Gefangen in Dubai : Prinzessin Latifa fleht in heimlichen Videos um Schutz vor ihrem Vater
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Gefangen in Dubai Prinzessin Latifa fleht in heimlichen Videos um Schutz vor ihrem Vater

Was die Influencer in Dubai erleben, steht im grossen Gegensatz zu dem, was die Tochter des Herrschers von Dubai durchmachen muss. In neuen, heimlich aufgenommenen Videos erzählt Prinzessin Latifa, wie der autoritäre Sheik Mohammed ihr Leben zu Hölle macht.

In einem Video erzählt Prinzessin Latifa, dass sie eine Geisel sei.

BBC Panorama

Monatelang wussten sie nicht, wo Sheikha Latifa bint Mohammed bin Rachid al-Maktoum ist – ja, ob sie überhaupt noch lebt. Doch dann gelang es Aktivisten, mit der Tochter des Herrschers von Dubai, Mohammed bin Rashid al-Maktoum, wieder in Kontakt zu treten: Sie schmuggelten ein Handy in die Villa in Dubai, wo die 35-Jährige nach eigenen Angaben festgehalten wird. Über Monate nahm sich Latifa heimlich im WC auf – dem einzigen Raum, der eine abschliessbare Tür habe. Doch seit letztem Jahr ist der Kontakt zu ihr wieder abgebrochen. Die Aktivisten fürchten um das Leben der Prinzessin aus Dubai.

Die «BBC» hat das über Monate gesammelte Videomaterial erhalten und in Ausschnitten veröffentlicht. In den Aufnahmen erklärt Sheikha Latifa, dass sie in einem Haus mit verriegelten Fenstern sitze, welches von mehreren Polizisten bewacht werde. «Ich bin eine Geisel und die Villa ist in ein Gefängnis umgewandelt worden.» Seit einem Jahr sei sie von der Aussenwelt abgeschnitten, habe auch keinen Zugang zu medizinischer Versorgung.

«Ich weiss nicht, welche Pläne sie mit mir haben»

«Ich kann kein Fenster öffnen, sie sind alle verriegelt», so Prinzessin Latifa weiter. «Draussen sind fünf Polizisten, zwei Polizistinnen sind im Haus. Ich kann nicht nach draussen gehen, um frische Luft zu kriegen.» Sie wisse nicht, wann sie freikommen würde und wie die Bedingungen dann aussähen. «Ich habe jeden Tag Angst um meine Sicherheit und um mein Leben. Ich weiss nicht, ob ich lebend aus dieser Lage kommen werde.» Die Polizei habe ihr angedroht, dass sie ein «Leben lang im Gefängnis» sein und «die Sonne nie mehr sehen» würde. Sie sei jetzt an einem Punkt angelangt, wo sie nur noch müde sei.

«Ich möchte keine Geisel in diesem Villa-Gefängnis sein. Ich möchte frei sein. Aber ich weiss nicht, welche Pläne sie mit mir haben. Jeder Tag wird verzweifelter.»

Sheika Latifa ist eines von mindestens dreissig Kindern des Emirs von Dubai. Sheik Mohammed ist gleichzeitig Regierungschef und damit zweitmächtigster Mann der Vereinigten Arabischen Emirate. Er sei, sagte Latifa einst über ihren Vater, «der böseste Mensch, den ich je in meinem Leben getroffen habe. Das pure Böse. Es gibt nichts Gutes an ihm. Er ist verantwortlich für den Tod von so vielen Menschen und hat das Leben von so vielen Menschen ruiniert.»

«In der liebenden Obhut der Familie»

Ihrem Vater warf sie vor, sie über Jahre eingesperrt und schwer gefoltert zu haben, nachdem sie versucht hatte, zu fliehen. Später sei es ihr untersagt gewesen, eigene Entscheidungen treffen, einen Pass zu besitzen, Auto zu fahren oder Dubai zu verlassen: «Ich wurde mein ganzes Leben unterdrückt».

Im Februar 2018 floh Latifa mit einer finnischen Vertrauten, der Capoeira-Instruktorin Tiina Jauhiainen, aus Dubai. Eine Woche später wurden sie im Meer vor Indien von indischen Spezialeinheiten aufgegriffen. In den neuen Videoszenen, die BBC diesen Dienstagabend ausstrahlen will, erzählt die Prinzessin, wie sie trotz Kampf an Bord überwältigt, betäubt und in einem Privatjet nach Dubai geflogen worden sei.

Die Behörden Dubais und der Vereinigten Emirate liessen Anfragen nach dem Aufenthaltsort und Zustand der Prinzessin unbeantwortet. Früher hiess es jeweils, Latifa sei «sicher in der liebenden Obhut ihrer Familie.» Die indische Regierung hat sich zu der Entführung nie geäussert.

Auch andere versuchten, vor Sheik Mohammed zu fliehen

Dabei ist die Prinzessin nicht die einzige, die dem autoritären Herrscher von Dubai zu entkommen versucht. Latifas ältere Schwester Shamsa war 2002 nach Grossbritannien geflohen, bevor sie unter Drogen gesetzt und wieder nach Hause gebracht worden war. Seither stehe sie wieder unter der totalen Kontrolle und Überwachung ihres Vaters und müsse Tabletten nehmen, «die einen zum Zombie machen», wie ihre Schwester Latifa später berichtete.

Auch die Flucht von Prinzessin Haya (46), der sechsten und jüngsten Ehefrau von Sheikh Mohammed, hatte im Juli 2019 für Schlagzeilen gesorgt. Die mittlerweile geschiedene Haya beantragte vor einem Londoner Gericht Schutz und das alleinige Sorgerecht für ihre zwei Kinder und bekam Recht. Die Richter stellen zudem fest, dass der arabische Herrscher seine zwei Töchter, die versucht hatten, ins Ausland zu flüchten, entführen, nach Dubai zurückbringen und dort teilweise unter unmenschlichen Bedingungen einsperren hatte lassen.

Jan Böhmermann

Influencer, geht nicht nach Dubai

Jan Böhmermann hat sich in seiner Sendung «ZDF Magazin Royale» an die wachsende Influencer-Szene gewandt, die sich in Dubai breit macht: Seine alte Heimat Bremen sei auch eine Top-Destination und gute Alternative zu Dubai. Denn «mit Ausbeutung ist Dubai entstanden und mit Ausbeutung läuft der Laden noch heute», so Böhmermann. Dubai sei für seine nicht menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und Ausbeutung bekannt. Zudem verweist Böhmermann auf das Schicksal von Prinzessin Latifa und den anderen Familienmitgliedern, die sich der Kontrolle von Sheik Mohammed entziehen wollten.

Böhmermanns Angebot wird angenommen: Bis Montagnachmittag gingen mehr als 8000 Bewerbungen von Influencern ein.

(gux)

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