Aktualisiert 14.07.2012 18:43

14 Juillet«Private Angelegenheiten privat klären»

In der mit Spannung erwarteten Rede zum französischen Nationalfeiertag hat Präsident Hollande seiner Familie einen Rüffel erteilt. Er bat sie, künftig keine privaten Dinge mehr in die Öffentlichkeit zu tragen.

François Hollande zeigte sich am französischen Nationalfeiertag erstmals wieder mit seiner Partnerin Valérie Trierweiler (im beigen Mantel) in der Öffentlichkeit.

François Hollande zeigte sich am französischen Nationalfeiertag erstmals wieder mit seiner Partnerin Valérie Trierweiler (im beigen Mantel) in der Öffentlichkeit.

Zwei Monate nach seiner Wahl hat der französische Staatspräsident François Hollande am Samstag zum ersten Mal die Militärparade zum Nationalfeiertag abgenommen. In einem Fernseh-Interview bekräftigte er seine Absicht, in Zukunft Privates und Öffentliches strikter zu trennen.

Kampfjets flogen am Vormittag in Formation über die Pariser Champs-Élysées. Am bedeckten Himmel hinterliessen sie eine Spur in den französischen Nationalfarben blau-weiss-rot, während am Boden Einheiten der Streitkräfte die Prachtstrasse entlang marschierten und in mehreren Versionen die Marseillaise gespielt wurde.

Tausende Schaulustige verfolgten die Militärparade. Nahezu 5000 Mitglieder des Heeres, der Luftwaffe, der Marine und des Zivilschutzes nahmen daran teil, hunderte Pferde und Militärfahrzeuge, Dutzende Kampfflugzeuge und Helikopter vervollständigten das Bild.

Auch Soldaten eines Jägerbataillons der Bundeswehr waren dabei, um an den 50. Jahrestag der deutsch-französischen Aussöhnung zu erinnern. Die deutsch-französischen Beziehungen nannte Hollande in seinem Interview offen, ausgewogen und respektvoll.

Wirbel um Partnerin Trierweiler

In einem anschliessenden Fernsehinterview wollte sich Hollande entgegen einer Ankündigung seines Büros nicht zu einer von den Medien des Landes als «tweetgate» bezeichneten Affäre äussern. Er wolle öffentliche und private Angelegenheiten nicht vermischen und habe die ihm nahe stehenden Menschen gebeten, es ebenso zu handhaben, sagte Hollande.

Über den Internet-Dienst Twitter hatte seine Lebensgefährtin Valérie Trierweiler kurz vor der Parlamentswahl öffentlich gegen die Ex-Frau ihres Partners gewettert - gegen die Sozialistin Ségolène Royal, die in La Rochelle ein Mandat erringen wollte.

Die Angelegenheit hatte in Frankreich für grosse Aufregung gesorgt und das von Hollande gepflegte Image eines skandalfreien Politikers angekratzt. Zuletzt hatte sich auch Thomas Hollande, der Sohn des Präsidenten und seiner früheren Partnerin Royal, in die Debatte eingemischt und die Äusserungen Trierweilers im Nachrichtenmagazin «Le Point» kritisiert.

Seit der Twitter-Affäre hatte Trierweiler sich bei öffentlichen Auftritten zurückgehalten. Am Samstag zeigte sich die Journalistin während der Parade erstmals wieder an der Seite des Präsidenten in der Öffentlichkeit.

Kürzungen bei Peugeot «inakzeptabel»

Den jüngst von PSA Peugeot-Citroen vorgestellten Kürzungsplan bezeichnete Hollande im Interview zum Nationalfeiertag als Schock für Arbeiter, ihre Familien und deren Gemeinden. Der Abbau tausender Arbeitsplätze sei inakzeptabel und müsse neu verhandelt werden.

Der ins Straucheln geratene Autokonzern hatte am Donnerstag angekündigt, 8000 Stellen streichen und eine Fabrik bei Paris schliessen zu wollen. Die Regierung habe einen Experten beauftragt, die Finanzlage Peugeots zu beurteilen und das Unternehmen zu beraten, sagte Hollande. Auch plane die Regierung, den Franzosen Förderungen anzubieten, wenn diese französische Autos kauften.

Das Präsidenten-Interview am Nationalfeiertag ist eine alte Tradition in Frankreich, die Hollande nach einer fünfjährigen Pause wieder ins Leben gerufen hat.

Am Nationalfeiertag, dem sogenannten Tag der Bastille, erinnern die Franzosen jährlich am 14. Juli an den Sturm auf die Bastille 1789, den Beginn der Französischen Revolution.

Hollande über die Trennung zwischen Beruf und Privatleben:

(Video: Le Monde) (sda)

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