«Widerliche Verhöhnung der Opfer» – Pro-russische Demos und Gegenproteste in deutschen Städten

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«Widerliche Verhöhnung der Opfer»Pro-russische Demos und Gegenproteste in deutschen Städten

In Frankfurt am Main und Hannover kam es am Sonntag zu pro-russischen Kundgebungen. Auch die Unterstützer der Ukraine waren in Gegendemos vor Ort. Die Polizei trennte die beiden Seiten.

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In Frankfurt am Main versammelten sich am 10. April 2022 pro-russische Demonstrantinnen und Demonstranten …

In Frankfurt am Main versammelten sich am 10. April 2022 pro-russische Demonstrantinnen und Demonstranten …

AFP
… und warben für Verständnis für Russland und gegen Diskriminierung.

… und warben für Verständnis für Russland und gegen Diskriminierung.

REUTERS
Eine Demonstrantin muss eine Flagge von ihrem BMW entfernen.

Eine Demonstrantin muss eine Flagge von ihrem BMW entfernen.

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Darum gehts

  • In deutschen Städten fanden am Sonntag pro-russische Demonstrationen statt.

  • Es formierten sich auch Gegendemos mit deutlich mehr Personen.

  • Die Polizei ermittelt nun wegen verbotener Äusserungen und Fahnen.

Begleitet von Gegenprotesten haben sich am Sonntag in Frankfurt am Main und Hannover mehrere Hundert Menschen an pro-russischen Demonstrationen beteiligt. In Frankfurt marschierten nach Polizeiangaben rund 800 Demonstranten durch die Innenstadt, an zwei Gegenveranstaltungen nahmen demnach 2500 Menschen teil. In Hannover registrierte die Polizei 600 pro-russische Demonstranten – auch dort lag die Zahl der Gegendemonstranten mit 3500 deutlich höher.

Nach Angaben der Frankfurter Polizei, die mit einem Grossaufgebot vor Ort war, gelang es den Beamten weitgehend, beide Gruppen auseinanderzuhalten. Es gab aber verbale Auseinandersetzungen zwischen beiden Seiten, sagte ein Polizeisprecher. Zudem seien Tonaufnahmen angefertigt worden, da es aufgrund von Äusserungen aus den Reihen der pro-russischen Demonstranten den Anfangsverdacht der Billigung eines Angriffskriegs im Sinne des Völkerstrafrechts gebe, teilte die Polizei auf Twitter mit. Dabei sei es unter anderem um den Spruch «Donbass gehört zur Russland» gegangen. Auch die ebenfalls festgestellte Verwendung bestimmter Fahnen wie etwa die der früheren Sowjetunion stelle im Kontext des Aufzugs den Anfangsverdacht einer Straftat dar.

«Eine Schande für Deutschland»

In Hannover registrierte die Polizei 350 Fahrzeuge bei dem Autokorso, die Gegendemo mit 3500 Teilnehmern fand an anderer Stelle statt. «Bei der Gegendemo ist es sehr voll, viel mehr als erwartet», twitterte der Bundestagsabgeordnete Sven Kindler (Grüne). Der Autokorso «zur Unterstützung des russischen Angriffskrieges ist eine widerliche Verhöhnung der ukrainischen Opfer», schrieb Kindler in dem Kurzbotschaftendienst.

Bereits im Vorfeld hatte sich der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk gegen den Autokorso gewandt. «Dass dieser Autokorso in Hannover geduldet wird, ist eine Schande für Deutschland», schrieb er auf Twitter.

Bereits am Samstag hatte es pro-russische Demonstrationen in Deutschland gegeben. In Lübeck versammelten sich nach Angaben der Polizei 150 Menschen zu einer Fahrzeugkolonne mit 60 Autos. Einsatzkräfte stoppten den Autokorso allerdings wegen Verstössen gegen Auflagen wegen «der billigenden Haltung zum Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine» sowie des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Schon vor einer Woche hatten rund 900 pro-russisch eingestellte Personen in Berlin an einem Autokorso teilgenommen.  

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Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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(AFP/trx)

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