Kritik an Uni Zürich: Professoren schalten Protest-Inserat in Zeitung
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Kritik an Uni ZürichProfessoren schalten Protest-Inserat in Zeitung

Rund 600 Akademiker kritisieren in einem Inserat die Entlassung von Prof. Dr. Iris Ritzmann. Sie wird verdächtigt, Daten im Fall Mörgeli den Medien zugespielt zu haben.

von
woz

Iris Ritzmann im Interview mit 20 Minuten.

Wie angekündigt haben 286 Universitätsprofessoren sowie über 300 weitere Akademiker ein Protest-Inserat in der NZZ geschaltet. Sie prangern die Entlassung der Professorin Iris Ritzmann an. «Wir können nicht nachvollziehen, wie die Universität Zürich eine so verdiente und hoch angesehene Wissenschaftlerin entlassen konnte.»

Die stellvertretende Direktorin des medizinhistorischen Instituts (MHIZ) und Museums ist wegen des Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung im Fall Mörgeli seit einem Jahr freigestellt, nachdem sie und ihr Mann die Nacht auf den 15. November 2012 in U-Haft verbracht hatten. Ritzmann soll vertrauliche Informationen und ihren persönlichen Log-in an Journalisten weitergeben haben.

«Wissenschaft der Politik unterordnet»

Die Uniprofessoren stehen trotzdem hinter der renommierten Wissenschaftlerin. «Die Vorwürfe, die nun offenbar zur Entlassung von Prof. Ritzmann geführt haben, sind in keiner Weise auch nur annähernd gewichtig genug, um die Entlassung einer Professorin zu rechtfertigen.» Das Opfer sei viel grösser, als die Universität meine, heisst es im Inserat weiter. «Hier wird nicht nur eine angesehene Professorin entlassen, hier wird die Wissenschaft der Politik untergeordnet.»

Mörgeli: Schadet oder nützt ihm die Medienpräsenz?

Die Professoren haben drei Forderungen an die Uni:

• Prof. Dr. Iris Ritzmann wieder als Wissenschaftlerin an der Universität Zürich anzustellen, und zwar in einer Funktion, in der sie ihrer wissenschaftlichen Arbeit in vollem Umfang nachgehen kann.

• Die langjährigen Missstände am MHIZ zu untersuchen und mit allen nötigen Dokumenten öffentlich bekannt zu machen.

• Die Öffentlichkeit darüber aufzuklären, ob der Staatsanwaltschaft tatsächlich Metadaten von E-Mail-Verkehr und Telefonkontakten von Universitätsangehörigen zugänglich gemacht wurden, und zu erklären, inwiefern dies rechtens und verhältnismässig ist.

Ritzmann begrüsst Fischers Rücktritt

Die Professoren anerkennen zwar den Rücktritt des Rektors Andreas Fischer. Jedoch sei noch keine der erwähnten Forderungen umgesetzt worden.

Im Interview mit 20 Minuten begrüsst Ritzmann Fischers Rücktritt. «Ich bin sehr erleichtert, dass man jetzt genau aufarbeiten will, wie es zu meiner Kündigung gekommen ist.»

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