Aktualisiert 06.01.2011 17:56

Golf von MexikoProfitwahn führt zur Ölpest

BP, Halliburton und Transocean seien an der verheerenden Ölkatastrophe schuld. Aus Zeit- und Geldgründen hätten sie riskante Entscheidungen getroffen, meint eine US-Kommission.

Ohne wesentliche Reformen könne sich ein solcher Zwischenfall wie die Ölpest im Golf von Mexiko wiederholen. BP, Halliburton und Transocean hätten es versäumt, sicherzustellen, dass ihre Handlungen keine Gefahr darstellten, hiess es im Schlussbericht der Untersuchungskommission der US-Regierung am Mittwoch. Hätten sie dies getan, hätte die Explosion der Bohrinsel «Deepwater Horizon» verhindert werden können, erklärte die siebenköpfige Kommission.

Die Katastrophe am 20. April 2009 sei «das Ergebnis verschiedener individueller Fehltritte und Versehen durch BP, Halliburton und Transocean», heisst es im Abschlussbericht der von US-Präsident Barack Obama eingesetzten Kommission, der am Donnerstag in Auszügen veröffentlicht wurde.

Viele der von den beteiligten Unternehmen getroffenen Entscheidungen hätten, «ob beabsichtigt oder nicht», den Firmen bedeutende Zeit- und Kostenvorteile verschafft, heisst es darin.

«Es sprudelte Öl heraus»

Sicherheitsdenken fehlte

Im Bericht werden neun einzelne Aktionen aufgelistet, die den Firmen halfen, Geld und Zeit zu sparen - ungeachtet dessen, dass weniger riskante Alternativen zur Verfügung standen. So seien etwa nicht genügend Vorrichtungen zur Stabilisierung des Bohrlochs installiert worden.

Auch hätten Verantwortliche nicht auf die Ergebnisse von Tests des Materials zur Verschliessung des Bohrlochs gewartet und Resultate von Drucktests kurz vor der Katastrophe ignoriert.

Schwache Behörden

Die Behörden wiederum seien aufgrund fehlender Autorität sowie wegen des Fehlens der nötigen Mittel und der technischen Expertise nicht in der Lage gewesen, die Katastrophe zu verhindern. Der Ko-Vorsitzende der Kommission, Floridas Ex-Senator Bob Graham sagte, die Untersuchung habe gezeigt, dass die Katastrophe vermeidbar gewesen wäre.

«Diese Katastrophe wäre wahrscheinlich nicht passiert, wenn die verantwortlichen Unternehmen vom eindeutigen Bekenntnis zu 'Sicherheit geht vor' geleitet worden wären», sagte Graham. «Und es wäre wahrscheinlich nicht passiert, wenn die zuständigen Regierungsstellen die Fähigkeit und den Willen gehabt hätten, Weltklasse-Sicherheitsstandars einzufordern.»

Versagen des Managements

«Doch die meisten der Fehler und Versehen sind auf eines zurückzuführen: einen Fehler im Management», schlussfolgert die siebenköpfige Kommission. Mit einem besseren Management bei BP, Halliburton und Transocean hätte demnach mit ziemlicher Sicherheit die Explosion verhindert werden können.

Die Kommission will ihren ganzen Untersuchungsbericht kommende Woche veröffentlichen.

Erster Bericht schonte Unternehmen

Der Schlussbericht steht im Widerspruch zu einem ersten Zwischenbericht von Anfang November. Damals hatte die Kommission BP Rückendeckung gegeben und keine Hinweise ausmachen können, dass der Konzern und seine Partner Kosten sparten und so die Sicherheitsvorkehrungen vernachlässigten.

Grösste Ölpest der Geschichte

Der britische Ölkonzern BP war der Betreiber der zu Transocean mit Sitz in Zug gehörenden Ölplattform. Der US-Konzern Halliburton war für das Versiegeln des Bohrlochs verantwortlich. Halliburton hat zugegeben, einen notwendigen Test der Zementeinfassung des Bohrlochs nicht vorgenommen zu haben. Das Unternehmen machte allerdings BP verantwortlich, die nötigen Tests nicht veranlasst zu haben.

BP erklärte zum Kommissionsbericht, es habe sich herausgestellt, dass die Katastrophe durch viele Ursachen ausgelöst worden sei und dass verschiedene Unternehmen beteiligt gewesen seien.

Bei der Explosion der Bohrinsel «Deepwater Horizon» waren elf Arbeiter ums Leben gekommen. Über Wochen flossen rund 780 Millionen Liter Öl ins Meer. Erst nach drei Monaten konnte das Leck in 1500 Metern Tiefe versiegelt werde. Es handelt sich um die grösste Ölpest in den USA. Die US-Regierung hat BP auf Schadenersatz in Milliardenhöhe verklagt. (sda)

Transocean profitiert

Die Aktien des Ölbohrplattformbetreibers Transocean haben am Donnerstag deutlich zugelegt. Nach der US-Untersuchung der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko kommen auf die beteiligten Unternehmen offenbar eher moderate Bussen zu.

Bis nach Handelsschluss stiegen die Titel um 3 Prozent auf 71 Franken. Der Gesamtmarkt gemessen am Leitindex SMI zog währenddessen lediglich um 0,21 Prozent an.

Die Untersuchungskommission der US-Regierung kommt zum Schluss, dass der Druck auf die Kostenbremse beim britischen Ölkonzern BP und seinen Partnern zu dem Unfall geführt hat. Der Bericht erwähnt mehrere riskante Aktionen von BP, Transocean und dem amerikanischen Ölfeldausrüster Halliburton.

Im Bericht wird das Verhalten der Unternehmen aber als systemisches und nicht gesellschaftsspezifisches Problem dargestellt, wie die Luzerner Kantonalbank (LUKB) hervorstreicht. Noch sei nicht bekannt, wie hoch die US-Regierung die dafür fälligen Bussen ansetze. Der Hinweis auf systemische Risiken deute jedoch auf verkraftbare Beträge hin, so die LUKB weiter.

Warnende Töne schlagen die Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) an: Mit Blick auf die als systemisch erachteten Probleme der Tiefwasser-Bohrindustrie könnten daher nun weitere Reformen in die Wege geleitet werden.

Dies werde sich allenfalls negativ auf die Branche und damit auch auf Transocean auswirken. Die ZKB weist weiter darauf hin, dass unter bestimmten Umständen BP substanzielle Regressforderungen an Transocean stellen könnte.

Der Transocean-Konzern hat seine Wurzeln in den USA, hatte aber seinen Sitz vor rund zwei Jahren nach Zug verlegt und ist seit April 2010 an der Schweizer Börse kotiert. Der Titel gehört dem SMI an, der die 20 grössten und liquidesten Schweizer Titel vereinigt.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.