Höhere Zahlen als der Bund - Pro Jahr fallen bis zu 10’000 Rehkitze den Mähmaschinen zum Opfer
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Höhere Zahlen als der BundPro Jahr fallen bis zu 10’000 Rehkitze den Mähmaschinen zum Opfer

Ein Rehkitz-Rettungsprojekt in Einsiedeln hat Pioniercharakter. Wie sie das machen und welche Methoden es zur Rettung der Tiere vor der Mähmaschine gibt, wird in einem neuen Film gezeigt.

von
Daniela Gigor

«Rehkitzrettung Lehrfilm über Methoden & Forschung» soll helfen, noch mehr tierisches Leben zu retten.

Mario Theus/palorma.ch

Darum gehts

  • Ein neuer Lehrfilm zeigt, mit welchen Methoden Rehkitze vor dem Mähtod gerettet werden können.

  • Der Filmemacher sagt: «Das Vorgehen der Jäger in Einsiedeln sollte als Vorbild für andere Regionen dienen.»

  • Ein Anruf bei den Jägern von den Landwirten genügt und sie kommen vor Ort und bieten rettende Hilfe für die Tiere an.

  • Der Film ist für alle Involvierten und Interessierten lehrreich und zeigt, wie aufwändig die Rettungen der Rehkitze sind.

  • Künftig könne das Rettungsprogramm nur funktionieren, wenn weiterhin alle Beteiligten an einem Strick ziehen und Freiwillige mitmachen.

Jedes Jahr, etwa von Mitte Mai bis Mitte Juli, beginnt je nach geografischer Lage das Tiermassaker von vorne: Wenn die Rehe ihre Kitze auf einer Wiese geboren haben, besteht die Gefahr, dass sie von einer Mähmaschine getötet werden. Die Rettungsmethoden sind vielseitig und dennoch fallen laut Jagdstatistik des Bundes jedes Jahr rund 1500 Kitze den Mähmaschinen zum Opfer. In einem neuen Film mit dem Titel: «Rehkitzrettung Lehrfilm über Methoden & Forschung» bringt Simon Meier, Geschäftsführer Wildtier Schweiz, allerdings eine andere, schockierende Zahl ans Tageslicht: Er schätzt, dass etwa 15 % der Jungtiere durch die Mähmaschine zu Tode kommen. Dies würde bedeuten, dass etwa 10’000 Rehkitze pro Jahr vermäht werden.

Rehkitze kommen je nach geografischer Lage zwischen Mitte Mai und Mitte Juli zur Welt. 

Rehkitze kommen je nach geografischer Lage zwischen Mitte Mai und Mitte Juli zur Welt.

Mario Theus/palorma.ch

Dass viele Gitzi gerettet werden könnten, zeigt das Vorgehen in Einsiedeln: «Dies sollte als Vorbild für andere Regionen dienen. Dort haben die Jäger Verantwortung übernommen und sich gefragt, wie man das Problem lösen kann», sagt Filmemacher Mario Theus: «Die Rehkitzretter aus Einsiedeln sind so gut organisiert, dass die Landwirte wissen, ein Anruf bei den Jägern genügt und sie kommen vorbei und holen die Kitze aus der Wiese oder verblenden die Wiesen und bedanken sich anschliessend beim Landwirt für den Anruf, welcher den Kitzen das Leben retten kann.»

Die Suche nach Kitzen mit Drohnen hat Grenzen

So wird etwa auch mit Drohnen nach den Tieren gesucht. Eine Methode, über die in den letzten Jahren immer wieder berichtet wurde. Allerdings hat diese neuste technische Innovation ihre Grenzen: Sie sind teuer, personalintensiv, benötigen eine sehr gute Planung und sie können und dürfen nicht immer fliegen. Etwa weil sie nicht überall eingesetzt werden dürfen, das Wetter für Flüge nicht geeignet ist oder auch Defekte am Gerät einen Strich durch die Rechnung machen. Dann sind Rehkitzretter gefragt, die wissen, wie Rehkitze mit klassischen Methoden gerettet werden können.

Es war der in Einsiedeln zuständige Wildhüter, Matthias Oechslin, der auf Theus zugekommen ist und ihn dazu motivierte, den Film über die Rettung von Rehkitzen zu drehen. Theus: «Ich darf sagen, das Ergebnis ist ein lehrreicher Film für alle Involvierten und Interessierten, der aufzeigt, wie aufwändig diese Rettungen sind und dass die Anzahl getöteter Tiere nur sinken kann, wenn alle an einem Strick ziehen und sich weiterhin Freiwillige engagieren.» Unterstützt wurde die Filmproduktion unter anderem auch vom Kanton Schwyz von der Abteilung Jagd und Wildtiere.

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