Maxwell und ihr Vertrauter Jeffrey Epstein vor allem enge Freunde und Geschäftspartner – oder auch «partner in crime»?

Die Fotos zeigen die Nähe zwischen Maxwell und Epstein, der 2019 im Gefängnis Suizid begangen hatte. Sie teilen intime Momente, als Paar und auch nach ihrer Trennung.

Eine der Aufnahmen, die in Epsteins Manhattan-Wohnung sichergestellt worden waren, sorgte in Grossbritannien für Aufsehen. Sie zeigt Maxwell und Epstein auf der Veranda einer Blockhütte und soll 1999 auf «Balmoral» aufgenommen worden sein, dem schottischen Anwesen von Queen Elizabeth. Prinz Andrew, der zweitälteste Sohn der Queen, dürfte das Paar dorthin eingeladen haben.

Ob Ihre Majestät von dem Besuch gewusst hatte, ist ungeklärt. In den sozialen Medien regnet es dennoch Vorwürfe, wonach die «kranke» oder «degenerierte» Königsfamilie von möglichen Verstrickungen Prinz Andrews in Epsteins Machenschaften mit minderjährigen Mädchen gewusst und Andrew gedeckt habe.

Der Duke of York steht im Verdacht, in Epsteins Londoner Haus die damals 17 Jahre alte Virginia Giuffre vergewaltigt zu haben, die zuvor auch von Epstein sexuell ausgebeutet worden war.

Giuffre reichte deshalb im Sommer 2021 in New York eine zivilrechtliche Klage gegen Prinz Andrew ein. Dieser weist sämtliche Vorwürfe zurück.