Aktualisiert 22.04.2011 09:19

Psychologische StudieProblembabys werden später oft aggressiv

Probleme mit Babys dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Oft wachsen sich frühkindliche Auffälligkeiten zu späteren Verhaltensstörungen aus.

Wenn die beiden weiterhin so schön durchschlafen, dürften sie in Zukunft auch um Verhaltensauffälligkeiten herumkommen.

Wenn die beiden weiterhin so schön durchschlafen, dürften sie in Zukunft auch um Verhaltensauffälligkeiten herumkommen.

Babys mit anhaltenden Schrei-, Schlaf- oder Essproblemen sind später häufiger verhaltensauffällig: Sie benehmen sich aggressiv und destruktiv oder sind depressiv. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Forschern der Universität Basel.

Viele Kleinkinder bringen ihre Eltern beinahe zur Verzweiflung, weil sie ständig schreien, schlecht schlafen oder nicht recht essen wollen. Forscher gehen davon aus, dass solche Probleme bei etwa jedem fünften Kind im ersten Lebensjahr übermässig sind. Häufig suchen Eltern deswegen Hilfe bei Ärzten oder Hebammen.

Forscher der Universität Basel zeigen nun gemeinsam mit Kollegen aus Deutschland und Grossbritannien, dass solche frühkindlichen Probleme verknüpft sind mit Verhaltensauffälligkeiten in der späteren Kindheit. Ihre Studie erscheint im Fachmagazin «Archives of Disease in Childhood», wie der Fachverlag BMJ Publishing mitteilte.

Diverse Störungen

Einige Studien hatten schon früher darauf hingewiesen, dass ein solcher Zusammenhang bestehen könnte, doch die Ergebnisse waren nicht eindeutig. Das Team um Mirja Hemmi vom Institut für Psychologie der Uni Basel analysierte deshalb 22 Studien aus den Jahren 1986 bis 2006 zu dem Thema.

Insgesamt waren in den Studien fast 17 000 Kinder getestet worden, wovon etwa 1900 eines oder mehrere frühkindliche Probleme hatten. Von den 22 Studien befassten sich zehn mit übermässigem Schreien in den ersten Lebensmonaten, vier mit Schlaf-, drei mit Essens- und fünf mit mehr als einem dieser Probleme.

Die später, je nach Studie im Alter von 3 bis 10 Jahren, gemessenen Verhaltensstörungen gliederten die Forscher in vier Kategorien: Internalisierende Störungen wie Ängste oder Depressionen, externalisierende Störungen wie aggressives oder destruktives Verhalten, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) und generelle Verhaltensprobleme.

Rasch eingreifen

Es zeigte sich, dass Kinder mit anhaltenden Schrei-, Schlaf- oder Essensproblemen im ersten Lebensjahr ein deutlich erhöhtes Risiko für spätere Verhaltensstörungen hatten. Am häufigsten waren aggressives und destruktives Verhalten sowie ADHS. Hatte ein Kind mehrere frühkindliche Probleme aufs Mal, lag das Risiko nochmals höher.

Viele der Problembabys kamen laut den Forschern aus Familien mit zusätzlichen Risikofaktoren für Verhaltensauffälligkeiten - etwa Geburts-, Beziehungs- oder psychosozialen Problemen. Problembabys aus solchen Familien sind besonders häufig verhaltensauffällig in der späteren Kindheit.

Die Studienautoren schliessen aus ihrer Analyse, dass frühkindliche Probleme nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollten. Nötig seien präventive Massnahmen und rasche Hilfe. Mehrere Studien hätten zum Beispiel gezeigt, dass sich die Symptome verbesserten, wenn die Eltern ihr Verhalten anpassten. (sda)

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