Drogenszene Chur - Probleme mit «Base»-Konsumenten schwer zu lösen
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Drogenszene Chur Probleme mit «Base»-Konsumenten schwer zu lösen

Der Stadtpark Chur ist für viele Personen wegen der offenen Drogenszene eine sogenannte «No-Go-Area». Ein Konsumraum könnte das Problem lindern; doch noch ist so ein Raum Wunschdenken.

von
Shila Ochsner
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Im Stadtpark in Chur trifft sich die Drogenszene Chur. Hier werden öffentlich Drogen konsumiert. Dies ist der Stadt schon lange ein Dorn im Auge.

Im Stadtpark in Chur trifft sich die Drogenszene Chur. Hier werden öffentlich Drogen konsumiert. Dies ist der Stadt schon lange ein Dorn im Auge.

Sybil Ulrich
Als Lösung schlägt die Stadt Chur einen Konsumraum für Betroffene vor. Der Kanton will das Problem jedoch anders angehen. 

Als Lösung schlägt die Stadt Chur einen Konsumraum für Betroffene vor. Der Kanton will das Problem jedoch anders angehen.

Sybil Ulrich
Die Kantonspolizei Graubünden führt regelmässig Kontrollen im Stadtpark durch und beobachtet die dortige Situation genau. Sie beurteilt diese als stabil.

Die Kantonspolizei Graubünden führt regelmässig Kontrollen im Stadtpark durch und beobachtet die dortige Situation genau. Sie beurteilt diese als stabil.

Sybil Ulrich

Darum gehts:

  • Die offene Drogenszene im Churer Stadtpark erhitzt die Gemüter.

  • Um dem Problem Abhilfe zu schaffen, soll ein Konsumraum her.

  • Doch kurzfristig kann wohl keiner geschaffen werden.

  • Deshalb unterstützen vermehrt Freiwillige und Sozialarbeiterinnen und -arbeiter die Drogenkonsumierenden.

Im Stadtpark in Chur konsumieren tagsüber an die 100 Personen offen Kokain und Heroin und viele rauchen sogenanntes «Base» (siehe Box). Regelmässig kommen Dealerinnen und Dealer vorbei und verkaufen ihren Stoff. Die Einheimischen getrauen sich daher schon gar nicht mehr, den Park zu betreten. Wenn der Park um 23 Uhr schliesst, verteilten sich die Konsumentinnen und Konsumenten in der Stadt und machen Lärm und Ärger, wie eine News-Scout 20 Minuten berichtet.

Konsumraum als Lösungsvorschlag

Die Probleme sind der Stadt schon lange ein Dorn im Auge. Stadtrat Patrik Degiacomi möchte deshalb einen Konsumraum errichten lassen, in dem Süchtige ihre Substanzen in Ruhe konsumieren können. Doch der Kanton Graubünden unterstützt dieses Vorhaben derzeit nicht. Ein Konsumraum würde jährlich 500’000 Franken zusätzliche Kosten verursachen, wie die Südostschweiz schreibt. Für Degiacomi ist ein solcher Raum der einzige Ausweg. Der Drogenkonsum wäre in einem Konsumraum hygienischer und die Behörden hätten einen besseren Überblick. Doch der Kanton möchte andere Angebote fördern: «Ein Konsumraum allein löst das Problem noch nicht», sagt Regierungsrat Marcus Caduff gegenüber SRF.

Hilfe unterwegs

Eines dieser Angebote, welche der Kanton fördern möchte, sind die Streetworkerinnen und Streetworker der Überlebenshilfe Graubünden. Ihre Tätigkeiten passen die Sozialarbeitenden den Bedürfnissen der Betroffenen an. So unterstützen sie etwa folgende Bereiche: Beratungen, Begleitungen, Soforthilfe, Wundversorgung, Spritzentausch und Vermittlungen.

Der Verein stellt ausserdem eine Kontakt- und Anlaufstelle ohne Konsumraum und acht Notschlafplätze zur Verfügung und bietet in der Gassenküche Frühstück, Mittag- und Abendessen an. «Es kommen täglich zwischen 20 und 30 verschiedene Klientinnen und Klienten», sagt Betriebsleiter Carlo Schneiter.

Was ist «Base»?

«Freebase» ist chemisch verarbeitetes Kokain und hat ähnlich wie Crack eine intensive Wirkung. Wenn man die kleinen weissen «Steine» raucht, merkt man schon nach wenigen Minuten einen sehr starken Rausch und spürt eine Euphorie. Bereits nach zehn bis 15 Minuten lässt die Wirkung nach. Der Konsum kann zu einer schweren psychischen Abhängigkeit führen. Lungenschäden, depressive oder wahnhafte Psychosen sind die Folgen, die daraus entstehen, und im schlimmsten Fall kann es zu Atem- und Herzstillstand und zum Tod kommen.

Gute Fee

Neben der Überlebenshilfe nimmt sich Sybil Ulrich den Personen aus der Szene an. Sie hat sich als Ernährungs- und Peercoach selbständig gemacht und organisiert seit letzter Woche täglich Essen für die Drogenkonsumierenden im Stadtpark. «Eine richtige Ernährung kann so viel helfen», sagt die 57-Jährige.

Ausserdem hilft sie den Betroffenen gemeinsam mit einer Webdesignerin und einem Fotografen bei der Eingliederung in die Berufswelt. Diesen Monat suchten bereits vier Personen um ihre Hilfe an. «Ich bin zuversichtlich. Es sind oft sehr intelligente Menschen», sagt Ulrich. Sie hofft, dass sie bald eine Beschäftigung und ärztliche Hilfe finden.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Problem mit illegalen Drogen?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Infodrog, Information und Substanzwarnungen

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