Aktualisiert 13.03.2014 07:58

Sexologin warnt«Pro-Juventute-Kampagne animiert zu Sexting»

Eine Sexologin kritisiert die Sexting-Kampagne von Pro Juventute. Diese sei kontrapoduktiv, weil sie sogar zu Sexting motivieren könne. Die Stiftung weist diesen Vorwurf zurück.

von
Deborah Onnis
Eine Sexologin kritisiert die grosse Schrift der ersten Aussage: Jugendliche würden nicht weiterlesen und die Botschaft falsch verstehen.

Eine Sexologin kritisiert die grosse Schrift der ersten Aussage: Jugendliche würden nicht weiterlesen und die Botschaft falsch verstehen.

«Sexting kann dich berühmt machen. Auch wenn du es gar nicht willst.» So lautet der Slogan der Kampagne von Pro Juventute, die Jugendliche vor dem Versenden von intimen Fotos warnen soll. Der erste Satz, der auf Plakaten in einer grossen Schrift abgebildet ist, sticht dabei im Vergleich zum klein gedruckten zweiten Satz stärker hervor. Dies könnte laut der Sexologin Kathya Bonatti von Jugendlichen, die oftmals nur die grossen Schlagzeilen lesen würden, missverstanden werden. Sie könnten gar zum Sexting animiert werden. «Es gibt viele Jugendliche, die für Berühmtheit alles geben würden», sagt Bonatti zu 20 minuti.

Im Kampf gegen das sich immer stärker verbreitende Phänomen des Sexting sei Prävention das einzige wirksame Instrument. Dieses setze die Pro Juventute aber nicht richtig ein, findet Bonatti: «Das ist sehr schade, denn der Inhalt, den die Kampagne vermitteln will, ist an sich sehr gut.» Ihrer Meinung nach wäre es besser, hervorzuheben, dass Sexting die Würde und das Selbstwertgefühl zerstöre.

«Zu theoretische Sicht»

Laurent Sédano, Medienexperte von Pro Juventute, ist hingegen überzeugt, dass die Herangehensweise der Kampagne richtig und keineswegs kontraproduktiv ist: «Es ist eine zu theoretische Sicht aus der Erwachsenenperspektive von Frau Bonatti, zu denken, man würde Jugendliche durch Aufklärung dazu bringen, etwas auszuprobieren.»

Die Sexting-Kampagne sei von Experten aus der Jugendarbeit, der Psychologie, der Beratung und der Medienkompetenz entworfen worden: «Die Kampagne ist bewusst so gestaltet, dass sie wachrüttelt und den Jugendlichen bewusst macht, dass Sexting harte Konsequenzen haben kann.»

Fast täglich meldet sich jemand wegen Sexting

Laut Pro Juventute zeigt die Kampagne auch schon erste Erfolge. Man könne eine verstärkte Sensibilisierung beobachten: Kinder und Jugendliche würden nun Hilfe suchen, wenn sie Opfer von Sexting werden. Derzeit melde sich fast täglich ein Knabe oder ein Mädchen wegen Sexting bei der Notrufnummer 147. Der Informationsbedarf zum Thema sei generell gross. Sowohl Betroffene als auch Eltern und Institutionen würden sich zurzeit stark für das Aufklärungsmaterial von Pro Juventute interessieren.

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