Schuldspruch aufgehoben: Privat-Parkplatz verteidigt – Freispruch
Aktualisiert

Schuldspruch aufgehobenPrivat-Parkplatz verteidigt – Freispruch

Eine Zürcherin hat auf ihrem Privatparkplatz das Fahrzeug eines Verkehrssünders eigenmächtig blockiert. Nicht zu Unrecht, befand nun das Zürcher Obergericht.

von
Attila Szenogrady

Der umstrittene Vorfall geschah Ende Dezember 2011. Damals kehrte die heute 32-jährige Verkäuferin am Abend von ihrer Arbeit zurück und wollte ihren Personenwagen auf ihrem Privatparkplatz vor ihrem Wohnort in Zürich-Schwamendingen abstellen. Zu ihrem grossen Ärger musste sie zur Kenntnis nehmen, dass ein anderer Verkehrsteilnehmer auf ihrem Grund das Fahrzeug unbefugt parkiert hatte. Sie musste deshalb ihr Auto anderswo abstellen.

Parksünder blockiert

Fest steht, dass die Frau über drei Stunden zuwartete und um 23 Uhr beschloss, zu ihrem Recht zu kommen. Sie blockierte den Parksünder mit ihrem Wagen und rief einen Abschleppwagen herbei. Genau als dieser eintraf, tauchte prompt der fehlbare Lenker am Tatort auf. Er wollte sogleich wegfahren. Allerdings vergeblich. So forderte die Frau von ihm seine Personalien und verlangte von ihm, den Abschleppdienst zu bezahlen.

Der beste Parkplatz geschnappt

Zuerst ein Schuldspruch

Sicher ist, dass es zu einem heftigen Streit kam, wobei die Polizei zum Schluss erstaunlicherweise dem Falschparkierer Recht gab und die Frau wegen Nötigung verzeigte. Zunächst mit Erfolg, da das Bezirksgericht Zürich im letzten Januar die Dame wegen Nötigung zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu 30 Franken sowie zu 200 Franken Busse verurteilte. Die Verteidigung legte Berufung ein.

Selbsthilfe erlaubt

Vor Obergericht bekam die unterlegene Halterin eines Privatparkplatzes Recht. Sie wurde umfassend freigesprochen und erhielt eine Prozessentschädigung von rund 10'000 Franken. Das Obergericht befand, dass die Frau das zivilrechtlich begründete Recht besessen habe, das widerrechtlich parkierte Fahrzeug abschleppen zu lassen. Es gehe dabei um die rechtlich verbriefte Selbsthilfe. Es handle sich zwar um einen Grenzfall, erklärte der Gerichtsvorsitzende Daniel Bussmann. Allerdings habe die Beschuldigte über drei Stunden zugewartet, um einzuschreiten, sagte er.

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