Nach positivem Coronavirus-Test: Profitiert Donald Trump politisch von seiner Erkrankung?
Aktualisiert

Nach positivem Coronavirus-TestProfitiert Donald Trump politisch von seiner Erkrankung?

Was bedeutet die Infektion von Donald Trump mit dem Coronavirus für den Wahlkampf? Immerhin sind es nur noch gut 30 Tage bis zur Präsidentenwahl vom 3. November. Experten zur US-Politik beantworten die wichtigsten Fragen.

von
Ann Guenter

Während der ersten TV-Debatte in Cleveland machte sich US-Präsident Donald Trump über seinen Herausforderer Joe Biden lustig. Im Gegensatz zu Trump trägt der Demokrat in der Öffentlichkeit konsequent eine Maske.

Darum gehts

  • US-Präsident Donald Trump und seine Melania sind an Covid erkrankt.
  • Das führt vier Wochen vor den Wahlen zu einer nie dagewesenen Situation.
  • Wie wirkt sich Trumps Krankheit auf den Wahlkampf aus?
  • Der deutsche Politologe Stephan Bierling und der Schweizer Politologe Louis Perron antworten.

US-Präsident Donald Trump wird während seiner Zeit in der Quarantäne er will diese im Weissen Haus verbringen keine Wahlkampfauftritte wahrnehmen können. Auch ob er an der nächsten, auf den 15. Oktober geplanten TV-Debatte teilnehmen kann, steht in den Sternen. Sollte es sein Gesundheitszustand zulassen, könnte Trump die Debatte virtuell führen, schreibt der «Guardian». Doch: Nach der chaotischen ersten TV-Debatte, «könnte es aber auch ein Segen für alle sein, wenn gar keine Debatte mehr stattfinden würde».

Was bedeutet Trumps Viruserkrankung für den Wahlkampf - immerhin sind es nur noch gut 30 Tage bis zur Präsidentenwahl vom 3. November? Die Politologen Stephan Bierling von der Uni Regensburg und Louis Perron von Perron Campaigns sind sich einig: «Diese Entwicklung hat den US-Wahlkampf total auf den Kopf gestellt».

Wird das Weisse Haus wahrheitsgemäss informieren?

Vieles hängt jetzt von Trumps Krankheitsverlauf ab – wobei Perron einwendet: «In den nächsten Tagen und Wochen wird es interessant zu sehen, wie das Weisse Haus über den Krankheitsverlauf Trumps und der First Lady informieren wird. Der Verdacht ist durchaus berechtigt, dass der Krankheitsverlauf offiziell harmloser dargestellt wird, als es tatsächlich der Fall ist.»

Wird Donald Trump die Krankheit herunterspielen?

Sollte Trumps Krankheit asymptomatisch verlaufen, so befürchten namhafte amerikanische Ärzte, könnte der US-Präsident versucht sein, die Gefahr des Virus wie in den letzten sechs Monaten herunterzuspielen. «Trump könnte dies tatsächlich versuchen, es wäre typisch für ihn», sagt US-Experte Bierling. «Doch derzeit überdeckt diese Nachricht einfach alles, dagegen kann er nichts tun.»

Profitiert Trump gar noch von der Erkrankung?

Beide Politologen sprechen den britischen Premierminister Boris Johnson an. Nach Bekanntwerden seiner Covid-Erkrankung im April stiegen dessen Popularitätswerte kurzfristig. Könnte auch Trump von einem solchen Effekt profitieren? Das sei eher unwahrscheinlich, aber nicht auszuschliessen, sagt Louis Perron.

«Ich kann mir nicht vorstellen, dass Trump von der Erkrankung politisch profitiert, so wie es bei Boris Johnson der Fall war», sagt dagegen Bierling. Zu lange habe der US-Präsident keine Empathie mit den Covid-Opfern im eigenen Land gezeigt. «‹Es ist, wie es ist›, sagte er nur lapidar über 200’000 Tote. Johnson änderte nach seiner Erkrankung den Kurs, führte strikte Massnahmen ein und verfolgte fortan eine konsistente Linie. Das wird bei Trump und den Republikanern nicht geschehen: Fehlereingeständnisse und Kurskorrekturen gibt es in Trumps Welt nicht und wird es wohl auch nie geben.»

Was sind Auswirkungen auf den Wahlkampf?

«Die Krise betrifft nun viele Stellen und Personen: Das Weisse Haus, das jetzt ein Corona-Hotspot ist, den amerikanischen Vizepräsidenten, der zusammen mit dem demokratischen Herausforderer Joe Biden zur Risikogruppe zählt. Und die gesamte Wahlkampfstrategie Trumps, die ganz auf grosse Wahl-Events baute, die jetzt bis auf weiteres nicht mehr möglich sind», sagt Perron.

