Skandal?: Pro Helvetia finanziert Swinger-Orgien in Wien

Aktualisiert

Skandal?Pro Helvetia finanziert Swinger-Orgien in Wien

Ein Schweizer Künstler sorgt in Wien für Aufregung: Er hat in einem Museum einen Swingerclub eingerichtet. Mitfinanziert wird das Projekt von Pro Helvetia.

von
Deborah Rast

Ein Sexclub in einem altehrwürdigen Museum? So etwas geht in Wien – vorausgesetzt, es läuft unter dem Titel «Kunst». Der Basler Künstler Christoph Büchel hat in der ­Secession, in der auch der berühmte Beethovenfries von Gustav Klimt ausgestellt ist, einen echten Swingerclub eingerichtet. Tagsüber kann die Secession ganz normal besichtigt werden. Ab 21 Uhr wird das Erdgeschoss des Museums zum Swingerclub, inklusive Darkroom, Séparées und Sadomaso-Zimmer.

Obwohl die als Swingerclub eingerichteten Räume auch tagsüber nur für Erwachsene zugänglich sind, laufen Politiker in Wien Sturm gegen «den Sittenverfall». Doch auch in der Schweiz ist Aufregung vorprogrammiert: An den Kosten von 90 000 Euro für das Swinger-Projekt hat sich die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia mit 15 000 Franken beteiligt. «Christoph Büchel gehört zu den bekanntesten Künstlern der Gegenwart in der Schweiz. Kunst soll auch zu kontroversen Diskussionen anregen», so die Leiterin Visuelle Künste, Marianne Burki.

Das Engagement sorgt bei Schweizer Politikern für Empörung: «Es ist absolut jenseits, dass Pro Helvetia eine derart geschmacklose Krea­tion mitfinanziert», sagt CVP-Präsident Christophe Darbellay. «Man hätte meinen können, dass sie nach der Hirschhorn-Geschichte mehr Fingerspitzengefühl hätten», so Darbellay. Auch FDP-Präsident Fulvio Pelli findet das Engagement von Pro Helvetia «problematisch».

Schweizer Kulturskandale

Für einen handfesten Kulturskandal sorgte Ben Vautier 1992: Er hatte damals das Motto für den Schweizer Pavillon an der Weltausstellung in Sevilla entworfen – «La Suisse n’existe pas». Bürger und Politiker liefen Sturm gegen den Slogan, mit dem Vautier eigentlich nur die Vielfalt der Schweiz hatte beschreiben wollen. Für den nächsten Skandal sorgte Thomas Hirschhorn 2004 in Paris: Auf dem Ausstellungsplakat wurde die Schweiz mit dem Foltergefängnis Abu Ghraib verglichen, in einer Performance tat ein Schauspieler so, als pinkle er auf Blochers Porträt. An dieser Ausstellung war Pro Helvetia mit 180 000 Franken beteiligt. Als Konsequenz kürzte das Parlament der Stiftung das Budget um eine Million Franken.

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