Italien: Prinzessinnen-Kurs für Mädchen zwischen 6 und 9 Jahren sorgt für Ärger

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ItalienPrinzessinnen-Kurs für Mädchen zwischen 6 und 9 Jahren sorgt für Ärger

«Der erste Kurs in Italien, um Prinzessin zu werden» – mit diesem Slogan wirbt eine Unternehmerin aus Mailand für einen Kurs für kleine Mädchen. Im Netz kommt ihre Idee nicht gut an.

von
Karin Leuthold
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Mit diesem Flyer wirbt die Italienerin Stefania Vadalà für einen Prinzessinnen-Kurs. Die Idee sorgt für Unmut.

Mit diesem Flyer wirbt die Italienerin Stefania Vadalà für einen Prinzessinnen-Kurs. Die Idee sorgt für Unmut.

Facebook/Stefania Vadala’ Eventi e la sua Maison degli Eventi
In dem Kurs sollen Mädchen zwischen sechs und neun Jahren lernen, elegant auf Absätzen zu gehen oder sich zu schminken. 

In dem Kurs sollen Mädchen zwischen sechs und neun Jahren lernen, elegant auf Absätzen zu gehen oder sich zu schminken. 

IMAGO/Sylvio Dittrich
Im Netz macht der Kurs viele Frauen wütend. Mit einem solchen Angebot werden Geschlechterstereotypen übernommen, heisst es.

Im Netz macht der Kurs viele Frauen wütend. Mit einem solchen Angebot werden Geschlechterstereotypen übernommen, heisst es.

imago images/Westend61

Darum gehts

  • In Italien bietet eine Unternehmerin einen Kurs «um Prinzessin zu werden» an.

  • Kleinen Mädchen wird beigebracht, wie man sich kämmt oder Make-up aufträgt.

  • Die Geschäftsfrau ist seit Tagen Opfer eines Shitstorms.

Hairstyling, Make-up, perfekte Körperhaltung, Knigge und Eleganz: Ein wöchentlicher Kurs sorgt im südlichen Nachbarland für grosses Aufsehen – denn er ist an Mädchen im Alter von sechs bis neun Jahren gerichtet. «Der erste Kurs in Italien, um Prinzessin zu werden», heisst es in einer Online-Werbung, die seit Tagen viral geht. Dahinter steckt die Unternehmerin Stefania Vadalà aus Rho, einem Vorort nördlich von Mailand. Nun wird die 37-Jährige mit hasserfüllten Kommentaren überschüttet.

Vadalà, von Beruf Hochzeitsplanerin, versuchte sich zunächst für ihre «Prinzessinnenschule» zu rechtfertigen. Die Idee sei «beim Spielen mit meinen Kindern, einem Buben und zwei Mädchen, entstanden», sagt sie. Doch im Netz lässt die Kritik nicht nach. «Wenn der Kurs für Buben gedacht wäre, würde er sich darauf konzentrieren, ihre Fähigkeiten und ihr Potenzial zu verbessern», ist sich eine Nutzerin auf Facebook sicher. Bei Mädchen hingegen gehe es um Aussehen und gute Manieren, schimpft sie. «Ich bin sprachlos. Ist das ein unschuldiges Spiel?»

«Schämst du dich nicht?»

Weitere User und Userinnen sprechen von Sexismus. Mit einem solchen Angebot werden Geschlechterstereotypen übernommen, heisst es. Eine Frau schreibt: «Ich wünsche den armen Mädchen, die an diesem ‹Kurs› teilnehmen werden, dass sie sich der ungeheuren Menge an Schwachsinn bewusst werden, dem sie ausgesetzt sein werden, und dass sie zu bewussten, feministischen Frauen werden, die Sie eines Tages zur Rechenschaft ziehen werden.»

«Eine Prinzessinnenschule im Jahr 2023! Und dann fragt man sich, warum die Frauen nicht eine wichtigere Rolle spielen», meint eine andere Nutzerin. Eine andere ist wütend: «Schämst du dich nicht? Wir kämpfen täglich dafür, diese sexistische und patriarchalische Kultur zu verändern, wir haben Frauenmorde, weil Männer Frauen für Objekte ihres Besitzes halten, wir kämpfen für Lohngleichheit, um Frauen zu ermutigen, wissenschaftliche und technische Fächer zu studieren», schreibt die Nutzerin, die am Schluss droht, Vadalà sogar anzeigen zu wollen.

Was hältst du vom Prinzessinnen-Kurs?

Heute Prinzessinnen, morgen Indianer

In einem Facebook-Video stellte die Geschäftsfrau ihre Vision klar: Es sei nicht darum gegangen, Geschlechterstereotypen zu übernehmen. «Bei uns können Buben und Mädchen alles sein, sie können ihre Schönheit in jeder Form ausdrücken, sie können jeden Charakter spielen, ohne dass dies ihr Wesen kennzeichnet. Dies ist ein Spielzimmer», meint sie.

Dass auf dem Flyer für den Kurs ausgerechnet ein Mädchen abgebildet sei, nennt Vadalà «etwas unglücklich». Doch indem sie sich weiter versucht zu erklären, tritt sie noch mehr ins Fettnäpfchen: «Heute spielen wir Prinzessinnen, morgen Indianer. Dieser Kurs wurde ins Leben gerufen, um das Selbstwertgefühl zu stärken.»

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, aufgrund der Geschlechtsidentität diskriminiert? 

Hier findest du Hilfe:

Gleichstellungsgesetz.ch, Datenbank der Fälle aus Deutschschweizer Kantonen

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann

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