«Sollte Trump weiterhin asymptomatisch bleiben, könnte er möglicherweise am 22. Oktober an der dritten Debatte in Nashville teilnehmen - doch die vorherige Debatte sowie grosse öffentliche Wahlkampfauftritte fallen für ihn wahrscheinlich aus», so Politologe Bierling. «Sollten Debatten und Wahlkampf-Events aber komplett ausfallen, wäre das für Trump eine weitere Schwächung. Er liegt national und in den Swing States
kontinuierlich hinter Biden und müsste jetzt jedes Kaninchen aus dem Hut zaubern, das er hat. Ohne Massenveranstaltungen verliert Trump die Hälfte seiner Wirkung, jetzt kann er nur noch mehr twittern. Für ihn ist das ein Fiasko.»

Könnte die Krankheit Trumps Wahl kosten?

«Er hat bereits früher so viele Fehler gemacht, dass er schon vor seiner Erkrankung nur mehr Aussenseiterchancen hatte», sagt Bierling. «So spricht er weiterhin allein seine Kernwählerschaft an, ohne
um neue Wähler zu werben. Die Covid-Krise hat er mit miserablem Management verschlimmert. Durch seine Infektion führt er den Amerikanern erst recht vor Augen, wie fahrlässig er mit diesem Virus immer umging.» Viele Amerikaner würden sich jetzt bestimmt fragen, wie sorglos der Präsident denn mit ihnen umgehe, wie Trump sie denn beschützen könne, wenn er sich nicht mal selbst zu schützen vermöge. «Die Erkrankung ist eine katastrophale Botschaft nach aussen und zeigt vor allem eins, was Trump am meisten verabscheut: Schwäche.»

Trump habe das Virus stets als nichts Besonderes abgetan, jetzt aber sei das Kartenhaus zusammengebrochen - und der US-Präsident könnte sogar noch andere Personen angesteckt haben, so Bierling weiter. «Und das alles ausgerechnet in den letzten vier Wochen des Wahlkampfes, die als besonders wichtig gelten. Kommt dazu, dass Trumps Erkrankung nun die Linie der Demokraten bezüglich des Virus noch stärkt und glaubhafter gemacht hat.»

Ähnlich klingt es bei Perron. Die Botschaft des US-Präsidenten, wonach die Coronakrise mehrheitlich überstanden sei, habe sich jetzt ins Gegenteil gekehrt, sagt er. «Diese Krise ist jetzt wieder Thema Nummer 1 im Wahlkampf.» Mehr noch: «Jetzt hat die Krise ein neues Gesicht erhalten: ausgerechnet Donald Trump.»

Könnten die Wahlen gar verschoben werden?

Politologe Perron geht nicht davon aus: «Die Wahlen legal zu verschieben, ist nicht so einfach, die Möglichkeiten dafür sind beschränkt.» Das sieht auch Politologe Bierling so. Sollte der Präsident vom Kabinett für handlungsunfährig erklärt werden, gebe es einen festgelegten Ablauf zu seiner Nachfolge. In diesem Fall würde Vize Mike Pence als US-Präsident amten. Er wäre es auch, den die republikanische Partei mit hoher Wahrscheinlichkeit als neuen Präsidentschaftsanwärter bestimmen würde – «auch wenn Pence nicht von allen in seiner Partei gemocht wird, allein schon, weil er nicht über Trumps Magnetismus verfügt. Aber es müsste alles sehr schnell gehen, weswegen die Republikaner kaum auf ein wenig bekanntes Gesicht setzen würden.»

Ist Schadenfreude angebracht?

«Nein, ich wünsche niemandem etwas Böses», sagt Perron. «Donald Trump hat die Pandemie nicht ernst genommen, und so kam seine Ansteckung nicht sonderlich überraschend.» Und Bierling antwortet: «Schadenfreude habe ich empfunden, als Trump letztes Jahr mit Klopapier am Schuh vor laufenden Fernsehkameras in die Air Force One, das Präsidentenflugzeug, stieg. Aber das ist eine gefährliche Krankheit, gerade für ältere, übergewichtige Männer wie Trump. Da ist Schadenfreude ein niedriger Instinkt, dem darf man auf keinen Fall nachgeben.»



Deine Meinung

488 Kommentare
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Neumann

03.10.2020, 23:16

Als meine Susi heute nicht wollte, weil sie zuwenig Luft hatte, hab ich es einfach wieder wie üblich an die Wand geklatscht. Immer an die gleiche Wand, die sieht deswegen schon ganz reliefartig aus. Aber das ist mir egal.

PCR-Test Laborantin

03.10.2020, 23:09

Wenn man 1 Million Männer mit einem Schwangerschaftstest mit einer Spezifität von 99 % testet, findet man 10'000 schwangere Männer. Der COVID-19 Test hat auch eine Spezifität von 99 %. Deshalb haben wir soooo viele Infizierte und praktisch keine Hospitalisierten und Todesfälle. Aus diesem Grund muss man sofort alle Massnahmen rückgängig machen!

Peter

03.10.2020, 23:08

Das Durchschnittsalter der Coronatoten in Europa ist 84. Das durchschnittliche Sterbealter ist 80. Das bedeutet, dass man mit Corona 4 Jahre länger lebt.