Brutales Gewerbe: Private verdienen mit Folter Milliarden
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Brutales GewerbePrivate verdienen mit Folter Milliarden

Folter ist noch in vielen Ländern ein probates Mittel, um träge Zungen zum Sprechen zu bringen. Private Unternehmen ziehen daraus Profit – auf Kosten der Opfer.

von
hae/cho

Menschen physisch und psychisch quälen – das versteht man unter Folter. Gemäss Amnesty International wenden heutzutage noch immer 141 Ländern solche Methoden an. Die Menschenrechtsorganisation hat in den letzten fünf Jahren glaubwürdige Berichte von Opfern aus diesen Ländern erhalten und gesammelt. Die Gefolterten wurden verschiedenst gequält – beispielsweise mit Elektroschocks. Die Schmerzen können dabei äusserst intensiv sein und die Opfer an ihre Grenzen führen: «Ich dachte, ich würde tatsächlich sterben», so eines der Opfer.

Neben Tätern und Opfern beteiligen sich auch andere an Folter – die Produzenten, welche Werkzeuge herstellen und vertreiben. Die meisten Geräte stammen von privaten Unternehmen aus Nordamerika, der EU und Südostasien wie Focus Online schreibt. Wie viel Geld jährlich mit Folterwerkzeugen erzielt wird, lässt sich nur schwer beziffern. 2011 schätzten US-Forscher den Markt mit nicht tödlichen Waffen auf 1,4 Milliarden Dollar (rund 1,25 Milliarden Franken). Der intransparent Sektor scheint zu boomen: Bis 2016 soll sich der Markt auf 2,6 Milliarden Dollar (rund 2,32 Milliarden Franken) steigern.

Verbot nur schwer durchzusetzen

Der Handel mit Gütern, welche lediglich der Vollstreckung der Todesstrafe, zur Folter oder anderer unmenschlicher Verwendung dient, ist in der EU verboten.

Dennoch gibt es gemäss Amnesty International auch in der Europäischen Union Handel mit Folterwerkzeugen – etwa mit Elektroschockern: «Vieles geschieht unter der Hand», so Amnesty-Experte Mathias John. Der Vertrieb würde vor allem über kleinere Internethändler aus dem Bereich Selbstverteidigung laufen. «Unseres Wissens werden solche Produkte in der EU nicht produziert – deshalb stellt sich die Frage: Wie kommen sie rein?», sagt John. Der ehrenamtliche Experte kennt die Antwort: Kleinere Betriebe könnten geringere Mengen problemlos über die Grenzen schmuggeln. «Zehn oder zwanzig Elektroschocker in einer Aktentasche sind schnell über die Grenze gebracht». Besonders private Sicherheitsfirmen würden immer mehr solches Equipment nachfragen, da dieser Markt derzeit stark zulege.

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