Aktualisiert 21.01.2016 12:28

Kanton Zürich

Projekt soll Gewalt bei jungen Paaren reduzieren

Gewalt in Jugendbeziehungen ist ein verbreitetes Problem. An fünf Zürcher Schulen wurde deshalb ein Pilotprojekt gestartet – zur künftigen Durchführung fehlt aber noch das Geld.

von
ced
Gewalt in Beziehungen ist für viele Jugendliche ein Tabu-Thema.

Gewalt in Beziehungen ist für viele Jugendliche ein Tabu-Thema.

Keystone/Gaetan Bally

Jeder vierte Jugendliche war in seiner aktuellen Paarbeziehung schon einmal Gewalt ausgesetzt. Bei den Mädchen haben fast 20 Prozent in den letzten zwölf Monaten sexuelle Gewalt erlebt. Dies zeigt eine aktuelle ETH-Studie – laut Studienleiter Denis Ribeaud liegt das vor allem an den heutigen Rollenbildern, die eine gewisse Macho-Einstellung vermitteln. Die Fachstelle für Gleichberechtigung lancierte deshalb ein Präventionsprogramm speziell für Jugendliche.

Das Programm «Herzsprung – Freundschaft, Liebe, Sexualität ohne Gewalt» hat zum Ziel, Respekt in Paarbeziehungen von Jugendlichen zu fördern und Gewalt zu reduzieren. Die Zürcher Bildungsdirektion informierte am Donnerstag über das Projekt, das an fünf Schulen in Stadt und Kanton Zürich bei Schülern im Alter von 14 bis 18 Jahren durchgeführt wurde.

Gewalt über Internet und Handy weit verbreitet

In 18 Unterrichtslektionen setzten sich rund 100 Jugendliche mit Themen wie Beziehungswünschen, Erwartungen an Partnerinnen und Partner, Eifersucht, Grenzverletzungen und sexueller Gewalt auseinander. Dabei zeigte sich: Die Schüler haben durchaus Interesse am Projekt. «Über Gewalt bei jungen Paaren wurde bislang kaum gesprochen», sagt Martha Weingartner, Projektleiterin bei der Fachstelle für Gleichberechtigung.

Das Tabu-Thema wurde den Schülern mittels Interviews, Gruppengesprächen und Online-Fragebögen nähergebracht. «Einige hatten bereits Erfahrungen mit Gewalt gemacht», sagt Jugendarbeiter Beat Ramseier. Vor allem das Thema Internet sei gut angekommen. «Auch die Kontrolle per Handy, eine Form psychischer Gewalt, hatten viele schon erlebt, aber nicht als solche erkannt.»

Projekt momentan noch zu teuer

Ausgewertet wurden die die Projektergebnisse von der Berner Fachhochschule (BFH). Das Programm erhielt gute Noten. So hätten Jugendliche nach eigenen Aussagen etwa erkannt, «wie man eine gute Beziehung führt» oder «dass Gewalt keine Lösung ist». 53 Prozent der Teilnehmer gaben an, wegen «Herzsprung» besser über Gefühle sprechen zu können. 62 Prozent haben gelernt, in entscheidenden Momenten Nein zu sagen.

Bis Ende Jahr wollen die Verantwortlichen nun entscheiden, wie es mit dem Programm weitergehen soll. Klar ist: In der jetzigen Form wäre das Projekt für Schulen kaum finanzierbar. Anja Derungs, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung: «Die Kosten belaufen sich auf 7000 Franken pro Schule.» Man prüfe deshalb momentan eine Zusammenarbeit mit Stiftungen und der Gesundheitsförderung Zürich. (ced/sda)

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