Widerstand gegen Sawiris Hafenpläne – «Projekte sind nur so gut, wie sie auch akzeptiert sind»
Aktualisiert

Widerstand gegen Sawiris Hafenpläne «Projekte sind nur so gut, wie sie auch akzeptiert sind»

Samih Sawiris verfolgt ein neues Projekt in Uri: Zwei Marinas inklusive Hotels und Restaurants sollen gebaut werden. Durch einen möglichen Landkauf in Seedorf UR kommt das Projekt nun in Fahrt.

von
Tino Limacher
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Samih Sawiris hat seit diesem Frühjahr ein neues Ziel: zwei Jachthäfen mit Geschäften und Hotels am Urnersee zu errichten. Mit einem möglichen Landkauf in der Gemeinde Seedorf UR kommt das Projekt nun in Fahrt. 

Samih Sawiris hat seit diesem Frühjahr ein neues Ziel: zwei Jachthäfen mit Geschäften und Hotels am Urnersee zu errichten. Mit einem möglichen Landkauf in der Gemeinde Seedorf UR kommt das Projekt nun in Fahrt.

Franziska Scheidegger 
Obwohl das Projekt vor allem eine Ideenskizze ist, hat die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz bereits harte Kritik am Vorhaben geäussert. 

Obwohl das Projekt vor allem eine Ideenskizze ist, hat die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz bereits harte Kritik am Vorhaben geäussert.

Joseph Khakshouri 
«Marinas haben mit dem Urnersee soviel zu tun wie Gletscher mit der Wüste. Das Delta Isleten ist landschaftlich äusserst reizvoll und verdient eine sorgfältige Planung. Ein Disneyland in Form eines in das Delta hineinverlegten Bootshafens darf dort nicht entstehen», so Raimund Rodewald, Geschäftsleiter Landschaftsschutz Schweiz.

«Marinas haben mit dem Urnersee soviel zu tun wie Gletscher mit der Wüste. Das Delta Isleten ist landschaftlich äusserst reizvoll und verdient eine sorgfältige Planung. Ein Disneyland in Form eines in das Delta hineinverlegten Bootshafens darf dort nicht entstehen», so Raimund Rodewald, Geschäftsleiter Landschaftsschutz Schweiz.

Raimund Rodewald

Darum gehts

  • Seit dem Frühjahr 2021 plant Samih Sawiris am Urnersee, zwei Jachthäfen mitsamt Geschäften und Hotels zu bauen.

  • Mit einem möglichen Landkauf in der Gemeinde Seedorf UR scheint das Projekt nun konkreter zu werden.

  • Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz sieht das Projekt allerdings äusserst kritisch. Aber auch Eveline Lüönd von den Grünen möchte ein «zweites Andermatt» verhindern.

  • Isidor Baumann, welcher das Projekt für Sawiris leitet, relativiert. Man sei immer noch bei der Ideenskizze und man wolle die breite Bevölkerung ins Projekt einbeziehen.

Nach dem Grossprojekt in Andermatt widmet der ägyptische Investor Samih Sawiris seine Aufmerksamkeit auf das Urnerseeufer. Seit dem Frühjahr 2021 plant er dort zwei Jachthäfen, sogenannte Marinas, zu bauen. So sollen gleich zwei künstlich angelegte Bootsbuchten entstehen. Neben den Häfen will der Investor zusätzlich Dreisternehotels, Wohnungen, Geschäfte sowie Restaurants bauen lassen. Die Pläne scheinen nun konkretere Formen anzunehmen. Wie die «Luzerner Zeitung» berichtet, kann Sawiris nämlich das Land von der ehemaligen Sprengstoffanlage Cheddite bei Isleten kaufen. Für den zweiten Hafen käme als weiterer Standort die Flüeler Allmend infrage, direkt neben dem Reussdelta.

Landschaftsschutz Schweiz äussert sich besorgt

Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz sieht das Projekt äussert kritisch: «Marinas haben mit dem Urnersee soviel zu tun wie Gletscher mit der Wüste. Das Delta Isleten ist landschaftlich sehr reizvoll und verdient eine sorgfältige Planung. Ein Disneyland in Form eines in das Delta hineinverlegten Bootshafens darf dort nicht entstehen», so Raimund Rodewald, Geschäftsleiter Landschaftsschutz Schweiz. Rodewald sagt aber auch: «Herr Sawiris und ich hatten eine Aussprache, nachdem wir öffentlich Kritik an seinem Vorhaben geäussert hatten. Ich hoffe nun, dass er seine ursprünglichen Pläne fallen lässt.» Deshalb wartet man die konkreten Pläne ab und entscheidet dann über mögliche Einsprachen. Laut Rodewald haben sich schon sehr viele Urnerinnen und Urner bei seiner Stiftung über das geplante Projekt von Sawiris beklagt.

Gewagte Pläne des Investors stossen auf Bedenken

Auch Landrätin Eveline Lüönd (Grüne) steht dem Projekt kritisch gegenüber. Sie hat dazu auch eine Anfrage an die Urner Regierung geschrieben. Darin will sie etwa wissen, wie die Regierung zum Projekt stehe. «Die geplanten Marinas verstärken die Abhängigkeit des Kantons von einem einzelnen Investor und vom Tourismus», schreibt sie. Neben Umweltfragen müsse der Kanton deshalb auch abklären, welche Interessen wie gewichtet werden. «Wir wollen kein zweites Andermatt», sagt Lüönd gegenüber der «NZZ».

Mit ihren Bedenken steht die Politikerin nicht allein da. Denn erst vor zehn Jahren hat die Flüeler Bevölkerung einen Planungskredit für Flüelen-West, wo einer der zwei Jachthafen geplant ist, abgelehnt und damit eine Umwidmung des Gebiets vorerst verhindert.

Projektleiter von Sawiris relativiert

«Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen und deshalb ist überhaupt noch nichts definitiv entschieden», so Isidor Baumann, welcher für Investor Sawiris das geplante Projekt leitet. Keinesfalls möchte man aber eine Exklusivität am Urnersee schaffen, sondern prinzipiell für alle einen Ort der Unterhaltung und des Verweilens realisieren. «Es ist nicht das Ziel, unbedingt zwei Jachthäfen zu bauen, sondern das gesellschaftliche Angebot in der Region zu erweitern.» Deshalb sind unter anderem Geschäfte und Restaurants als Begegnungsorte vorgesehen. Das Beispiel Andermatt hat laut Baumann auch etwas Wichtiges gezeigt: «Projekte sind nur so gut, wie sie auch akzeptiert sind. Das konnten wir bereits beim Vorhaben in Andermatt beobachten. Deshalb ist es für uns sehr wichtig, die Interessen und Bedürfnisse der Bevölkerung oder der Umweltorganisationen beim Planen zu berücksichtigen.»

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