Aktualisiert 08.03.2004 22:36

Projekt: In der Blinden Insel isst das Auge nicht mit

Blind Date in der Grossen Halle der Reitschule Bern: In einem abgedunkelten Zelt servieren Sehbehinderte ab morgen ein dreigängiges Menu.

Im Restaurant Blinde Insel tappen die Besucher im Dunkeln. Bevor sie die geheizten Zelte in der grossen Halle betreten, müssen sie ihre Handys und Uhren mit Leuchtziffern abgeben.

Drinnen ists zappenduster. Geschirr und Besteck lassen sich nur ertasten. Damit beim Anstossen etwas im Glas bleibt, ist Teamwork gefragt. Und beim Erraten der Zutaten muss man sich ganz

auf den Gaumen und die Nase verlassen.

«Der Sehsinn dominiert unsere Wahrnehmung – man entdeckt die Welt neu, wenn man ihn verliert», erklärt Jürg Krebs vom Schweizerischen Blindenverband. Neben dem sinnlichen Erlebnis sollen die Besucher der Insel auch mitbekommen, welche Leistung Blinde im Alltag vollbringen.

Sehbehinderte, die bereits in der Blinden Kuh an der Expo.02 im Einsatz waren, kümmern sich um das Wohl der Gäste. Anfang April werden die Zelte abgebrochen, die Veranstalter planen, das Projekt im November zu wiederholen. Eine gute Gelegenheit, um Berührungsängste abzubauen – nicht nur gegenüber Blinden: «Wir sind ausgebucht – und mehr als die Hälfte der Gäste kommen zum ersten Mal in die Reitschule», so Gregor Frey vom Verein Grosse Halle.

Patrick Marbach

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