12.01.2018 14:03

Lauberhornrennen«Produktion hängt zu 100 Prozent von der SRG ab»

OK-Chef Urs Näpflin ist sich sicher: Wird die No-Billag-Initiative angenommen, sind die Lauberhornrennen in der heutigen Form in Gefahr.

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Spektakel im Berner Oberland: Die Lauberhornrennen sind ein Publikumsmagnet.

Spektakel im Berner Oberland: Die Lauberhornrennen sind ein Publikumsmagnet.

AP/Alessandro Trovati
Seit 1960 ist die SRG für die Produktion zuständig. 2018 werden die Abfahrer während der 4,5 Kilometer langen Fahrt von 23 Kameras begleitet.

Seit 1960 ist die SRG für die Produktion zuständig. 2018 werden die Abfahrer während der 4,5 Kilometer langen Fahrt von 23 Kameras begleitet.

Keystone/Jean-christophe Bott
Roland Mägerle, Leiter SRF Sport und Business Unit Sport SRG, spricht von einem Sportjahr mit einigen Highlights. Doch klar ist: Der SRG bietet sich im Vorfeld der No-Billag-Abstimmung eine  Chance, beim TV-Publikum zu punkten.

Roland Mägerle, Leiter SRF Sport und Business Unit Sport SRG, spricht von einem Sportjahr mit einigen Highlights. Doch klar ist: Der SRG bietet sich im Vorfeld der No-Billag-Abstimmung eine Chance, beim TV-Publikum zu punkten.

Keystone/Walter Bieri

Die Angst innerhalb des Organisationskomitees sei gross, OK-Chef Urs Näpflin hegt gar «allergrösste Bedenken». Sollte das Stimmvolk die No-Billag-Initiative Anfang März annehmen, würden die Lauberhornrennen in ihrer heutigen Form wohl von den Bildschirmen verschwinden. «Einen Plan B gibt es nicht», sagt Näpflin. Als Alternative nennt er eine «Low-Budget-Produktion mit drei oder vier Kameras».

Auf diesem Weg würde der Traditionsanlass massiv an Strahlkraft und Wert verlieren. «Wir sind auf eine solche Produktion angewiesen. Und die hängt zu 100 Prozent von der SRG ab.» Als Beispiel nennt der OK-Chef die Jungfraubahnen, die jährlich 1,7 Mio. Franken «investieren». «Wenn die Plattform nicht mehr garantiert ist, dann stimmt der Gegenwert nicht mehr.»

Auch für das Gebiet ist die Übertragung der Rennen in der heutigen Form enorm wichtig. «Es gibt keinen Anlass in der Region mit einer vergleichbaren medialen Präsenz», sagt André Wellig von Jungfrau-Region Tourismus.

23 Kameras im Einsatz

Seit 1960 ist die SRG für die Produktion zuständig. 2015 schalteten schweizweit durchschnittlich 1,2 Millionen TV-Konsumenten ein, 2016 war es eine Million. 2017 fand die Abfahrt nicht statt. Die SRG produziert das Weltsignal und sorgt dafür, dass der Klassiker nicht nur in der Schweiz zu sehen ist, sondern auch in den USA oder in Japan.

Um den Zuschauerinnen und Zuschauern ein Rundumspektakel zu bieten, werden am Berg, im Zielraum und in Lauterbrunnen über zehn Tonnen Material auf- und wieder abgebaut. Wenn sich die Abfahrtskönige am Samstag vor der imposanten Bergkulisse duellieren, werden sie von 23 Kameras begleitet.

SRG kann punkten

Wengen ist ein Zuschauermagnet. Im Hinblick auf die Abstimmung von Anfang März bietet sich der SRG die Chance, beim TV-Publikum zu punkten. Bis dahin dürfte kein anderer Sport-Event so viele Zuschauerinnen und Zuschauer auf einmal vor den Bildschirm locken. Die Skirennen während der Olympischen Spiele finden mitten in der Nacht (Schweizer Zeit) statt.

«Carlo Janka, sind Sie ein medizinisches Wunder?»

Nur drei Monate nach seinem Kreuzbandriss will Carlo Janka in Wengen an den Start gehen. Und Beat Feuz will den Sieg am Lauberhorn. (Video: Tamedia/Fabian Sangines)

Eine ausserordentliche Bedeutung will Roland Mägerle, Leiter SRF Sport und Business Unit Sport SRG, den 88. Lauberhornrennen jedoch nicht beimessen. «Das Jahr 2018 hält einige sportliche Highlights bereit, und die Lauberhornrennen sind sicher eines davon.»

«Der finanzielle Schaden wird recht gross sein»

Urs Näpflin spricht über den Wiederaufbau in Wengen. (Video: Tamedia/Fabian Sangines)

Wie der Abfahrtsklassiker aussehen könnte, sollte die Initiative angenommen werden, darüber will Mägerle nicht mutmassen. «Bei Annahme der Initiative hat die SRG ihren Leistungsauftrag noch bis zum 31. Dezember 2018 zu erfüllen. Da die nächsten Lauberhornrennen erst wieder im Jahr 2019 stattfinden, kann Stand heute nicht beurteilt werden, was mit der Produktion und Ausstrahlung passieren würde.»

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