Prodis Ministerinnen provozieren Papst
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Prodis Ministerinnen provozieren Papst

Noch nicht einmal vom Parlament bestätigt, haben drei Ministerinnen der neuen italienischen Regierung den Vatikan verärgert.

Regierungschef Romano Prodi erteilte darauf den Ministerinnen Rosy Bindi, Livia Turco und Emma Bonino einen Rüffel.

«Minister sollen keine Meinungen äussern, sondern Entscheidungen weitergeben», sagte Prodi am Dienstag in Rom. Er betonte, sein Kabinett habe sich entschieden, «ernsthaft» zu regieren, und dies bedeute, dass es erst nach getaner Arbeit reden werde.

Zuvor hatten die drei Ministerinnen des Mitte-Links-Kabinetts mit Äusserungen zu den Themen Schwangerschaftsunterbrechung, Homo- Ehe sowie Europas christliche Wurzeln beim Vatikan für Empörung gesorgt.

Gesundheitsministerin Turco hatte die Einführung der Abtreibungspille RU 486 in Italien befürwortet. Die Ministerin ohne Geschäftsbereich Bindi, die künftig das Familienressort leiten soll, sprach sich für die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und eine Revision des Gesetzes über die künstliche Befruchtung aus.

Die künftige Europaministerin Bonino wiederum wandte sich gegen die Berufung auf das christliche Erbe in der EU-Verfassung. Zu allen drei Punkten stellten sie sich damit klar gegen die Position des Vatikans.

So hat Papst Benedikt XVI. wiederholt darauf gepocht, einen christlichen Bezug in der europäische Grundcharta zu verankern. Die amtliche Vatikan-Zeitung «Osservatore Romano» verurteilte denn auch die Äusserungen der Ministerinnen prompt.

Prodi muss Vatikan ruhig halten

Prodi, dem an einer Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche nicht gelegen sein kann, will Anfang Juni mit seinen Ministern in Klausur gehen, um eine «Prioritätenliste» ihrer künftigen Politik zu erarbeiten.

Vor Aufnahme der Amtsgeschäfte mussten sich Prodi und seine Regierung noch am Dienstag noch dem Vertrauensvotum im Abgeordnetenhaus stellen. Dort hat die Mitte-Links-Koalition eine komfortable Mehrheit. Am Freitag hatte die Regierung überraschend klar die Vertrauensabstimmung im Senat gewonnen.

(sda)

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