13.12.2018 08:30

Urheberrecht

Profitiert Netflix vom Zoff um Replay-TV?

Am Donnerstag entscheidet der Nationalrat, ob Werbung im zeitversetzten Fernsehen auch zukünftig überspult werden darf. Wir haben die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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dk/anp
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TV-Verbreiter wie Swisscom, Zattoo oder Teleboy zeichnen das gesamte Programm von Sendern wie SRF, RTL oder 3+ auf und stellen es den Abonnenten auf Abruf zur Verfügung. Damit kann Werbung überspult werden.

TV-Verbreiter wie Swisscom, Zattoo oder Teleboy zeichnen das gesamte Programm von Sendern wie SRF, RTL oder 3+ auf und stellen es den Abonnenten auf Abruf zur Verfügung. Damit kann Werbung überspult werden.

iStock/Franckreporter
Die Fernsehstationen klagen, dass ihnen durch übersprungene Werbung Einnahmen in Millionenhöhe entgingen.

Die Fernsehstationen klagen, dass ihnen durch übersprungene Werbung Einnahmen in Millionenhöhe entgingen.

Keystone/Walter Bieri
Dank dieser Funktion können einzelne Werbespots oder auch ganze Werbeblöcke überspult werden. Der Verband IRF, der unter anderem TV-Anbieter wie SRG, RTL oder Prosieben vertritt, wurde  beim Parlament vorstellig, weil dadurch Werbeerlöse verloren gehen – und fand Gehör.

Dank dieser Funktion können einzelne Werbespots oder auch ganze Werbeblöcke überspult werden. Der Verband IRF, der unter anderem TV-Anbieter wie SRG, RTL oder Prosieben vertritt, wurde beim Parlament vorstellig, weil dadurch Werbeerlöse verloren gehen – und fand Gehör.

Keystone/Gaetan Bally

Darum geht es

Das zeitversetzte Fernsehen – auch Replay-TV genannt – ermöglicht es dem Zuschauer, einen TV-Beitrag bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anzuschauen. TV-Verbreiter wie Swisscom, Zattoo oder Teleboy zeichnen das gesamte Programm von Sendern wie SRF, RTL oder 3+ auf und stellen es den Abonnenten auf Abruf zur Verfügung. Dank dieser Funktion können einzelne Werbespots oder auch ganze Werbeblöcke überspult werden. Über zwei Millionen Schweizer Haushalte nutzen diese Möglichkeit laut Zahlen der Interessengemeinschaft Radio und Fernsehen (IRF) bereits. Das sorgt für Zoff zwischen den TV-Sendern und den Verbreitern.

Das soll sich jetzt ändern

Der Verband IRF, der unter anderem TV-Anbieter wie SRG, RTL oder Prosieben vertritt, wurde beim Parlament vorstellig, weil dadurch Werbeerlöse verloren gehen – und fand Gehör. Im Rahmen der Revision des Urheberrechts debattiert am Donnerstag der Nationalrat über eine Einschränkung der Spul-Funktion. Gemäss dem Vorschlag der nationalrätlichen Rechtskommission soll das Überspulen von Werbung weiterhin erlaubt sein.

Jedoch hätten TV-Sender in Zukunft das Recht, den Anbietern von Replay-TV-Funktionen das Überspringen von Werbung zu verbieten. Eine vertragliche Einigung zwischen Sender und Verbreiter könnte dies jedoch abwenden.

Für den Konsumentenschutz ist bereits jetzt klar: Sollte der Nationalrat den Anträgen der Rechtskommission folgen, würde er das Referendum ergreifen.

Das sagen die TV-Sender

Die Fernsehstationen klagen, dass ihnen durch übersprungene Werbung Einnahmen in Millionenhöhe entgingen. «Für das Jahr 2017 beträgt der Schaden durch überspulte Werbung 110 Millionen Franken. Die Sender erhalten aber nur 9,7 Millionen Franken», sagt Andrea Werner, Geschäftsführerin der Interessengemeinschaft Radio und Fernsehen. Kunden von Swisscom oder UPC könnten jederzeit über 50'000 Programmstunden abrufen – und dies gegen eine Abgeltung von nur 1.60 Franken pro Abonnent und Monat. «Das ist doch lächerlich», sagt Werder.

Sie betont aber, dass es nicht darum gehe, das Replay-TV an sich zu verbieten. «Wir wollen mit den TV-Anbietern verhandeln, um Lösungen zu finden, die es den Sendern ermöglichen, bestimmte Werbeeinnahmen zu generieren.»

Es sei daher vorstellbar, dass ein Sender vor einem Spielfilm eine oder zwei – unüberspringbare – Pre-Roll-Werbespots à 30 Sekunden zeigen würde. Im Gegenzug dafür könnte man bei Werbung, die innerhalb des Sendeformats läuft, weiterhin problemlos vorspulen. «Wir wissen: Wenn wir im Replay-TV zu viel Werbung zeigen, würde der Kunde abspringen. Die Sender werden im eigenen Interessen sehr sensitiv mit diesem Thema umgehen.»

Das sagen die TV-Verbreiter

Der Schweizerische Verband der Streaming-Anbieter Swissstream, der die Interessen der Anbieter von Replay-TV-Angeboten vertritt, befürchtet steigende Preise für digitale TV-Angebote. Dies, weil die Fernsehstationen eine Entschädigung für das Weiterspulen der Werbung verlangen würden. «Der Kunde müsste bei Annahme der Gesetzesrevision eine substantielle Preiserhöhung für sein TV-Abo in Kauf nehmen», sagt Alexander Schmid, Geschäftsführer von Swissstream.

Wieso die Fernsehstationen eine solch konsumentenfeindliche Gesetzesvorlage durch das Parlament boxen wollen, wisse er auch nicht: «Schliesslich ist Replay-TV mit ein Grund, wieso Fernsehen überhaupt noch attraktiv ist.» Zudem würden Sender schon jetzt entschädigt: «Erst letztes Jahr zahlten unsere Mitglieder für die Nutzung von Replay-TV 38 Millionen Franken an die Verwertungsgesellschaften. Ein Teil dieser Beträge wird auch an die Sender ausgeschüttet.»

Würden TV-Angebote wie Netflix oder Amazon Prime profitieren?

Darüber sind sich die Player uneinig. «Schlussendlich führt das Verbot dazu, dass die Attraktivität des Fernsehens abnimmt und daher preislich und inhaltlich attraktive Angebote von Netflix oder Amazon stärker wachsen werden und illegale Streaming-Angebote genutzt werden», sagt Alexander Schmid von Swissstream.

Andrea Werder von der IRF widerspricht: «Niemand würde wegzappen, wenn vor einer Sendung wie ‹10 vor 10› zwei kurze Werbespots gezeigt würden.» Natürlich sei aber die Bereitschaft, Werbung anzusehen, bei Replay-TV-Konsumenten tiefer. In einer Pilotphase soll deshalb eruiert werden, wie viel und welche Arten von Werbung der Konsument akzeptiert.

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