6 Millionen vererbt: Profitierte Kanton Thurgau von Familienstreit?

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6 Millionen vererbtProfitierte Kanton Thurgau von Familienstreit?

Walter Enggist vererbte dem Kanton Thurgau 6,5 Millionen. Seine Familie sah jedoch keinen Rappen. Profitierte der Kanton nur von einem Streit?

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viv/sda

So würdigte der Kanton Thurgau das Vermächtnis von Walter Enggist. (Video: Kanton TG)

Die Überraschung war gross, als der IT-Experte Walter Enggist, nach seinem Tod im Juni 2016, sein ganzes Vermögen dem Kanton Thurgau spendete. Unglaubliche 6,5 Millionen Franken bekam der Kanton, wobei eine Hälfte an die Kantonsbibliothek ging und die andere zum Amt für Archäologie. In seinem Testament schrieb der Frauenfelder: «Ich würdige damit den Beitrag des Kantons Thurgau an der Grundsteinlegung meiner Karriere.»

Doch wie das «Tagblatt» schreibt, kann die noble Geste auch in einem anderen Licht betrachtet werden: Der IT-Crack überging beim Verfassen seines Testaments nämlich seine Familie. Des Weiteren sei er weder beim Amt für Archäologie noch bei der Kantonsbibliothek als Kunde registriert gewesen und habe keine persönlichen Kontakte zu den Ämtern gehabt, sagen die Erben.

Streit in der Familie

Enggist war zwar ledig und kinderlos, hatte aber eine ältere Schwester mit drei Kindern. Diesen wird durch das verfasste Testament jeglicher Anspruch auf das Vermögen verweigert – ein Erbanteil für Geschwister ist nämlich gesetzlich nicht verpflichtend.

Dem IT-Experten war es nach seinem Tod wichtiger, dem Kanton Thurgau eine Finanzspritze zu geben als das Geld seiner Familie zu hinterlassen. Den Grund dafür soll Hansulrich Guhl kennen. Er war jahrzehntelang der Nachbar von Walter Enggist und kennt seine Familie gut. «Die Schwester hat es sich mit der Familie bereits in den 70er Jahren dermassen verkracht, dass sie sich konsequent aus dem Weg gingen», sagt Guhl gegenüber dem «Tagblatt».

Weggezogen und nie zurückgekehrt

Auslöser des Streits soll der Mann gewesen sein, in den sich die Schwester verliebte. «Mit ihm ist sie nach Deutschland gezogen und nie wieder zurückgekehrt», so Guhl weiter. Er habe sie deshalb nur als Kind und junge Frau gekannt.

Walter Enggist selbst wurde in seinem Umfeld oft als Einzelgänger beschrieben. In Frauenfeld lebte er sein Leben lang zurückgezogen. Er litt an einer chronischen Krankheit und starb im Juni 2016 im Alter von 68 Jahren. Sein enormes Vermögen verdankte Enggist seiner hohen Begabung als Informatiker. Er arbeitete bei der Firma IBM und gründete Anfang der 1980er Jahre mit einem Partner eine Softwarefirma, die Anwendungen für Banken entwickelte und bei der er bis im Jahr 2000 angestellt war.

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