TV-Boom: Privatfernsehen erlebt seinen zweiten Frühling

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TV-BoomPrivatfernsehen erlebt seinen zweiten Frühling

Innerhalb von kurzer Zeit sind in der Schweiz sechs neue Fernsehsender lanciert worden. Möglich machen das vor allem Serien und Filme aus dem Ausland.

von
Fabian Lindegger

Seit rund zwei Wochen ist mit Welt der Wunder TV ein neuer Fernsehsender in der Schweiz empfangbar. Der Sender setzt dabei laut eigenen Angaben vor allem auf Dokumentationen und Wissenssendungen, analog zum Angebot der deutschen Station von Welt der Wunder. Verbreitet wird der Sender über das Netz der Swisscom, die auch die Kosten für die Aufschaltung übernommen hat. Welt der Wunder TV ist aber nur die jüngste Fernsehstation, die in der Schweiz neu auf Sendung gegangen ist: Vor rund einem Monat startete 5+ und seit letztem Frühling geht TV24 über den Äther. Im vergangenen Jahr wurden mit 4+, CHTV und S1 ebenfalls drei neue Sender lanciert.

Schaut man sich die Programme dieser neuen TV-Sender etwas genauer an, fällt auf, dass diese fast ausschliesslich ausländische Spielfilme, Serien und Dokumentationen ausstrahlen. Schweizer Eigenproduktionen hingegen bekommt das Publikum kaum zu Gesicht. «Das ist der grosse Unterschied zu TV3 oder Tele24, die um die Jahrtausendwende lanciert wurden. Diese haben ein volles Programm mit Eigenproduktionen und Nachrichtensendungen angeboten, was sich im Schweizer Medienmarkt nicht finanzieren lässt», sagt Medienwissenschaftler Björn von Rimscha von der Universität Zürich. Allerdings gibt es mit Joiz und 3+ zwei nationale private Sender, die auf selbst produzierte Inhalte setzen und damit, laut eigenen Angaben, schwarze Zahlen erwirtschaften. Allerdings ohne eigene Nachrichtensendungen, die laut von Rimscha besonders teuer zu produzieren sein.

«Einfach ein weiterer Vertriebskanal»

Die neuen Sender TV24, 5+ und Welt der Wunder TV gehören Verlagen oder Unternehmen, die bereits verschiedene TV-Sendern betreiben. Der Aufwand, einen zusätzlichen Ableger zu lancieren, sei deshalb nicht sehr gross, sagt von Rimscha. «Es ist einfach ein weiterer Vertriebskanal, mit dem man relativ günstig zu mehr Reichweite kommt. Zudem gibt es einige Leute in der Branche, die das Gefühl haben, dass im Schweizer TV-Markt noch Luft nach oben besteht.» Dies vor allem, weil in der Schweiz im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich lange ferngesehen werde.

Neben den «Top-Serien», die von den grossen Fernsehsendern ausgestrahlt werden, gäbe es genügend gut produzierte US-Serien, die sich relativ günstig einkaufen liessen. «Denn in diesem Bereich ist das Angebot an Serien grösser als die Anzahl Sendeplätze in der Schweiz», erklärt von Rimscha. Das Programm werde in diesen Fällen vor allem für den Werbemarkt optimiert und weniger nach qualitativen Gesichtspunkten der Inhalte zusammengestellt.

Technische Neuerungen helfen

Zudem könnten Spartensender, die vor allem ausländische Inhalte senden, momentan auch von der Verschmelzung von Internet und Fernsehen, wie es etwa bei Replay-Angeboten geschieht, profitieren, ist von Rimscha überzeugt: «Die Spartensender haben so den Vorteil, dass ihr Programm nicht mehr direkt mit Sendungen der grossen Stationen konkurriert. Will ich zum Beispiel lieber eine Sportübertragung als eine Serie sehen, kann ich mir anschliessend dank einer Replay-Funktion die Serie trotzdem noch anschauen.»

Mit der zunehmenden Verbreitung von Online-Streaming-Diensten in der Schweiz erhalten jene Sender, die vor allem amerikanische Spielfilme und Serien im Programm haben, aber zusätzliche Konkurrenz. Dass die Goldgräberstimmung in der Schweizer Privatfernseh-Landschaft noch lange anhalten wird, ist also keineswegs sicher.

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