Zwang zur Abstinenz: Promille-Grenze bremst Feuerwehr aus

Aktualisiert

Zwang zur AbstinenzPromille-Grenze bremst Feuerwehr aus

Fahrer von Löschfahrzeugen sollen nicht länger abstinent sein müssen, fordert BDP-Nationalrat Bernhard Guhl. Laut Feuerwehrleuten könnten so Leben gerettet werden.

von
Romana Kayser
Rettungseinsätze von Miliz-Feuerwehren sind schwer planbar und passieren meist mitten in der Nacht.

Rettungseinsätze von Miliz-Feuerwehren sind schwer planbar und passieren meist mitten in der Nacht.

Seit der Einführung der «Via Sicura» Anfang Jahr gilt auch für Feuerwehrleute am Steuer die Null-Promille-Grenze. Weil die meisten Feuerwehrler den Dienst aber freiwillig oder im Miliz-System ausüben, stellt das Alkoholverbot viele vor grosse Probleme.

«Die meisten Brandfälle passieren unvorhergesehen und häufig nachts», sagt BDP-Nationalrat Bernhard Guhl. Man könne nicht davon ausgehen, dass alle Milizen oder freiwilligen Feuerwehrleute nie etwas trinken. «Wer an einem gemütlichen Abend ein oder zwei Biere trinkt, könnte bei einem Rettungseinsatz morgens um zwei Uhr noch Restalkohol im Blut aufweisen und dafür strafbar gemacht werden.»

Verkehrssicherheit gefährdet

Guhl, selbst ein Miliz-Feuerwehrmann, wehrt sich gegen die derzeit vorherrschende Rechtsunsicherheit bei Feuerwehrleuten. «Wer helfen will, soll nicht kriminalisiert werden.» In einem neuen Vorstoss fordert er, dass für Fahrer von Tanklöschfahrzeugen bei Rettungseinsätzen wieder eine Grenze von 0,5 Promillen eingeführt wird. Bereits im Mai hat der Bundesrat eine entsprechende Interpellation Guhls negativ beantwortet. Man halte «aus Gründen der Verkehrssicherheit an der tieferen Promillegrenze für Fahrer der Freiwilligen Feuerwehr fest», schrieb der Bundesrat in seiner damaligen Antwort.

Unterstützung erhält Guhl vom Schweizerischen Feuerwehrverband (SFV). Tatsächlich bereite das eingeführte Alkoholverbot den Feuerwehren Probleme, sagt Walter Pfammatter, stellvertretender SFV-Direktor. «Entweder es müssen alles Abstinenzler werden oder wir müssen Pikett-Schichten einführen». Letzteres wäre aber schlicht nicht zahlbar, so Pfammatter. «Die neue Regelung gefährdet das sehr gut funktionierende Milizsystem der Schweizer Feuerwehr.»

«Menschenleben aufs Spiel gesetzt»

Auch bei den kantonalen Feuerwehrverbänden ist man erleichtert, dass sich der Aargauer BDP-Nationalrat der Sache angenommen hat. Christian Meier, Präsident des Kantonalen Feuerwehrverbands Zürich hält das Alkoholverbot bei Feuerwehrleuten für nicht durchdacht. Die neue Regelung habe zur Folge, dass man erst ausrücken könne, wenn ein Fahrer eingerückt sei, der garantiert keinen Alkohol oder Restalkohol im Blut habe. «Die Einsatzzeit kann dadurch verzögert werden und wir verlieren wichtige Minuten», sagt Meier. Im Rauch könne ein Mensch etwa drei Minuten überleben. «Durch die Nulltoleranz können Leben aufs Spiel gesetzt werden.»

Joe Habermacher, Präsident des Kantonalen Feuerwehrverbands Aargau kritisiert, dass das Alkoholverbot die Freizeit der Feuerwehrmänner einschränke: «Milizler engagieren sich in ihrer Freizeit für das Wohl der Allgemeinheit zu einem sehr kleinen Lohn. Man kann ihnen doch nicht die noch verbleibende Freizeit einschränken, indem man ihnen verbietet, mit der Familie ein Glas Wein zu trinken», so Habermacher. Er hofft, dass durch Guhls Vorstoss die Nullpromillegrenze wieder rückgängig gemacht werden kann. «Gut wäre eine klare, unmissverständliche Regelung, was die Milizleute der Feuerwehr betrifft.»

Das Bundesamt für Strassen ASTRA möchte zu Guhls neuem Vorstoss keine Stellung nehmen. Erst müsse man die Antwort des Bundesrats abwarten. «Wir haben aber durchaus Verständnis für das Anliegen der Feuerwehren», sagt ASTRA-Sprecher Thomas Rohrbach.

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