Games und Drogen: «Profi-Gamer sind alle gedopt»
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Games und Drogen«Profi-Gamer sind alle gedopt»

Ein Gamer hat zugegeben, an einem Turnier das Psychostimulans Adderall genommen zu haben. Doping ist bei E-Sportlern weitverbreitet.

von
Ill-FiL
Doping im E-Sport: Um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern, greifen Profi-Gamer vermehrt zu an sich verbotenen Substanzen. (Symbolbild)

Doping im E-Sport: Um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern, greifen Profi-Gamer vermehrt zu an sich verbotenen Substanzen. (Symbolbild)

Längst sind die wichtigen Game-Turniere zu riesigen Events geworden, bei denen teils um Preisgelder in mehrfacher Millionenhöhe gespielt wird. Im Kampf um Sieg und lukrative Sponsoringverträge greifen anscheinend immer mehr Profigamer zu Aufputsch- und anderen leistungssteigernden Mitteln.

Eigentlich eine logische Entwicklung, denn wo es um viel Geld geht, ist die Verlockung gross, auf Hilfsmittel zur Leistungssteigerung zurückzugreifen. So beispielsweise am diesjährigen ESL-One-Turnier (E-Sport-Liga) im polnischen Katowice: Wie ein Pro-Gamer jetzt in einem Interview zugegeben hat, wird auf höchstem Game-Niveau anscheinend gleich teamweise gedopt. «Wir sind alle auf Adderall», berichtet der Kanadier Kory «Semphis» Friesen, der am grossen «Counter Strike»-Turnier in Polen teilgenommen hat.

Hacking ist unfair, Doping egal

Friesen, der in seiner Gamer-Karriere bisher knapp 30'000 Franken an Turnieren gewonnen hat, spielt die beiden Egoshooter «Counter Strike» und «Counter Strike: Global Offensive». Interessant an dem Interview ist, dass Friesen über Doping im E-Sport spricht, als wäre es das Natürlichste der Welt. Zumindest scheint Friesen (und wohl auch alle anderen Turnier-Gamer) kein Problem damit zu haben, dass Spieler bei der Ausübung ihrer Sportart leistungssteigernde Substanzen zu sich nehmen.

Das Interview ist deshalb bemerkenswert, da es bisher zwar immer wieder Hinweise auf Doping in der E-Sport-Szene gegeben hat. So bereitwillig und offen wie Friesen hat aber noch kein Game-Profi über das Thema Auskunft gegeben.

Interessant ist auch, dass sich bisher noch niemand über Doping im E-Sport-Bereich aufgeregt hat, geschweige denn etwas dagegen zu unternehmen versucht. Wenn über unlauteren Wettbewerb in der Szene diskutiert wird, dann geht es eigentlich immer nur um Hacks oder Cheats, nicht aber um den Konsum von Mitteln, die die Leistung beeinflussen. Oder anders formuliert: Die eigene Game-Figur darf nicht gedopt werden, wohl aber der Spieler, der sie steuert.

Regeln ja, Kontrollen nein

Denn die Regeln der ESL verbieten zwar offiziell jede Art von Doping und drohen bei Zuwiderhandlung mit dem Ausschluss von den Turnieren. Aber was nützt ein derartiges Regelwerk, wenn keine Kontrollen durchgeführt werden?

Obwohl gemäss Friesen alle in seinem Team gedopt waren, ist seine Mannschaft in Katowice bereits in der Gruppenphase ausgeschieden.

(Foto: Flickr/hipsxxhearts)

Hollywood-Droge Adderall:

Das Medikament Adderall wird eigentlich zur Behandlung von Menschen mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätsstörung) eingesetzt. Es hat in den letzten Jahren das Medikament Ritalin ersetzt. Beide Substanzen hemmen Hunger und verbessern die Konzentration. Adderall soll die Konzentration während bis zu neun Stunden erhöhen. Um schlank zu bleiben und lange Drehzeiten zu überstehen, greifen auch Hollywoodstars zu der Droge.

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