Aktualisiert 12.03.2011 22:37

Erdbeben in Japan

Probleme auch an drittem Reaktor

Nach der Explosion im Atomkraftwerk Fukushima droht immer noch eine Kernschmelze. Offenbar ist bereits Strahlung ausgetreten. Jetzt melden bereits drei Reaktoren Probleme.

Die Situation am Samstagmorgen

Am Tag nach dem schweren Erdbeben in Japan zeigt sich nach und nach, welch gewaltige Zerstörungen das Beben und der nachfolgende Tsunami angerichtet haben. Gegen 800 Menschen galten als vermisst. Die Behörden meldeten bisher über 600 Tote.

In Spitälern wurden mehr als 1100 Verletzte behandelt, wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Polizei berichtete. Etwa 215 000 Menschen verloren ihr Zuhause und wurden in Notunterkünften untergebracht.

Häuser wie Spielzeug mitgerissen

Die Polizei teilte mit, allein entlang der Küste der Stadt Sendai seien 200 bis 300 Leichen entdeckt worden. Weil die Zufahrtsstrassen zerstört seien, hätten Rettungskräfte jedoch bislang nicht zum Küstenstreifen vordringen können.

Auf Luftaufnahmen war zu sehen, wie Helikopter der Armee mit Leinen verzweifelte Menschen von Dächern und aus Hausruinen bargen. Soldaten wurden für die Rettung von Überlebenden mobilisiert.

Der verheerende Tsunami hatte bis weit ins Land hinein Schiffe, Häuser, Autos und Menschen wie Spielzeug mitgerissen. Raffinerien brannten, noch immer stiegen dicke Rauchsäulen in den Himmel. Zahlreiche Städte und Dörfer entlang eines 2100 Kilometer langen Küstenabschnitts waren betroffen.

Angst vor atomarer Katastrophe

Schwere Störfälle in zwei Atomanlagen in der Präfektur Fukushima lösten Angst vor einer atomaren Katastrophe aus. Zehntausende mussten ihre Häuser im Umkreis der Kernkraftwerke verlassen. Die Regierung trat zu einer Krisensitzung zusammen.

Der Tsunami hatte die Kühlsysteme der Reaktoren beschädigt. In beiden Werken drohte damit nach Einschätzung von Experten der Austritt von Radioaktivität und im Extremfall eine Kernschmelze. Daher ordnete die Regierung an, den Druck in den Reaktorgebäuden kontrolliert abzulassen.

Die Betreiber der Anlage teilten am Samstag mit, dass beim Ablassen des Drucks eine geringe Menge Radioaktivität freigesetzt worden sei. Das Unternehmen rief die Menschen auf, Strom zu sparen. Nicht nur in den Katastrophengebieten drohten wegen der beschädigten Stromanlagen Ausfälle.

Angst im Pazifikraum

Die auf das Beben folgende riesige Flutwelle erreichte in Japan eine Höhe von sieben Metern. Der Tsunami versetzte die Menschen im gesamten Pazifikraum in Angst. Zehntausende wurden in Sicherheit gebracht. Die befürchteten Schäden blieben aber grösstenteils aus.

An Kaliforniens Küste gab es Schäden an Hafenanlagen und Booten. In Crescent City im Norden des Bundesstaates waren die Wellen zwei Meter hoch. Ein junger Mann wurde in der Nähe der Ortschaft von der Welle mitgerissen und ertrank.

Vorübergehender Ausnahmezustand herrschte auch an der Westküste Lateinamerikas. In Chile stürzte ein Schaulustiger zu Tode, der von einem Felsen an der Küste den Tsunami beobachten wollte.

Grössere Tsunamiwellen überschwemmten mehrere Inselgruppen im Südpazifik. Auf Tonga wurden laut Polizei mehrere Häuser überflutet, aber niemand wurde verletzt.

Beben mit Stärke 8,9

Das Erdbeben der Stärke 8,9 ereignete sich am Freitag um 14.46 Uhr Ortszeit in zehn Kilometern Tiefe, rund 125 Kilometer vor der Ostküste Japans. Am Samstag kam es dann zu mehreren Nachbeben. (dapd)

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