Fehde im Königshaus - Prinz Hamsa bekräftigt Loyalität zu jordanischem König
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Fehde im KönigshausPrinz Hamsa bekräftigt Loyalität zu jordanischem König

Einem Halbbruder des jordanischen Königs Abdullah II. wurde ein Komplott vorgeworfen, der setzte sich öffentlich zur Wehr. Nun scheint sich die Familie wieder zusammengerauft zu haben, die Krise abgewendet.

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Bestreitet, Teil der Verschwörung gewesen zu sein: König Abdullahs Halbruder, der frühere Kronprinz Hamsa bin Hussein. (Archivbild)

Bestreitet, Teil der Verschwörung gewesen zu sein: König Abdullahs Halbruder, der frühere Kronprinz Hamsa bin Hussein. (Archivbild)

AFP/Khalil Mazraawi
Hatte es ein Komplott auf seine Macht abgesehen? König Abdullah II. (Archivbild)

Hatte es ein Komplott auf seine Macht abgesehen? König Abdullah II. (Archivbild)

AFP/Jordanian Royal Palace

Die öffentliche Fehde im jordanischen Königshaus ist offenbar beigelegt. Eine erfolgreiche Mediation zwischen König Abdullah II. und seinem Halbbruder Prinz Hamsa habe die schwerste politische Krise seit Jahrzehnten im Land entschärft, teilten der Palast und ein Vertrauter des Prinzen am Montag mit.

Der König hatte Hamsa am Wochenende unter Hausarrest gestellt und ihm ein «heimtückisches Komplott» mit ausländischer Hilfe zur Destabilisierung Jordaniens vorgeworfen. Der 41-jährige Hamsa hat eine Beteiligung an einer Verschwörung bestritten. Er sei vielmehr ins Visier geraten, weil er Korruption und schlechte Regierungsführung in Jordanien angeprangert habe, erklärte der einstige Kronprinz.

Halbbruder gelobt Loyalität

Die Bekanntgabe der erfolgreichen Vermittlung erfolgte nach einem Treffen von Abdullahs Onkel Hassan mit Hamsa am Montag. Zugegen waren auch Hamsas Bruder Haschem und drei ihrer Cousins. «Im Licht der Entwicklungen der vergangenen zwei Tage stehe ich Seiner Majestät dem König zur Verfügung», hiess es in einer von Hamsa unterzeichneten Erklärung. Er werde sich dem König und der jordanischen Verfassung gegenüber loyal verhalten.

Malik Dahlan, ein professioneller Mediator und Freund der Familie, erklärte, die Mediation sei erfolgreich verlaufen. Der «bedauerliche Vorfall» sei das Ergebnis «ungeschickter Aktionen eines ranghohen Sicherheitsbeamten und einer Falschdarstellung eines Regierungsvertreters», hiess es in der Erklärung Dahlans. «Es hätte eine Familienangelegenheit bleiben sollen.»

Das war eine offenkundige Anspielung auf Vorgänge vom Samstag: Prinz Hamsa hatte in einer der britischen BBC übermittelten Videobotschaft erklärt, dass der Militärchef am Morgen zu ihm gekommen sei und ihm gesagt habe, er dürfe das Haus nicht mehr verlassen, mit anderen Personen kommunizieren und niemanden treffen. Telefon- und Internetverbindungen seien gekappt worden, er verbreite diese Mitteilung über Satelliten-Internet, ergänzte Hamsa.

Vorwurf der Korruption

Unverhohlen übte er in der Botschaft Kritik am «herrschenden System», ohne den König direkt zu erwähnen. Dieses System habe entschieden, «dass seine persönlichen Interessen, seine finanziellen Interessen, dass seine Korruption wichtiger sind als das Leben, die Würde und Zukunft der zehn Millionen Menschen, die hier leben», monierte er.

Am Sonntag hatte die jordanische Führung Hamsa vorgeworfen, sich mit ausländischer Hilfe gegen das Königreich verschworen zu haben. Das «heimtückische Komplott» sei allerdings vereitelt und 14 bis 16 Verbündete Hamsas seien verhaftet worden, teilte Aussenminister Ayman Safadi bei einer Pressekonferenz mit. Einzelheiten über das angebliche Komplott oder darin verwickelte Länder nannte Safadi nicht. Er warf Hamsa jedoch vor, Gespräche mitgeschnitten und sie an Quellen im Ausland weitergeleitet zu haben.

Dies bestätigte der Ex-Kronprinz in einer neuen Videobotschaft vom Montag zumindest indirekt. Er habe die Äusserungen des Militärchefs heimlich aufgenommen und an Bekannte im Ausland und seine Familie verschickt – «für den Fall, dass etwas passiert», erklärte Hamsa.

Hamsa will nicht schweigen

In seiner neuen Videobotschaft vom Montag erklärte Hamsa, zwar keine Eskalation zu wollen. Doch werde er sich «natürlich nicht fügen, wenn er mir sagt: Sie dürfen nicht mehr hinausgehen, twittern oder mit Leuten in Kontakt treten und Sie dürfen nur Familienmitglieder sehen», betonte er. «Wenn ein Armeechef das sagt, finde ich das inakzeptabel».

Hamsa und Abdullah II. sind Söhne des 1999 verstorbenen Königs Hussein, der auch zwei Jahrzehnte nach seinem Tod in Jordanien von vielen verehrt wird. Auch Hamsa gilt als ein angesehenes Mitglied der Königsfamilie, doch wurde ihm 2004 – fünf Jahre nach Abdullahs Thronbesteigung – der Titel «Kronprinz» entzogen. Zuletzt baute Hamsa Beziehungen zu einflussreichen Stammesältesten auf, was von vielen Beobachtern als Bedrohung für den König aufgefasst wurde.

Nach Bekanntwerden der Vorgänge im Königshaus stärkten die USA und arabische Regierungen Abdullah II. unverzüglich den Rücken, was die strategische Bedeutung Jordaniens widerspiegelt. Das Land gilt als wichtiger Verbündeter des Westens in der Unruheregion.

(DPA/chk)

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